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Landkreis Günzburg

26.05.2019

Thema Europa mobilisiert auch im Kreis Günzburg die Wähler

Der Andrang hielt sich am frühen Sonntagmorgen zwar noch in Grenzen, aber die Wahlhelfer hatten doch schon kurz nach Öffnung des Wahllokals in der Güssenhalle in Leip-heim alle Hände voll zu tun. Auch Margot und Herbert Schröder haben ihre Stimme abgegeben.
Bild: Erich Herrmann

Im Kreis liegt die Wahlbeteiligung um 19 Prozentpunkte über der Zahl von 2014. Leichte Verluste für die CSU, ein herber Rückschlag für die SPD, deutliche Gewinne für die Grünen.

Kein Zweifel: Das Thema Europa hat bei dieser Wahl auch im Kreis Günzburg die Menschen weit mehr bewegt als bei den Europawahlen zuvor. Bei satten 54,2 Prozent lag im Kreis die Wahlbeteiligung. 2014 waren es noch 35,2 Prozent. Leichte Verluste für die CSU, deutliche Gewinne für die Grünen, herbe Einbußen für die SPD, kaum Gewinne für die AfD: So könnte man das Wesentliche dieses Wahlsonntags im Kreis Günzburg zusammenfassen. Die CSU lag am Sonntag bei 45,2 Prozent (2014: 47,6 Prozent). Sie bleibt aber mit großem Abstand stärkste Kraft. Interessante Einblicke gibt in diesem Zusammenhang ein Langzeitvergleich. 1999 lag die CSU bei der Europawahl noch bei 72,4 Prozent. Die Grünen haben dem Bundestrend folgend deutlich zugelegt – auf 14,2 Prozent. 2014 waren es noch 8,2 Prozent. Auch hier ist ein „Blick in die Wahlgeschichte“ aufschlussreich. 1999 lagen die Grünen lediglich bei 3,4 Prozent. Für die SPD waren die Wahlergebnisse seit 1999 schwankend. 2009 hatte sie bereits mit 9,3 Prozent im einstelligen Bereich gelegen, sich 2014 wieder auf 14,6 Prozent erholt. Nun aber ein jäher Absturz auf lediglich 7,1 Prozent. Der Negativtrend der letzten Wahlen findet für die SPD damit eine weitere Fortsetzung.

Was sagen die Kreisvorsitzenden der relevanten Parteien im Kreis Günzburg zum Wahlausgang? Dies lesen Sie hier:

Stimmen nach der Abstimmung

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Die AfD hat mit 10,9 Prozent ein zweistelliges Ergebnis erreicht. Aber auch 2014 lag sie bereits bei 10,3 Prozent. In einigen Gemeinden im Landkreis Günzburg wurde die AfD zweitstärkste Kraft. Doch das Flüchtlingsthema stand bei dieser Wahl nicht so im Focus wie noch 2017/2018 bei der Bundestags- und Landtagswahl. Dies dürfte eine Erklärung sein, warum die AfD nicht wesentlich zulegen konnte. Die AfD war im Jahr 2014 erstmals bei einer Europawahl angetreten. Ein Jahr vor der Flüchtlingskrise vor allem mit einem stark Euro-kritischen Akzent. Vor fünf Jahren wurde sie im Kreis auf Anhieb drittstärkste Kraft. Leicht verbessern konnten sich bei der gestrigen Wahl die Freien Wähler, die auf 6,9 Prozent kamen (2014 waren es 5,6 Prozent, 2009 6,4 Prozent). Im Jahr 2009 waren die Freien Wähler erstmals bei einer Europawahl angetreten.

Die FDP hatte 2009 mit 7,9 Prozent bei der Europawahl ein starkes Jahr. 2014 kam sie lediglich auf 2,4 Prozent, jetzt auf 3,1 Prozent. Die Linke trat 2009 erstmals bei der Europawahl an. Ihre Ergebnisse bewegten sich seitdem im Zwei-Prozent-Bereich. Gestern waren es 1,8 Prozent. Die ÖDP konnte rund ein Prozent auf 2,7 Prozent zulegen.

SPD schneidet auch in ihrer Hochburg Günzburg schlecht ab

Auffallend ist, dass die SPD auch in ihrer Hochburg, der Großen Kreisstadt Günzburg, enorme Verluste hinnehmen musste. Lediglich 10,4 Prozent haben dort SPD gewählt. Die CSU hatte hier mit 40, 8 Prozent deutlich die Nase vorn. Ähnlich ist der Trend in Krumbach. Die CSU verlor wie in vielen Kommunen einige Prozent, bleibt aber mit 43,8 Prozent stärkste Kraft, die SPD sackt auf 7,9 Prozent ab.

Bei der Auszählung der Stimmen hatte am Sonntag die Gemeinde Aletshausen die Nase vorn – um 18.35 Uhr war das Ergebnis unter Dach und Fach. Gundremmingen folgte nur kurz danach. In beiden Gemeinden wurde die AfD mit großem Abstand hinter der CSU zweitstärkste Kraft. Jeder Wähler hat eine Stimme – im Gegensatz zu anderen Wahlen ist das System der Europawahl einfach. Entsprechend rasch waren die Stimmen in vielen Kommunen im Landkreis ausgezählt, gegen 20 Uhr stand schließlich das vorläufige Ergebnis fest.

Bereits am Vormittag hatte sich rasch abgezeichnet, dass die Wahlbeteiligung diesmal deutlich über der von 2014 liegen würde. Doch ein Anstieg um 19 Prozentpunkte, das haben wohl nur wenige erwartet. In den vergangenen Wochen wurde aber deutlich, dass – wohl auch mit Blick auf die weltpolitischen Turbulenzen und die Brexitdebatte – das Thema Europa die Menschen weit mehr bewegt als in früheren Jahren. Und die Trends bei der Bundes- und Landtagswahl aufnehmend fand die Veränderung der Parteienlandschaft bei der Europawahl auch im Landkreis Günzburg ihre Fortsetzung.

Die Einschätzung unserer Redaktion zur Europawahl lesen Sie hier:

Europawahl im Landkreis: SPD wird bedeutungslos

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