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Stehen drei Apotheker tatsächlich am Pranger?

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Kommentar Von Till Hofmann
07.09.2019

Die Behörden warnen vor Präparaten aus zwei Apotheken in Jettingen-Scheppach und einer im Nachbarlandkreis. Es werden Namen genannt - auch in der Zeitung. Warum wir so berichten.

Was ist da genau passiert in zwei Apotheken in Jettingen-Scheppach? Wie bedenklich für die Gesundheit sind die beiden Präparate, um die es geht? Jene Mittel haben nach einem Hinweis an das Günzburger Landratsamt die Kreisverwaltungsbehörde (die vor Ort zuständig ist für die Aufsicht der Apotheken) veranlasst, die Staatsanwaltschaft einzuschalten.

In der Folge davon haben im Juli Kripo und Vertreter des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in den betroffenen Apotheken Beweismittel sichergestellt. Nach eingehender Überprüfung der Präparate in den Laboren des LGL ist das Landesamt zur Erkenntnis gelangt, dass eine Einnahme nicht ohne Risiko ist. Deshalb wurde die große Maschinerie gestartet. Wiederum Polizeibeamte und LGL-Mitarbeiter verteilten in den Apotheken Warnhinweise.

Das LGL warnte außerdem über das Landratsamt die Menschen in einer ausführlichen Mitteilung vor der Einnahme der Präparate. Die Namen der betroffenen Apotheken, in denen die Mittel illegal hergestellt beziehungsweise vertrieben worden sein sollen, wurden von dieser Behörde als Warnung für die Kunden explizit genannt. Auch das zuständige Polizeipräsidium und die Staatsanwaltschaft informierten fast zeitgleich die Bevölkerung.

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Fakt ist: Amt stuft die Verstöße als schwerwiegend ein

Es ist schwierig für unsere Zeitung zu beurteilen, ob hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen wurde. Fakt ist, dass das LGL die Verstöße als so schwerwiegend bewertet hat, dass unter Berücksichtigung der Möglichkeiten als Präventivmaßnahme (Stichwort: vorbeugender Verbraucherschutz) dieser drastische Weg gewählt worden ist. Wir haben über diese Vorgänge ausführlich in den vergangenen Tagen berichtet und gezielt Fragen gestellt, uns nicht mit einer ersten Pressemitteilung zufrieden gegeben. Einer der betroffenen Apotheker ist zu Wort gekommen – wobei er zu Beginn der Woche nicht allzu viel sagen konnte, weil ihm nach eigenen Angaben die Vorwürfe in schriftlicher Form noch nicht vorlagen.

Selbst Fachleute (auf der einen Seite die Apothekerin aus Offingen, die im Landkreis Günzburg für die Landesapothekerkammer spricht, auf der anderen Seite Pharmazeuten, die für das LGL arbeiten) kommen zu unterschiedlichen Bewertungen, wobei sich Mitarbeiter des Landesamtes seit einigen Wochen konkret mit den Fällen beschäftigen.

Keine "aufreißerische" oder "unseriöse" Berichterstattung

Das alles spricht nicht für eine „aufreißerische“ oder „unseriöse“ Berichterstattung, wie manche Leserbriefschreiber meinen, sondern dafür, dass wir unsere Leserinnen und Leser ausführlich und aus unterschiedlichen Blickwinkeln über ziemlich ungewöhnliche Vorgänge informiert haben.

Wäre die Alternative gewesen, nicht zu berichten oder von „zwei Apotheken aus dem Landkreis“ zu schreiben? Nein. Denn das würde nur Spekulationen auslösen, alle aus der Branche unter Generalverdacht stellen und dem Verbraucher gar nichts nützen, weil er mit derart unkonkreten Angabe nichts anfangen könnte.

Selbstverständlich gilt für die betroffenen Apotheker in Jettingen-Scheppach und Langenneufnach die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Lesen Sie dazu auch:

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Drei Apotheken in der Region sollen illegale Arzneien verkauft haben

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