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Günzburg

06.05.2019

Stadtführung: Günzburg macht Schlagzeilen

Eine besondere Stadtführung unter dem Titel „Günzburg macht Schlagzeilen“ boten Rebekka Jakob, die stellvertretende Redaktionsleiterin der Günzburger Zeitung, und Stadtführer Stefan Baisch (im Vordergrund) am Sonntagvormittag.
Bild: Greta Kaiser

Die neue Stadtführung „Günzburg macht Schlagzeilen“ feiert Premiere. Dabei kommen spannende Geschichten und Szenen aus der Stadtgeschichte zum Vorschein.

Die Premiere ist gelungen. „Günzburg macht Schlagzeilen“ lautete der Titel einer besonderen, in dieser Form erstmals organisierten Führung durch die Günzburger Altstadt. Rebekka Jakob, die stellvertretende Redaktionsleiterin der Günzburger Zeitung, und Stadtführer Stefan Baisch boten Geschichte und Geschichten – informativ und amüsant. Trotz des widrigen Wetters waren am Sonntag knapp 30 Gäste der Führung gefolgt. Für die Auswärtigen gab es viel Neues, für die Einheimischen allerlei Bekanntes, das im Detail schon in Vergessenheit geraten sein dürfte. Wer den Stadtrundgang verpasst hat, kann Versäumtes nachholen. Am Mittwoch, 17. Juli, folgt eine weitere Führung dieser Art.

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Schlagzeilen aus 70 Jahren: Mal ernst, mal heiter

Rund eineinhalb Stunden führten Rebekka Jakob und Stefan Baisch die Teilnehmer rund um den Marktplatz. Der Stadtführer erläuterte an markanten Stellen die Historie Günzburgs – vom 77/78 nach Christus gegründeten römischen Kastell Gontia über das spätmittelalterliche Gunceburch, die 500 Jahre währende Herrschaft der Habsburger, den Wechsel der Stadt von Österreich zu Bayern 1805/1806 bis hin zum Günzburg der Nachkriegszeit und der heutigen Tage. So weit, so weitgehend bekannt.

Rebekka Jakob hatte im Archiv der Günzburger Zeitung gestöbert und dabei etliche Geschichten herausgepickt, die seit Gründung dieser Zeitung vor gut 70 Jahren für Schlagzeilen gesorgt hatten. Mal Heiteres, mal Ernstes, mal auch Bedrückendes. Vieles ist Alteingesessenen wohl noch im Großen und Ganzen in Erinnerung, über manches Detail dürfte sich aber der Schleier des Vergessens gelegt haben.

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Teilnahme am Fernsehquiz fiel ins Wasser

Der Rundgang begann vor dem Rathaus, ein Ort, an dem der seinerzeitige Oberbürgermeister Rudolf Köppler quasi stellvertretend für die Bürgerschaft eine Schlappe einstecken musste. Der Bayerische Rundfunk hatte 1977 zu einem Städtequiz aufgerufen, nur ein Günzburger Teilnehmer hatte sich gemeldet. Das Quiz wurde abgesagt, weil auch Gegner Amberg - tröstlich immerhin – kaum Interessierte auf die Beine gebracht hatte.

Weiter ging’s zum Forum am Hofgarten, in dessen Räumen 1999 verkündet wurde, dass ein neuer Legoland-Park in Günzburg gebaut würde. Die schwäbische Kleinstadt hatte knapp den Zuschlag vor der japanischen Millionenmetropole Tokio erhalten. Das Medieninteresse war seinerzeit so groß wie im April 1989, als Bundeskanzler Kohl und der französische Staatspräsident Mitterrand auf dem Marktplatz Hof hielten. „Der Überfall“ hieß eine Schlagzeile in der GZ, nachdem sich rund 8000 Zaungäste und fast 200 Medienvertreter um die besten Plätze rangelten.

1950: Das erste Nachkriegsvolksfest im Mondenschein

Der Platz zwischen Jahnhalle und AOK/Sparkasse diente einst als Sport- und Volksfestplatz. 1950 berichtete die Zeitung über ein besonders stimmungsvolles Volksfest. Die Eröffnung war auf jenen Tag terminiert worden, an dem der Mond in voller Pracht vom Himmel leuchten sollte. So wurde im romantischen Mondenschein musiziert, gesungen, getanzt und dem Bier zugesprochen – in der tristen Nachkriegszeit eine willkommene Abwechslung.

An Günzburgs dunkle Kapitel wurde auf dem Dossenbergerhof erinnert, an jene Tafel, die Schülerinnen und Schüler der beiden Gymnasien 2005 zum Gedenken an die Opfer des KZ-Arztes Josef Mengele geschaffen hatten. Vorbei ging’s am Schweinchenbrunnen auf dem Wätteplatz, dem 1990 der seinerzeitige Stadtarchivar Willi Lorenz eines seiner legendären „Postjörgele“ gewidmet hat.

Für Aufregung und Schlagzeilen hatte ein Überfall auf die Dresdner Bank 1982 gesorgt, zwei Jahre später war der neu gestaltete Marktplatz mit dem Guntia-Brunnen feierlich eingeweiht worden. Witzbolde hatten in der Nacht vor der Zeremonie Waschpulver in die Pumpen geschüttet – gerade noch rechtzeitig war der Sabotageakt entdeckt worden.

Als Michael Jackson auf dem Marktplatz gesichtet wurde

Einen Schabernack hatte sich auch ein Double von Popstar Michael Jackson geleistet. Er war 1997 in einer weißen Stretch-Limousine vorgefahren und, begleitet von Bodyguards, über den Marktplatz flaniert. Immerhin zwei Kinder, so berichtete die GZ damals, wollten von ihm ein Autogramm.

Der Rundgang endete da, wo er begonnen hatte. Auf dem Schlossplatz hatte Opernstar Diana Damrau 2007 ein verregnetes Open-Air-Konzert gegeben, die Zuhörer hatten sich in durchsichtige Plastikumhänge gehüllt. Ein Triumph war der Abend trotzdem. Berichterstatterin Rebekka Jakob hatte seinerzeit zu Recht getitelt: „Günzburgs Königin der Nacht“.

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