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Landkreis Günzburg

29.02.2020

Teststrecke A8: Politiker verbinden viele Hoffnungen damit

Die Langzeitbelichtung macht den steten Verkehrsstrom auf der A 8 deutlich. Ähnliche „Brücken“ wie diese sollen an der Autobahn entstehen. Dann geht es aber nicht um die Registrierung von Lastwagen, sondern um die Beeinflussung des Verkehrs aus ganz verschiedenen Beweggründen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Welche Vorteile die Forschung zum automatisierten Fahren bringt. Und wer trotz angekündigter Telematik-Anlagen ein Tempolimit nachts fordert.

Mit einer nationalen Vorreiterrolle ein lokales Problem lösen: Das wird – zusammengefasst – mit der A8 im Landkreis Günzburg vorexerziert. Am Donnerstag hat, wie berichtet, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer ( CSU ) öffentlich gemacht, dass es zwei Autobahnabschnitte in Deutschland geben wird, auf denen die Wechselwirkungen zwischen selbstfahrenden Fahrzeugen und dem normalen Verkehr getestet werden.

Einer dieser Abschnitte ist die A8 zwischen München/Eschenried und Leipheim. Untersucht werden sollen in den kommenden drei Jahren: Unfalldaten (Vergleich von bestehenden Unfalldaten in diesem A8-Abschnitt und den Ereignissen im Rahmen der Untersuchung), Fahrgeschwindigkeitsdaten (erreichtes durchschnittliches Tempo), die Entwicklung der Verkehrsmengen, Umweltdaten, Streckeninformationen und Daten der hochautomatisierten und autonomen Fahrzeuge. Allein der letzte Punkt umfasst 15 verschiedene Kategorien, die untersucht werden – vom Kraftstoffverbrauch bis zur Anzahl der Eingriffe des Fahrers etwa bei Konfliktszenarien.

Anderer Schwerpunkt auf der A9

Auf der A9 ( MünchenNürnberg ) werden bereits seit 2015 innovative Anwendungen auf dem Gebiet vernetzter und automatisierter Fahrzeuge getestet – also beispielsweise, wie Fahrzeuge untereinander kommunizieren. Der „Mischverkehr“ ist dort nicht wie auf der A8 im Landkreis Günzburg und der A2 in Niedersachsen im Fokus.

Teststrecke A8: Politiker verbinden viele Hoffnungen damit

Damit konnte Scheuer auch verantworten, dass im Landkreis digitale Schilderbrücken angebracht werden, die – abhängig von Umwelteinflüssen – unter anderem das Tempo vorgeben.

Woanders ist die Autobahn stärker frequentiert

Ohne den Forschungsansatz wären diese dynamischen Schilderbrücken nicht gekommen, weil es in Bayern stärker befahrene Autobahnen gibt. Auf der A8 waren nach Angaben der Autobahndirektion Südbayern westlich von Leipheim innerhalb von 24 Stunden in beiden Fahrtrichtungen 70.690 Fahrzeuge unterwegs (Zahlen von 2018). Das ist dieselbe Größenordnung wie auf der A7 am Autobahndreieck Hittistetten (70.571). Auf der A92 östlich des Autobahnkreuzes Neufahrn wurden dagegen über 105.000 Fahrzeuge gezählt.

Das Lob für das nun Erreichte ist in der Region groß: Der CSU-Kreisvorsitzende Alfred Sauter sprach davon, dass dies „ganz neue Dimensionen “ eröffne. Der frühere bayerische Verkehrsminister und CSU-Landratskandidat Hans Reichhart sieht in der Entscheidung „ein gutes Zeichen und einen doppelten Gewinn für die Region“, da das der Situation angepasste Tempolimit ein „Mehr an Sicherheit“ bedeute. Außerdem „können wir technisch in der Region zeigen, dass hier die Zukunftsmusik spielt“.

Das bayerische Verkehrsministerium wusste davon nichts

Übrigens: Im Gegensatz zu Reichhart wusste sein früheres Verkehrsministerium noch am Donnerstag nichts vom Vorhaben Scheuers. Auf eine entsprechende Anfrage antwortete eine Sprecherin, dass dem Ministerium von der A8 als Teststrecke für hochautomatisiertes und autonomes Fahren „nichts bekannt“ ist.

In einer Mitteilung begrüßte es der heimische CSU-Bundestagsabgeordnete Georg Nüßlein , dass die Region „zum Vorreiter, nein Vorfahrer für die Mobilität der Zukunft“ wird. Als einen sehr wichtigen „Nebeneffekt“ bezeichnete er die elektronisch gesteuerten Anzeigetafeln. Diese Telematik-Anlagen müsse der Bund aufstellen. „Dafür habe ich mich die letzten Jahre auf verschiedenen Ebenen eingesetzt, um die Unfallzahlen zu reduzieren, den Verkehrsfluss zu optimieren und auch um Anwohner besser vor Lärm zu schützen“, so Nüßlein.

Burgaus Bürgermeister denkt an die Einsatzkräfte

Eine Autobahn-Anrainerkommune ist die Stadt Burgau. Deren Bürgermeister Konrad Barm ( Freie Wähler ) verbindet die digitalen Anzeigetafeln mit der Hoffnung, dass sie helfen, die Unfallzahlen zu senken und die Strapazen der Einsatzkräfte zu reduzieren.

Günzburgs SPD-Oberbürgermeister Gerhard Jauernig hat in einem Schreiben an Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erst vor einem Monat sich wiederholt für die variablen Verkehrsbeeinflussungsanlagen ausgesprochen. „Dort, wo solche Anlagen noch nicht installiert sind, sollte nicht weiter zugewartet werden, sondern in der Tat eine temporäre Geschwindigkeitsbeschränkung in Betracht gezogen werden.“ Das diene der Sicherheit der Autofahrer und Einsatzkräfte. „Ein positiver Nebeneffekt ist sicherlich eine Reduzierung der Lärmwerte“, was Jauernig zufolge wiederum die Lebensqualität der Menschen in der Nähe der A 8 erhöhe.

Die Forderung: Tempo 130 zwischen 22 und 6 Uhr

Auch nachdem Scheuer die Telematikanlagen angekündigt hat, macht sich der Oberbürgermeister für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern zwischen 22 und 6 Uhr stark. Denn schließlich wisse man zum heutigen Zeitpunkt nicht, wann die Anlagen tatsächlich in Betrieb gingen.

Und was ist, wenn es so weit ist und die digitalen Verkehrsschilder ihren Dienst verrichten? Wäre ein starres nächtliches Tempolimit dann weiterhin nötig? „Die neue Situation muss dann auch neu diskutiert werden“, lautet die Ansicht des Stadtoberhaupts. Über eine Geschwindigkeitsbeschränkung macht sich auch Nüßlein Gedanken: „Ideologiegesteuerte generelle Tempolimits sind Vorschläge von vorgestern, die mit Fortschritt und Flexibilität nichts zu tun haben“, findet er.

Lesen sie dazu auch den Kommentar von Till Hofmann:

Die CSU und ihr gutes Timing

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