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Günzburg

17.07.2020

Torsten Zofka will beim VfL Günzburg das Gute noch besser machen

Torsten Zofka startet optimistisch in seine neue Aufgabe. Dass er im sportlichen Hoch beginnt, belastet den neuen Handball-Abteilungsleiter des VfL Günzburg nicht. Er weiß um die Fachkompetenz in seinem Führungsteam.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Wie der neue Handball-Abteilungsleiter das Männer-Team für das Abenteuer Dritte Liga aufgestellt sieht. Den Frauen traut er künftig eine ganz besondere Rolle zu.

Die Wahl ist gelaufen – viel Glück für Ihr Wirken als Handball-Abteilungsleiter des VfL Günzburg, Herr Zofka. Was haben Sie sich denn vorgenommen für den Start? Immerhin müssen Sie nun im Dreieck zwischen Jugend-, Amateur- und Leistungssport jede Menge Interessen bedienen, die sich zumindest in Teilen nicht so leicht zusammenführen lassen.

Torsten Zofka: Der Abteilungsleiter muss nach meiner Vorstellung diesen Spagat gar nicht machen. Er sollte sich stattdessen mit Leuten umgeben, die ihre jeweiligen Bereiche möglichst optimal versorgen. Diese Strukturen haben wir im VfL Günzburg bereits und wir arbeiten nun daran, sie schrittweise auszubauen.

Das hört sich mehr nach fließendem Übergang als nach Wandel an.

Torsten Zofka: Es wäre doch auch nicht richtig, eine funktionierende Sache groß zu ändern. Alle im Team um meinen Vorgänger Armin Spengler haben ihre Sache gut gemacht. Die Erfolge sprechen ja für sich. Wir befinden uns sportlich an einer Stelle, von der es fast nicht mehr nach oben gehen kann. Das wird nicht nur im eigenen Verein anerkannt. Und Spengler hört ja nicht auf; er ist als mein Stellvertreter unter anderem für das Sponsoring zuständig.

"Armin Spengler hat einen Mega-Job gemacht"

Anders gefragt: Worin unterscheiden Sie sich von Ihrem Vorgänger, der das Amt sechs Jahre lang innehatte?

Torsten Zofka: Um es mal sportlich zu sagen: Armin Spengler ist ein Allround-Handballer, mit dem mag ich mich als Torwart gar nicht vergleichen. Den kannst du losschicken und geeignete Spieler verpflichten lassen oder drei, vier neue Sponsoren ins Boot holen. Er präsentiert auch Veranstaltungen in einer Leichtigkeit, als würde er das jeden Tag machen – während ich ernsthaft darüber nachgedacht habe, einen Sprecher zu installieren.

Und darüber grübeln Sie immer noch.

Torsten Zofka: Ja tatsächlich. Und wenn Armin Spengler nicht als zweiter Mann zugesagt hätte, würde ich das Amt auch nicht übernehmen. Ich habe schon im Vorfeld der Übergabe gemerkt, dass es absolut richtig von mir war, das zur Bedingung zu machen. Die Übergabe ist insgesamt sehr umfangreich. Und für mich wird es unglaublich schwer, am Anfang sogar unmöglich sein, in die Fußstapfen meines Vorgängers zu treten. Er hat über die Jahre einen Mega-Job gemacht. Das weiß jeder.

Sie als Günzburger Eigengewächs zu bezeichnen, ist fast schon untertrieben. Seit 39 Jahren sind Sie Handballer, 36 Jahre davon haben Sie für den VfL Günzburg gespielt, gefühlt und gearbeitet. An welche Momente denken Sie besonders gerne zurück?

Torsten Zofka: Es sind sicher die sportlichen Höhepunkte, die ich als Torwart erleben durfte, zum Beispiel meine Berufung ins Zweitliga-Team des VfL. Dort durfte ich im großen Schatten von Chrischa Hannawald das letzte Bundesliga-Jahr aktiv miterleben. Vorrangig hängen geblieben sind bei mir aber die vielen schönen Erlebnisse aus der VfL-Jugend, in der ich zeitweise unter meinem Lieblingstrainer Stephan Hofmeister spielte. Ohne andere Mitstreiter klein zu reden ist er für mich heute der wichtigste Mann in der Abteilung. Natürlich im Sportlichen, vor allem aber auch in Sachen Außendarstellung des Vereins. Wäre sein zeitlicher Aufwand in wichtigen Bereichen der Abteilung nicht schon so groß, würden Sie dieses Interview jetzt wahrscheinlich nicht mit mir, sondern mit ihm führen.

Sponsoren ziehen trotz steigender Kosten mit

Zum sportlichen Aushängeschild des VfL Günzburg: Die Männer sind in die Dritte Liga aufgestiegen. Den Erfolg in der Halle begleitet doch sicher eine enorme Kostensteigerung, oder?

Torsten Zofka: Noch fehlt mir das gänzliche Verständnis für all die Zahlen, mit denen ich mich bislang nie beschäftigen musste. Aber ja, der Finanzplan für die neue Saison zeigt, dass der Aufwand zwar nicht beängstigend, aber doch merklich steigt. Dabei finde ich es ganz erstaunlich, wie bereitwillig die Mehrheit unserer Sponsoren die neuen Anforderungen mitgeht und das finanzielle Engagement wirklich nennenswert erhöht, teilweise verdoppelt hat – trotz Corona. Allerdings war das auch notwendig und wir dürfen dafür wirklich dankbar sein.

Der VfL will es weiter auf die Günzburger Art versuchen. Verpflichtungen auswärtiger Handballer sollen nur vereinzelt und positionsbezogen erfolgen, die Aufstiegshelden werden demnach auch auf der höheren Spielebene Einsatzzeiten bekommen.

Torsten Zofka: Der Kader ist so knapp, dass du niemanden auf die Bank schicken musst. Ein paar Spieler haben sich ja verabschiedet, Jonas Guckler zum Beispiel und Jonas Lehr. Frieder Bandlow ist nach oben weg, ging zum TV Großwallstadt. Ihn mussten wir von auswärts ersetzen. Wenn du ohnehin schon eher im unteren Bereich der Drittliga-Mannschaften zu sehen bist und dann dein hoffnungsvollstes Talent auf der rechten Seite abgeben musst, kannst du das nicht ohne hochwertigen Ersatz kompensieren.

VfL Günzburg will mindestens den 13. Platz erreichen

Und wer wird ihn ersetzen? Die bisherigen Neuzugänge Balász Tóth (Rückraum links) und Luca Kaulitz (Linksaußen) wohl kaum.

Torsten Zofka: Ich glaube, da kommen noch zwei Leute. Die Gespräche sind weit fortgeschritten, aber Namen kann ich an dieser Stelle nicht nennen.

In der spätestens jetzt wieder bundesweiten Wahrnehmung gilt der VfL Günzburg als Kandidat für die Plätze am Südpol der Tabelle. Auch vereinsintern wird die verbale Defensivstrategie gepflegt. Ist das Understatement oder Realitätssinn?

Torsten Zofka: Du weißt, du bist hinten dran, aber wo genau du stehst, ist derzeit nicht zu definieren. Da am Ende der Saison mutmaßlich fünf Mannschaften absteigen, wollen wir in einer 18er-Gruppe natürlich mindestens den 13. Platz belegen – wenn es geht. Was uns neben unseren eigenen Qualitäten hoffnungsvoll stimmt: Während wir sponsorentechnisch ordentlich zugelegt haben, leiden dem Vernehmen nach einige andere Vereine massiv unter den Corona-Problemen und werden vielleicht etwas schwächer. Es ist eine Hoffnung, nicht mehr.

Wissen Sie denn inzwischen, in welcher Staffel die Günzburger antreten werden?

Torsten Zofka: Diese und weitere zentrale Fragen zur neuen Saison beantwortet die Spielkommission der Dritten Liga, die jetzt am Wochenende tagt. Wenn die 72 Drittligisten wie bisher in vier Staffeln eingeteilt werden, landen wir zu 98 Prozent in der Süd-Gruppe.

Bestehen Zweifel an dieser Einteilung?

Torsten Zofka: Unter Corona-Gesichtspunkten halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass es zu einer Sechsteilung kommt. Das wären zwölf Mannschaften pro Spielgruppe, man könnte später als momentan geplant starten, vielleicht erst im Dezember.

VfL-Fans spielen besonders bei Heimspielen wichtige Rolle

Aber dann hätte der VfL Günzburg nur elf Heimspiele.

Torsten Zofka: Nicht unbedingt. Bei kleineren Ligen könnte es anschließend Playoffs geben. Wobei ich davon als Vertreter des VfL Günzburg nicht reden möchte. Aber Playdowns könnten uns aufgrund unserer tollen Heim-Atmosphäre sogar entgegen kommen.

Was uns zur Fankultur bringt. Günzburg gilt bis heute als Zuschauermagnet. Können die Fans auch in der Dritten Liga den Unterschied machen?

Torsten Zofka: Der achte Mann hat schon immer eine wichtige Rolle im Günzburger Handball gespielt. Nur ein Beispiel: In der bislang letzten Zweitliga-Saison des VfL, das war 1992/93, wurden bis auf eines alle Heimspiele gewonnen und umgekehrt bis auf zwei alle Auswärtsspiele verloren. Das zeigt, welche Macht da in Günzburg vorhanden war und bis heute ist.

Wie groß ist denn die Gefahr, dass bei schlechten Ergebnissen die Zuschauer lieber daheim bleiben? Immerhin sind sie jetzt eine jahrelange Erfolgsserie gewohnt.

Torsten Zofka: Ich rede ungern über Zuschauerzahlen, die ich mir erwarte. Am Anfang wirst du die Hütte voll haben, vielleicht könnten wir in den ersten Heimspielen sogar vierstellig werden. Und danach wird erfahrungsgemäß viel von den Ergebnissen abhängen.

Neuer VfL-Abteilungsleiter will sich für Zufriedenheit einsetzen

Ein kurzer Schwenk zu den Bayernliga-Frauen. Auch die kamen zuletzt einem Aufstiegsplatz in die Dritte Liga schon einigermaßen nah. Weckt das Begehrlichkeiten?

Torsten Zofka: Die Entwicklung der Frauen ist fast genauso wie die der Männer. Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und sage: Ein Frauenteam irgendwann in der Dritten Liga zu haben und auch dort zu halten, ist in Günzburg vielleicht einfacher als bei den Männern.

Bis zur nächsten Wahl der Führungsmannschaft werden zwei Jahre vergehen. Armin Spengler hat den Job zuletzt sechs Jahre lang gemacht. Haben Sie sich selbst eine Frist gesetzt? Wissen Sie jetzt schon, wie lange Sie die VfL-Handballer führen werden?

Torsten Zofka: Normalerweise bis zum Lebensende. Es sei denn, man findet einen, der es lieber macht. Oder man leistet sich einen Riesenbock.

Wenn dereinst der Tag kommt, an dem Sie abtreten: Was würden Sie dann gerne Ihrem eigenen Spiegelbild sagen?

Torsten Zofka: Dass ich gar nicht groß aufgefallen bin. Ich bin jemand, dem Zufriedenheit sehr wichtig ist, nicht nur für mich, sondern für alle, die mitwirken. Dafür werde ich mich als Abteilungsleiter einsetzen, so gut ich kann.

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