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Projekt

21.11.2017

Starkes Zeichen gegen den Rassismus

Die Krumbacher FOS/BOS ist jetzt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Das Foto zeigt links neben dem Schild Bürgermeister Hubert Fischer, rechts Eva Herold-Fißl und Schulleiterin Elvira Seibold.
Bild: Schule

Die Krumbacher FOS/BOS ist jetzt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Was dies bedeutet und wie dies im Schulalltag mit Leben erfüllt werden soll

Das Thema ist leider zeitlos. Rassismus – er ist auf eine beklemmende Weise ein Begleiter der Menschheitsgeschichte. Und wir begegnen ihm auch immer wieder im so zivilisierten Europa. Wie können sich Schulen, Kinder und Jugendliche diesem schwierigen Thema stellen? Das Jahr 1988 steht für eine besondere Zeitenwende. Es ist das Jahr des ersten Wahlerfolgs des rechtspopulistischen belgischen „Vlaams Blok“. Die Stimmung ist aufgeheizt, in Belgien wird als Zeichen gegen den Rassismus die Initiative „Ecole sans racisme“ (Schule ohne Rassismus) ins Leben gerufen – ein Signal der Jugend für eine offene Gesellschaft.

In Deutschland wird diese Initiative in den folgenden Jahren in ähnlicher Form aufgegriffen. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ heißt das Netzwerk, dem sich zuletzt deutschlandweit über 2500 Schulen angeschlossen hatten. Zu ihnen gehören in der Region auch die Mittelschule Krumbach (sie bekam den Titel im Juli verliehen) und die Krumbacher FOS/BOS. Die Verleihung der Urkunde erfolgte im Rahmen eines Schulfestes. Getragen wird das Netzwerk vom 1992 gegründeten Verein Aktion Courage. Doch unsere Zeit, das ist auch die Zeit der Zertifikate, Prädikate, Gütesiegel und und und ... Welche Substanz steckt hinter der Aktion „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“? „Das ist nicht nur ein Etikett“, betont FOS/BOS-Schulleiterin Elvira Seibold im Gespräch mit unserer Zeitung. Schule und Schüler würden gleichermaßen hinter diesem Projekt stehen.

Wie sieht das Projekt konkret aus? Eine wichtige Voraussetzung ist, dass mindestens 70 Prozent aller Schüler, Lehrer und Mitarbeiter einer Schule der Grundidee der Initiative mit ihrer Unterschrift zustimmen müssen. Dann wird für das Projekt ein Pate, eine bedeutende Person des öffentlichen Lebens, gesucht. Bei der FOS/BOS ist dies Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer, früher selbst FOS-Schüler, der auch zur Festveranstaltung kam.

Im Rahmen zahlreicher Aktionen setzen sich die Schüler der FOS/BOS mittlerweile intensiv mit dem Thema Rassismus auseinander. Unter anderem befassen sich drei elfte Klassen mit Aspekten der Zivilcourage, berichtet Eva Herold-Fißl. Die Beratungslehrerin sowie Lehrerin für Pädagogik, Psychologie und Kunsterziehung ist Leiterin der Wertegruppe (eine Gruppe von Lehrern, die sich speziell dem Thema Wertevermittlung widmet). Eine zwölfte Klasse setzt sich beispielsweise mit dem Thema Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA auseinander. Flucht, Fluchtursachen, Folgen von Flucht: Dieser Komplex steht in einer weiteren Klasse im Mittelpunkt. In den Fokus rücken auch Aspekte wie kulturelle Einflüsse auf die Essgewohnheiten, für das Schulfest wurde eine Ausstellung vorbereitet. Rassismus – seine Abgründe, aber auch die Möglichkeiten, sich gegen ihn zu wenden: Das steht in den elften und zwölften Klassen der FOS/BOS auf vielfältige Weise im Mittelpunkt. In der Schwäbischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Babenhausen wurden drei Schüler zu Tutoren ausgebildet, drei weitere sollen in Kürze folgen. Eingebunden in das Projekt sind alle Klassen.

Nach Auskunft von Elvira Seibold besuchen derzeit 416 Schüler die Krumbacher FOS/BOS. Rund zehn bis 15 Prozent der Schüler hätten einen Migrationshintergrund. In der Schule gebe es keinen offenen Rassismus, doch angesichts der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sei die Thematik für den Schulalltag sehr wichtig, betont Seibold.

Beim Festakt stellte Sylvia Mayer die Projektpartnerschaft „Hilfe für Menschen mit Behinderung“ in Niger vor. Kinderkrankenschwester Julia Weber informierte über ihren Einsatz im Flüchtlingslager Idomeni. Der Festakt sei, so Elvira Seibold, sozusagen erst der Anfang. Schüler sollen sich mit weiteren Ideen und Projekten einbringen und Integration gewissermaßen täglich leben. Elvira Seibold erinnert sich an die Zeit, in der in der FOS/BOS eine Flüchtlingsklasse betreut wurde. Es gab etliche gemeinsame Aktionen mit deutschen Schülern. Unter anderem auch einen ungewöhnlichen sprachlichen Austausch. Am Ende sprachen einige deutsche Schüler ein paar Worte Arabisch – und einige Flüchtlingskinder Schwäbisch. „Ich habe mich richtig gefreut“, erinnert sich Elvira Seibold. Das sperrige Wort Integration – das kann im Alltag ganz einfach richtig Spaß machen. Nicht zuletzt dafür steht „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

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