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Landkreis Günzburg

11.08.2016

Strecke Ulm-Augsburg: Versprechen der Bahn war zu vollmundig

Hier geht alles in einem Arbeitsgang: Der Gleisumbauzug hebt die Schienen an, tauscht sie bei Bedarf aus und verlegt neue Schwellen. Im Moment ist er bei Ustersbach unterwegs.
Bild: Marcus Merk

Warum die Bauarbeiten nur in den Ferien möglich sind und was die Deutsche Bahn zu ihrem Versprechen von längeren Zügen sagt.

Die gesamten Sommerferien über dauern die Arbeiten auf der Strecke an. „Das ist bei einer Aufgabe in dieser Größenordnung nicht anders möglich“, erklärt ein Bahnsprecher. Denn jetzt gibt es trotz Urlaubszeit weniger Passagiere, unter anderem sind keine Schüler unterwegs. Um den übrigen Fahrgästen so wenig Komplikationen wie möglich zu bereiten, hatte die Bahn zunächst versprochen, dass die meisten Züge mit doppelter statt üblicherweise einfacher Zuglänge fahren. Ein Sprecher der Bahn räumte allerdings inzwischen ein, dass es sich dabei um eine etwas vollmundige Formulierung gehandelt habe.

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Er weist allerdings auch darauf hin, dass es weniger darum gehe, ob die Bahn zu viel versprochen habe, sondern darum, ob die Fahrgäste genug Platz finden. Volle Züge, bei denen manche Menschen für ein paar Stationen stehen müssten, seien bei der Planung der Zuglängen mit einkalkuliert. Sollten Züge allerdings überfüllt sein, sodass die Passagiere im Zug dicht gedrängt stehen oder sogar überhaupt nicht mehr einsteigen können, dann bestünde Handlungsbedarf. Solche seien bisher allerdings noch nicht gemeldet worden. Bei Bedarf können sich Fahrgäste aber mit DB Regio in Verbindung setzen.

Tatsächlich bedeutet die Baustelle, dass Züge zwischen Ulm und Augsburg länger unterwegs sind. ICE dürfen auf den Streckenabschnitten, auf denen gerade gearbeitet wird, statt 200 nur 90 Stundenkilometer schnell fahren. Der Güterverkehr wird auf der aktuell nur eingleisig befahrbaren Strecke komplett umgeleitet.

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Der zweite Schritt der Erneuerungsarbeiten

Die wichtigste Arbeit passiert ganz hinten im etwa 150 Meter langen Gleisumbauzug: Die Maschine hebt die Gleise etwa einen halben Meter hoch an, Greifarme entfernen die alten Schwellen darunter und setzen gleich darauf neue ein. Dann werden die Schienen wieder abgesenkt. Es ist der zweite Schritt der großen Erneuerungsarbeiten des Richtungsgleises von Freihalden nach Neusäß-Westheim. Zuvor ist bereits mit einem anderen schweren Arbeitsgerät der Schotter gereinigt und etwa zu einem Drittel ausgetauscht worden. „Das Material war einfach verbraucht“, erklärt Jan Petrat, Leiter der Produktionsdurchführung beim Netzbetreiber DB Netze in Augsburg. Das bedeutet: Nach Jahrzehnten der Überfahrt durch Züge ist es einfach zerbröselt.

180 Meter pro Stunde werden mit dem Gleisumbauzug erneuert, bei Bedarf kann die Maschine sogar im selben Arbeitsschritt die Schienen auswechseln. „Aber das ist nicht überall auf der Strecke nötig“, sagt Jan Petrat. So wie an dieser Stelle zwischen Dinkelscherben und Kutzenhausen, an der der Gleisumbauzug gerade arbeitet. Stattdessen werden die Gleise beim Heben gerichtet. Anschließend ist ein Arbeitsschritt noch per Hand nötig: Die Bolzen, die die Schienen mit den neuen Schwellen verbinden, werden mit einer Art Riesen-Schraubendreher angezogen.

Der übliche Zuglärm reduziert sich

Für einige Anwohner haben die Bauarbeiten aber sogar einen positiven Nebeneffekt: Für sie reduziert sich so der sonst übliche Zuglärm. Für andere ist es zeitweise umgekehrt: Während der Gleisumbauzug selbst gar nicht so viel Lärm macht, ertönt ein lautes Alarmzeichen immer dann, wenn die etwa 30 Arbeiter an der Baustelle vor einem vorbeifahrenden Zug gewarnt werden sollen. Zudem sind andere Arbeiten recht laut: Der Gleisumbauzug ist so lang, weil er voll beladen ist, am Anfang der Schicht mit den neuen und am Ende mit den alten Schwellen. Die müssen dann aber wieder an bestimmten Logistikpunkten auf Lastwagen auf- und abgeladen werden. Weil der Zeitplan der Baustelle so eng ist, werden gerade diese besonders lauten Arbeiten manchmal auch nachts durchgeführt. Andere Aufgaben können aus einem weiteren Grund nur nachts ausgeführt werden: Dort, wo neue Schienen verlegt werden, können die nur bei kühleren Temperaturen verschweißt werden. „Der Stahl darf nicht wärmer als 26 Grad sein“, erklärt der Bahnsprecher. Und das ist im Sommer üblicherweise tagsüber nicht der Fall.

Service Über Zugausfälle oder veränderte Abfahrtszeiten informiert die Bahn www.bahn.de/aktuell. Erreichbar ist jetzt das BahnBau-Telefon unter 0800/5996655. Überfüllte Züge können der DB Regio Allgäu-Schwaben über den Kundendialog 01806/996633 gemeldet werden.

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