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Landkreis Günzburg

12.05.2015

Tarifverhandlungen: Streik stresst die Städte

Auf dem Günzburger Marktplatz protestierten am Dienstag Mitarbeiterinnen des städtischen Kinderhauses Hagenweide und des Kindergartens am Auwaldstadion für bessere Gehälter. Günzburgs Oberbürgermeister Jauernig kritisiert die Forderungen der Gewerkschaften.
Bild: Bernhard Weizenegger

Im Landkreis ist vor allem Günzburg von den Arbeitsniederlegungen betroffen. Der Städtetagsvorsitzende Gerhard Jauernig übt Kritik.

In der Geschichte der Stadt Günzburg hat es so etwas noch nie gegeben: Zum ersten Mal ist die Stadt mit einem Streik ihrer Beschäftigten konfrontiert. Seit dieser Woche wird das Kinderhaus auf der Hagenweide bestreikt, für kommenden Montag ist auch ein Streik der Beschäftigten in Wasserburg und um Auwaldkindergarten vorgesehen. Als Bezirksvorsitzender des Städtetags kritisiert Oberbürgermeister Gerhard Jauernig ( SPD) die Forderungen der Gewerkschaften Verdi und GEW.

Jauernig vertritt als Sprecher 43 Mitgliedskommunen mit insgesamt einer Million Einwohnern auch die Interessen der Kommunalen Arbeitgeber. „Mir ist klar, Beschäftigte im Erziehungsdienst üben eine wichtige, anspruchsvolle und auch verantwortungsvolle Arbeit im Sinne der Allgemeinheit aus, für die sie auch anständig bezahlt werden sollen.“

Die meisten Erzieher würden nach Auskunft des Kommunalen Arbeitgeberverbands bei Vollzeitarbeit ein Monatsgehalt von knapp 3300 Euro erhalten. „Das ist mehr, als andere Berufsgruppen des Öffentlichen Dienstes mit vergleichbarer Ausbildung derzeit bekommen“, so Jauernig. Nach der Verdi-Forderung sollen es künftig fast 4000 Euro brutto sein – das mache ein Plus von mehr als 20 Prozent, rechnet der Oberbürgermeister vor. Jauernig ist selbst seit 25 Jahren Gewerkschaftsmitglied. Die Forderungen, die die Gewerkschaften jetzt an die kommunalen Arbeitgeber stellen, hält er für nicht angemessen. „Das bringt das Binnengefüge der Tarife im Öffentlichen Dienst aus der Balance“, so Jauernig weiter. „Was ist mit Pflegepersonal, mit Polizisten, mit Feuerwehrleuten, müsse für sie dann nicht Gleiches gelten?“

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Im Günzburger Kinderhaus auf der Hagenweide wurden Notgruppen eingerichtet, am Montag müssen die Einrichtungen in Wasserburg und am Auwald wegen des Streiks wohl geschlossen bleiben. In den Kindertagesstätten im südlichen Landkreis sind dagegen nach Informationen unserer Zeitung keine Streikaktionen vorgesehen.

„Mir ist nichts bekannt“, sagte Krumbachs Bürgermeister Hubert Fischer auf Anfrage unserer Zeitung. Gleichlautend äußerten sich auch der Thannhauser Bürgermeister Georg Schwarz, Ziemetshausens Bürgermeister Anton Birle und die Breitenthaler Bürgermeisterin Gabriele Wohlhöfler, die auch Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Krumbach ist. Zur VG gehören auch die Gemeinden Aletshausen, Waltenhausen, Ebershausen, Deisenhausen und Wiesenbach.

Besonders betroffen von den Streikaktionen sind die Familien, die sich um eine Ersatzbetreuung bemühen müssen. Setzt sich die Gewerkschaft mit ihren Forderungen durch, könnte auch dies Auswirkungen auf sie haben, sagt Gerhard Jauernig. „Die Kosten für die Kinderbetreuung sind nur zu einem geringen Teil durch Kita-Gebühren gedeckt. Zum allergrößten Teil werden sie aus dem städtischen Haushalt bestritten.“ Wer also höhere Gehälter für Erzieher fordere, müsse auch bereit sein, mehr für die Betreuung in der Kita zu zahlen.

Jauernig hofft, dass es in der nächsten Runde der Tarifgespräche zu einer Einigung kommt und die Streiks ein Ende finden. „Gewerkschaften vertreten zu Recht ein Teilinteresse, das ihrer Mitglieder. Unsere Städte, als Kommunale Arbeitgeber sind auch der Allgemeinheit verpflichtet. Das unterscheidet uns im Übrigen auch von den Arbeitgebern in der freien Wirtschaft.“

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