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Burgau

02.04.2019

Theater: Eltern gehen auf die Barrikaden

Frau Müller muss weg
6 Bilder
Frau Müller muss weg, finden die Eltern im gleichnamigen Stück des neuen Theaters Burgau. Szenenfoto mit von links Dörte Trauzeddel, Olaf Ude, Marion Wessely, Andreas Werner und Yasemin Kont.
Bild: Rebekka Jakob

Wer das verflixte vierte Schuljahr schon aus Eltern- oder Lehrersicht miterlebt hat, dem wird bei „Frau Müller muss weg“ im Neuen Theater Burgau viel bekannt vorkommen.

2. Mai 2019. Das ist der Tag, der für die Viertklässler in Bayern alles entscheidet. An diesem 2. Mai bekommen sie ihre Übertrittszeugnisse ausgehändigt – und die wiederum entscheiden darüber, in welche Schule die Zehnjährigen wechseln dürfen. Wird es das ersehnte Gymnasium, „nur“ die Realschule oder am Ende gar die Mittelschule? Wer noch nie miterlebt hat, welchen Druck dieses Stück Papier auslösen kann, der sollte sich das Stück anschauen, welches das Neue Theater Burgau derzeit spielt: Am Samstag war die Premiere von „Frau Müller muss weg“, einer Komödie von Lutz Hübner und Sarah Nemitz, die 2015 von Sönke Wortmann auch schon fürs Kino verfilmt worden ist.

Das Ziel: Das Kind muss aufs Gymnasium

Der Name des Stücks verrät es schon: Die Eltern – jedenfalls ein paar – der Klasse 4b haben sich zusammengerottet, um die Klassenlehrerin zum Rücktritt aufzufordern. Denn die Noten der Kleinen werden immer schlechter, und das hohe Ziel Gymnasium rückt in weitere Ferne.

Wer das alles schon miterlebt hat, dieses verflixte vierte Schuljahr, der erkennt sie auf der Burgauer Bühne wieder, die Typen, die er schon beim Elternabend getroffen hat: Da ist die forsche Jessica, Elternsprecherin und Lautsprecherin. Yasemin Kont geht in ihrer Rolle voll auf Konfrontationskurs, lässt Eltern und Lehrerin Frau Müller ganz deutlich spüren, wer hier das Sagen hat. Und sie fühlt sich damit auch absolut im Recht: „Seit wann sind Eltern denn objektiv? Was ist denn das für ein Bockmist!“

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Katja jedenfalls nicht – als Mutter des Klassenbesten Fritz weiß sie eigentlich gar nicht so recht, warum man gemeinschaftlich die Klassenlehrerin der 4b absetzen soll. Dörte Trauzeddel setzt den Gegenpart zu den lauten, ewig unzufriedenen, fordernden Eltern – und setzt die Verzweiflung darüber in Szene, dass die Mutter ihr Kind Fritz nicht versteht. Den Kontakt zu ihm scheint sie schon lange verloren zu haben.

Eine Menge Schul- und Elternerfahrung ist spürbar

Marina und Patrick haben ganz andere Probleme – denn ihr Lukas ist kreuzunglücklich in der Klasse. Andreas Werner gibt den pragmatischen, auf Effizienz und Problemlösung drängenden Vater. Marion Wessely die verzweifelte, weinerliche Mutter. So ungewohnt es ist, die Schauspielerin in einer so zerbrechlichen Rolle zu sehen, die sonst eher starke Frauenrollen verkörpert, so beeindruckend ist hier ihr Spiel. Eine Menge Schul- und Elternerfahrung erkennt der Betrachter darin. „Das ist bei Hochbegabten eben so“ – ein Satz, der im Publikum vernehmbares Lachen provoziert. Man kennt ihn – von unzähligen Elterngesprächen.

Und Wolf, der Vater von Janine? Der will wie alle anderen das Beste für sein Kind. Selbst arbeitslos, setzt er mit jeglicher möglicher Förderung darauf, dass seine Tochter das ersehnte Gymnasium erreicht: „Die Noten sind mir scheißegal! Wenn Janine auf dem Gymnasium ist – dann lass ich sie in Ruhe.“ Olaf Ude spielt den Papa mit ganz viel Feingefühl. Erst ganz am Ende, als das Stück eigentlich schon vorbei ist, spürt das Publikum, das der Schauspieler nicht unbeschwert in diese Premiere gehen konnte. Ein Trauerfall in der Familie ist auch der Grund, warum die geplante Aufführung am kommenden Freitag ausfallen wird.

In den Figuren und der Situation steckt viel Wahres

Dafür wird in neun anderen Aufführungen des Stücks im Neuen Theater Burgau wieder gelitten, gestritten, gekritzelt und gekämpft. Vera Hupfauer lässt ihr Ensemble in aufs Allernötigste reduzierten Kulissen agieren: Schülerstühle und Schälchen mit Kreide, mehr braucht es nicht für die Klassenzimmeratmosphäre.

Während in den normalen Szenen hauptsächlich mit Worten gestritten wird, darf es in den bunt beleuchteten Traumsequenzen durchaus etwas handfester zugehen.
Bild: Rebekka Jakob

Bunt, aber nicht zu bunt, wird es immer dann, wenn die Figuren fast schon wie in Traumsequenzen agieren: Farbige Scheinwerfer strahlen das in Zeitlupe dargestellte Geschehen an – Dörte Trauzeddel zieht akrobatische Grimassen, Andreas Wagner schwingt langsam die Fäuste und Yasemin Kont lässt auf ihrem Gesicht das blanke Entsetzen über einen plötzlichen Mittelschul-Übertritt ablaufen. So ernst das Thema ist, so verbissen die Eltern auch kämpfen, ist es eben doch eine Komödie, die das Neue Theater da auf die Bühne bringt – und die macht auch mit dem Wissen Spaß, dass ganz viel Wahres in den Figuren, in der Situation steckt.

Ach, dieser verflixte Übertritt! Der Großteil der Aufführungen ist übrigens nach jenem 2. Mai 2019 – wenn die Entscheidung für die diesjährigen Viertklässler gefallen ist, die Zeugnisse übergeben sind. Wer das alles gerade erst miterlebt hat, dem kann das Stück vielleicht helfen, den aufgestauten Zeugnis-Druck loszulassen. Spätestens dann, wenn doch alles ganz anders kommt, als sich die Eltern der Klasse 4b das vorgestellt haben.

„Frau Müller muss weg“ im Neuen Theater Burgau am 6. April (ausverkauft), sowie 5., 12., 17., 18., 24., 25. Mai und 1. und 2. Juni jeweils um 20 Uhr. Kartenservice: 0177/5892585, Reservierung und mehr Informationen unter www.neues-theater-burgau.de

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Die Diskussion ist geschlossen.

02.04.2019

Kommt das Stück denn ohne Frau Müller aus? Finde keine Erwähnung der Lehrerin.

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