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Günzburg

27.06.2019

Stadtentwicklung: Das Wasser muss für alle reichen

Nicht nur die Firmen auf dem Areal Pro, auch die Haushalte in Leipheim brauchen Wasser. Und derzeit muss die Stadt auch die Nachbarkommune Bubesheim notfallmäßig mitversorgen. Dass die Stadt Leipheim nun im Umfeld eines ihrer Brunnen den Flächennutzungsplan ändern möchte, hat bei den Stadtwerken Günzburg die Alarmglocken schrillen lassen. Diese waren nämlich eingesprungen, als durch das Hochwasser die Notversorgung Bubesheims nicht mehr möglich war.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Leipheim möchte ein Areal vorsehen, auf der Schulen gebaut werden können. Was die Stadtwerke Günzburg bemängeln – und was das mit der Grundversorgung auch für Bubesheim zu tun hat.

Es sei um Stunden gegangen, so schildert es Leipheims Bürgermeister Christian Konrad gut vier Wochen nach dem Hochwasser. Wenige Stunden, in denen in aller Eile eine Notwasserversorgung von Günzburg nach Bubesheim aufgebaut wurde, damit Leipheim seine durch die stetig steigende Donau gefährdeten Brunnen abschalten und die eigene Notversorgung, welche die Nachbarn in Bubesheim seit Weihnachten 2018 in Anspruch genommen haben, für die eigene Stadtversorgung verwenden konnten.

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Dramatische Stunden waren das, die klar gemacht haben, wie kostbar die Wasserversorgung einer Stadt auf einmal wird, wenn sie auszufallen droht. Auch bei den Stadtwerken Günzburg, die mit ihrer Wasserversorgung als Retter für die Bubesheimer eingesprungen sind, ist die Erinnerung an diesen Ausnahmezustand noch frisch – schließlich ist die Notleitung erst seit Kurzem wieder außer Betrieb, die Bubesheimer wieder über den Leipheimer Fliegerhorst versorgt. (Lesen Sie dazu auch: Wie das Hochwasser den Landkreis Günzburg im Griff hielt)

Leipheim will Flächen für ein künftiges Schulzentrum vorsehen

Aus diesem Grund ist es auch verständlich, dass bei den Stadtwerken die Alarmglocken geschrillt haben, als sie im Zuge ihrer Beteiligung als Träger öffentlicher Belange die 10. Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt Leipheim auf den Tisch bekamen. Im Norden der Stadt, innerhalb des ehemaligen Fliegerhorstgeländes, möchte die Stadt einen Bereich überplanen, der derzeit durch Sportanlagen und ehemalige Gebäude genutzt wird. „Uns geht es darum, die Fläche für die Zukunft zu sichern, vor allem im Hinblick auf die Immissionswerte“, erklärt Leipheims Bürgermeister Christian Konrad. Irgendwann könnten dort Grund- und Mittelschule, bisher an unterschiedlichen Standorten im Stadtgebiet, in ein gemeinsames Schulzentrum einziehen.

Stadtentwicklung:  Das Wasser muss für alle reichen

Stadtwerke: Bei dieser Planung ist die Wasserversorgung gefährdet

So weit, so verständlich. Dass das auf den zugehörigen Plänen eingezeichnete Gebiet allerdings die Schutzzonen I, II und II eben jener Wasserversorgung betrifft, die seit Weihnachten und – nach der zwischenzeitlichen Not-Belieferung aus Günzburg – jetzt wieder die Bubesheimer mit Trinkwasser versorgt, gefällt den Stadtwerken ganz und gar nicht. „Aus unserer Sicht ist es unverantwortlich, das Schutzgebiet im Fliegerhorst, das sich ohnehin schon in einem schwierigen Umfeld befindet, zu überbauen. Die ordnungsgemäße Trinkwasserversorgung im Areal Pro (und auch in Leipheim) ist gefährdet“, so Stadtwerke-Vorstand Johann Stelzle in seiner Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt. Weiter heißt es dort: „Einer Überplanung beziehungsweise Überbauung kann nur zugestimmt werden, wenn die Wasserversorgung auf andere Weise gesichert wird (neue Brunnen außerhalb des Fliegerhorstes, Anschluss an einen anderen Wasserversorger usw.).“

In der schriftlichen Begründung sieht die Lage anders aus

Was den Günzburger Bauausschuss, der den Vorentwurf und die Stellungnahme der Stadtwerke am Dienstagnachmittag auf dem Tisch liegen hatte, jedoch stutzig machte: In der schriftlichen Begründung des Vorentwurfs hatte die Stadt Leipheim geschrieben, die Brunnen befänden sich 200 Meter nördlich außerhalb des Plangebiets. Thomas Ermer (CSU) warf die Frage in der öffentlichen Sitzung auf, was denn nun Stimme. Eine Frage, die sich auch Oberbürgermeister Gerhard Jauernig und Stadtplaner Robert Friedenberger sich schon gestellt hatten.

Im Gespräch mit unserer Redaktion gab Bürgermeister Christian Konrad gestern die Antwort darauf: „Tatsächlich stimmt beides.“ Allerdings sei die Passage in der schriftlichen Begründung ungünstig formuliert. „Es geht hier nicht um das Plangebiet, sondern um das Kontaminationsgebiet des ehemaligen Militärgeländes – die Brunnen lägen 200 Meter entfernt. Tatsächlich habe die Stadt Leipheim mit ihrer Planung vor, die Schutzzonen wie eingezeichnet in die Fläche mit einzubeziehen.

Leipheim sieht die Wasserversorgung nicht in Gefahr

Konrad: „Bauen dürfen wir in den Schutzzonen I und II dann trotzdem nicht. Aber der Bereich, in dem die Schulen gebaut werden würden, wäre allenfalls im Bereich des Schutzgebietes III oder sogar außerhalb davon.“ Bei der Stadtverwaltung sei man sich bewusst, dass für solche Bereiche – so sie dann irgendwann in der Zukunft tatsächlich bebaut werden sollten – strenge Auflagen gelten. „Man kann dann beispielsweise keinen Keller bauen. Die Wasserversorgung wird aber auf keinen Fall beeinträchtigt.“

Im Gegenteil sehe er das Thema Wasserversorgung als überaus wichtig an. „Die Trinkwasserversorgung einer Kommune muss zu 150 Prozent funktionieren. Deswegen laufen derzeit auch die Untersuchungen für einen möglichen dritten Brunnen auf dem Fliegerhorstgelände. Nur: Das wird eine teure Angelegenheit.“

Günzburg wächst - und braucht mehr Wasser

Auch in Günzburg macht man sich Gedanken über die Wasserversorgung der Zukunft. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig erinnerte in der Sitzung des Bauausschusses daran, dass in einer Stadt, die jährlich um 400 bis 500 Einwohner wächst und in der Industrien angesiedelt sind, die viel Wasser benötigen, Planungen für eine Weiterentwicklung gemacht werden müssten. Die Günzburger Stadtwerke versorgen bereits auch die Nachbarn aus Rettenbach und Offingen sowie Limbach mit Wasser. „Die Gespräche über einen möglichen Anschluss von Bubesheim, die seit fast zwei Jahrzehnten laufen, werden vor dem aktuellen Hintergrund derzeit noch intensiver geführt“, so der Oberbürgermeister. „Wir haben der Nachbarkommune in ihrer Notsituation sehr gerne geholfen“, sagte Jauernig. „Aber es darf wirklich nur im Notfall so laufen.“

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