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Landkreis Günzburg

28.05.2015

Sterben die Fußballvereine?

Fußball ist Volkssport. Aber wie lange noch?
Bild: Photocreo Bednarek-Fotolia.com

Vielen Vereinen fehlt der Nachwuchs. Wie es in unserer Region aussieht und wer heute eigentlich noch regelmäßig kickt

 Sonntag, 10.30 Uhr: Die Spieler betreten den Rasen. Die heutige Begegnung ist ein Topspiel. Der Sechste trifft auf den Fünften. Wer noch einmal ganz oben mitmischen will, muss gewinnen. Auf den Zuschauerrängen herrscht Ekstase. Ganze neun Menschen klatschen ergiebig und freuen sich auf die Begegnung. Die A-Jugend des FV Oberwaldbach-Ried empfängt die U19 des TSV Offingen. Fußball ist deutscher Volkssport und trotzdem verlieren die Vereine Jahr für Jahr immer mehr Mitglieder. Wie geht es den Fußballvereinen im Landkreis Günzburg? 

 Das „Spitzenspiel“ könnte allerdings genauso als Kellerduell ausgelegt werden. Denn in der Kreisgruppe Donau 5 gibt es nur sechs Mannschaften. Egal, was zählt ist der Klassenerhalt! In der niedrigsten Liga dürfte dies eine durchaus lösbare Aufgabe sein. Dennoch geben die 22 Jungs heute alles. Schließlich will man weiter oben in der Tabelle stehen.

Nur elf Mann im Team - ohne Ersatz

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Offingen ist heute nur mit elf Mann angereist und hat daher bereits von Anfang an einen Nachteil. Bei Oberwaldbach machen es sich immerhin zwei Leute auf der Auswechselbank bequem. Ihr Trainer Dirk Langenbach kann hingegen keine Minute still sitzen, wenn seine Mannschaft spielt. Jede Torchance, jedes Foul, jeder Fehlpass bringt Langenbach in Rage. Doch in der zweiten Halbzeit wird er ruhiger, da seine Jungs in Führung gehen. Die elf Offinger tun sich offensichtlich ohne Auswechselspieler schwer.

Am Mittwoch danach trifft sich die U19 von Oberwaldbach zum Training. Der Kommentar zum Spiel fällt diesmal angesichts des 3:1-Erfolges sehr positiv aus. Auch heute sind wieder zwölf Mann anwesend. Gerhard Wagner, ein weiterer Trainer vom Fußballverein Oberwaldbach, erklärt: „Bei einer Kaderstärke von 15 Leuten ist das sehr akzeptabel.“ Es seien immer in etwa so viele.

Aus dem gesamten Landkreis angereist

Interessant ist, woher die Sportler alle kommen. Aus Jettingen, Scheppach, Burtenbach, Hafenhofen, Mindelaltheim und Winterbach reisen die jungen Männer an, nur um in Oberwaldbach Fußball spielen zu können. „Wir sind stolz darauf, keine Spielvereinigung haben zu müssen. Damit bleiben wir eigenständig“, erklärt Wagner. Früher hat er sogar einige seiner Spieler zu jedem Training abgeholt und wieder nach Hause gefahren. Die Strecke betrug einfach stolze 20 Kilometer.

„Solche Menschen gibt es immer seltener“, meint Dirk Langenbach. Während Wagner bereits sechs Jahre die Mannschaft betreut, ist Langenbach erst die zweite Saison in Oberwaldbach. Zur Freude seines Trainerkollegen Wagner: „Dirk ist eine große Hilfe. Unter ihm hat sich die Mannschaft spielerisch wie taktisch stark weiterentwickelt.“

Ein kleines Dorf mit großem Verein

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein so kleines Dorf noch eine eigene A-Jugend hat. Immer weniger Jugendliche haben Lust, im Verein zu kicken. Gründe hierfür sehen die beiden vor allem beim Freizeitangebot, das für junge Menschen wesentlich größer geworden ist. „Früher gab es für uns nichts anderes als Fußball. Wir wussten bereits in der Schulpause, wo man sich nachmittags zum Bolzen trifft“, erzählt Gerhard Wagner.

Da die Kader immer dünner werden, müssen sich die Trainer einen überlegteren Umgang mit den Spielern angewöhnen. Früher wäre man laut Langenbach, drei Wochen auf der Bank gesessen wenn man sich so verhalten hätte wie die Jugendlichen heute. Dennoch macht den beiden die Arbeit mit den jungen Sportbegeisterten viel Spaß. „Man kann lernt, die junge Generation besser zu verstehen und zu schätzen“, erklären sie.

Bei der A-Jugend in Burgau sieht es derzeit wesentlich düsterer aus als in Oberwaldbach. Am Anfang der Saison waren es noch neun bis elf Fußballer, doch mittlerweile kommen nur noch drei regelmäßig ins Training. Einer von den wenigen Burgauern ist Adrian Bachmayer. Der junge Fußballer erklärt das Phänomen: „Seit feststeht, dass wir nicht mehr aufsteigen können, fehlt vielen die Motivation.“

Viele haben keine Zeit mehr für Fußball

Weil viele bereits berufstätig seien, hätten diese am Abend keine Lust mehr zu trainieren. Adrian Bachmayer übernimmt aber viele Aufgaben in seiner Mannschaft. Mittlerweile halten sie sich bei der zweiten Mannschaft des TSV fit.

Davor hat der 17-Jährige bereits das ein oder andere Training geleitet. Er muss allerdings feststellen, dass es immer weniger Jungs gibt, die so viel Leidenschaft für Fußball haben wie er. „Es werden von Jahr zu Jahr weniger. Man muss schon wirklich Spaß am Kicken haben, sonst hört man irgendwann auf“, sagt Adrian Bachmayer.

Er hat oft versucht seine ehemaligen Mitspieler wieder zu motivieren, blieb jedoch erfolglos. Zumindest zu den Spielen erscheinen acht bis zehn A-Fußballer. Hinzu kommen einige Aushilfen aus der U17 Mannschaft.

„Im nächsten Jahr wollen wir auf jeden Fall wieder aufsteigen“, sagt Adrian Bachmayer. Vielleicht kommen dann ja mal wieder mehr Fußballer, oder zumindest die, die es demnächst werden wollen, ins Training.

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