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Ichenhausen

03.05.2014

Tierisches Verwirrspiel

2012 hat es sich ein Storchenpaar hat sich auf dem Dach des Unteren Schlosses in Ichenhausen niedergelassen.
Bild: Archivbild: Weizenegger

Das Nest der Störche am Ichenhauser Bahnhof scheint verweist. Es ist unklar, wie viele Tiere derzeit in der Stadt zu Hause sind.

Jahrelang haben sie zuverlässig das Nest auf dem Unteren Schloss besetzt, jetzt sorgen die Störche in Ichenhausen für Verwirrung. Wie viele sind überhaupt da? Zwei? Drei? Vier? Oder nur noch einer? Was tut sich in den Nestern hoch auf dem Schlossdach und in dem eher spontan gebauten „Eigenheim“ auf einem Telefonmasten beim Bahnhof in Ichenhausen? Auch „Storchenvater“ Rudolf Thoma kann nichts Genaues sagen. Seit dem Gewitter in der Nacht zum Sonntag scheint jedenfalls das Nest beim Bahnhof verwaist.

Angefangen hat die Storchensaison wie meistens in den vergangenen Jahren: Erst kam einer der großen Vögel aus dem Winterquartier auf den im Jahr 2010 renovierten Horst auf dem Dach des Unteren Schlosses, dann kam der zweite Storch, und Beobachter konnten sowohl per Bildübertragung auf einen Monitor am Schulmuseum wie auch „in echt“ vom Schlossplatz aus beobachten, wie das Paar hoch oben miteinander schnäbelte und klapperte. „Ein gutes Zeichen“, dachte da nicht nur Rudolf Thoma, „dass bald Eier im Nest liegen würden.“

Jetzt aber sitzt nach seinen Beobachtungen meistens nur ein Storch im Nest auf dem Schlossdach, und das meistens auch nur vormittags. Und dann sind da auch noch drei Störche gesichtet worden, die miteinander über dem Schloss kreisten. Waren das Jungtiere auf der Suche nach einem freien Nest? War das Paar, das bei Bahnhof genistet hat, mit von der Partie?

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Rudolf Thoma, der die großen Vögel seit Jahrzehnten beobachtet, kann auch keine Antwort geben auf die vielen Fragen, die ihn in den vergangenen Tagen erreicht haben. Pendelt also vielleicht einer der Schloss-Störche gelegentlich auch in das Nest beim Bahnhof? Generell gilt, so Rudolf Thoma, dass die Störche sehr horsttreu sind, mit der Gattentreue ist es nicht immer so weit her. Sogar von Partnerwechseln innerhalb einer Brutzeit wird in der Fachliteratur berichtet. Eier sind jedenfalls, trotz der auf dem Ichenhauser Schlossdach installierten Kamera, im Storchennest nicht zu sehen. Thoma geht davon aus, dass inzwischen einer der beiden Vögel „verloren gegangen ist“.

Seit dem Gewitter in der Nacht zum Sonntag sind laut Thoma auch die beiden Störche, die sich auf einem Telefonmasten beim Bahnübergang Richtung Oxenbronn in Eigenregie ein Nest gebaut haben, weg. Ein Vogel sei gelegentlich noch gesehen worden, sitze aber nicht mehr im Horst. Vor dem nächtlichen Gewitter, das dann auch eine Menge Regen brachte, hätten die Störche beim Bahnhof schon rund acht bis zehn Tage gebrütet, jetzt seien sie wohl „irgendwie verscheucht“. Das Gelege hat dann praktisch keine Chance: Kälte und Nässe können nicht nur schutzlosen Jungvögeln zur Gefahr werden, sondern auch die Eier kühlen aus.

Keine Eier im Horst auf dem Schlossdach, ein verlassenes Nest auf dem Telefonmasten beim Bahnhof – es sieht so aus, als ob es mit dem Storchennachwuchs in Ichenhausen nicht klappen würde. Im vergangenen Jahr war die Brut auf dem Dach des Unteren Schlosses Opfer eines Kälteeinbruchs geworden. 2012 hatten die Eltern zwei von drei Jungen erfolgreich aufziehen können. Damals war auch die Storchenkamera auf dem Dach des Schlosses installiert worden. Seitdem kann man Meister Adebar zwar direkt ins Nest gucken – aber klüger ist man trotzdem nicht. (ilor)

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