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Günzburg

28.04.2015

„Tiefer kann ein Mensch fast nicht fallen“

Ein ehemaliger Anwalt musste sich vor dem Günzburger Amtsgericht verantworten.
Bild: Bernhard Weizenegger, Symbolfoto

Warum ein ehemaliger Rechtsanwalt das Konto seines Mandanten leer geräumt haben soll

Einen „Vertrauensbruch“ hat es Richter Ivo Holzinger genannt: Ein ehemaliger Anwalt hat seinen Mandaten betrogen und ihm so 13000 Euro aus der Tasche gezogen. Gestern musste er sich vor dem Günzburger Amtsgericht für seine Tat verantworten und wurde zu einem Jahr und sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich muss er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Es ging um landwirtschaftliche Flächen

Der Angeklagte sollte seinen Mandanten dabei unterstützen, landwirtschaftliche Flächen von seinen Kindern zurückzubekommen, die er ihnen vorher überschrieben hatte. „Er fühlte sich besonders von seinen Töchtern vernachlässigt, hat ihnen vorher schon die Vollmacht für sein Konto entzogen“, sagte der damalige Bankberater des Mannes als Zeuge. Der Geschädigte habe bei früheren Terminen schon angedeutet, dass er auch seinen Grundbesitz zurückhaben wollte. Bei den Besuchen habe der Mann nie einen verwirrten Eindruck gemacht.

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Der Mandant war dement

Doch bei dem Opfer war 2009 bereits Demenz diagnostiziert worden. Ein Sachverständiger erklärte, zum Tatzeitpunkt, September 2011, müsse die Krankheit schon in einem mittleren Stadium gewesen sein müsse. Dass der Mann klare Momente gehabt haben könne, sei nicht auszuschließen. Allerdings sei er durch die Krankheit unter anderem vertrauensseliger gewesen, als normal – auch gegenüber seinem Anwalt.

Kostenvorschüsse für den Anwalt

Und der forderte viel Geld von ihm, um ihn im Prozess zu unterstützen. Anfang September zahlte der Mandant Kostenvorschüsse in Höhe von rund 11000 Euro in bar. Danach forderte der Anwalt noch einmal einen größeren Betrag als Vorschuss. Der Geschädigte ging mit ihm zur Bank und löste sein Anlagekonto auf – die letzte Reserve, denn sein Sparkonto hatte er schon für die vorherigen Zahlungen geplündert. „Ich habe mehrfach nachgefragt, ob er sich sicher ist, dass er das machen will“, sagte der Bankberater. Der Kunde bestätigte jedesmal eindeutig.

Täuschung des Anwalts

Doch die Forderungen des Anwalts waren deutlich überzogen, was dieser auch wusste. Richter Ivo Holzinger sagte: „Der Angeklagte hat den Mandanten getäuscht. Der Geschädigte ließ sich auf Zwischenfinanzierungen ein und übergab das Geld letztlich bar an seinen Anwalt. Der Anwalt zahlte diese Summe dann auf sein eigenes Konto ein.“ Aber warum täuscht ein Rechtsanwalt seinen eigenen Mandanten?

Er stand finanziell vor dem Aus

Wie der Angeklagte im Prozess bekannte, stand seine Kanzlei finanziell vor dem Ruin. Bereits im März 2011 wurde er wegen Untreue zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. Sein Leben war völlig aus den Fugen geraten. Seine Frau hatte ihn verlassen, die Miete für seine Wohnung konnte er nicht mehr zahlen und er lebte zwischenzeitlich in seinem Auto. Nachdem er sich bewusst wurde, was er seinem Mandanten angetan hatte, habe sich der Angeklagte umbringen wollen, sagte sein Verteidiger. Inzwischen hat er eine Behandlung im Bezirkskrankenhaus Augsburg hinter sich und will sein Leben neu ordnen.

Seine letzte Chance 

Diese Chance wollte ihm Richter Ivo Holzinger nicht verwehren, auch wenn er den Vertrauensbruch zwischen Anwalt und Mandant als besonders schlimm empfand. Zumal der Angeklagte nicht zum ersten Mal straffällig gewesen ist. Er sah es als strafmildernd an, dass der Rechtsanwalt seine Tat eingeräumt hat. „Für so einen Vertrauensbruch gibt es keine Entschuldigung“, sagte der Verteidiger des Mannes. Sein Mandant habe viel durchgemacht: „Tiefer kann ein Mensch fast nicht fallen.“

Er gibt zu Mist gebaut zu haben

Wegen des Geständnisses und der gezeigten Reue beließ es Holzinger bei einer Bewährungsstrafe, außerdem darf der Angeklagte drei Jahre lang den Anwaltsberuf nicht ausüben. Seine Zulassung hat er ohnehin verloren. „Was ich da gebaut habe, war großer Mist. Es tut mir furchtbar leid“, sagte der Angeklagte. Die 13000 Euro hat die Familie des Geschädigten gerichtlich zurückgefordert und der Angeklagte hat die Schuld beglichen – „auf Heller und Pfennig“, wie sein Verteidiger sagte.

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