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Kreis-Bürger bei Rallye

22.08.2019

Überlebt das Auto? Durch den Balkan ist alles möglich

Viel Arbeit steckt in den bunt beklebten, über 20 Jahre alten Autos von (von links) Carmen Wörle, Martin Unseld, Isabella Wörle, Marco Rossi, Jonas Merkle und Sebastian Lohr. Mit ihnen nehmen sie vom 24. August bis 2. September am Pothole Rodeo, einer Abenteuer-Autorallye durch den Balkan, von Graz nach Zadar teil.
Bild: Lea Binzer

Das Pothole Rodeo ist eine Autorallye durch den Balkan. Die Fahrzeuge müssen dabei mindestens 20 Jahre alt sein. Auch drei Teams aus dem Landkreis-Norden machen mit.

Elf Länder, 4000 Kilometer, zehn Tage – das ist das Pothole Rodeo (Schlagloch Rodeo), eine Abenteuer-Autorallye durch den Balkan. Seit 2014 findet der Trip jährlich statt, der von Graz in Österreich nach Zadar in Kroatien führt. Organisiert wird er von einem österreichischen Veranstalter. Heuer nehmen drei Teams in drei Autos aus dem Raum Günzburg teil.

Aufgeregt wirken Carmen Wörle, Martin Unseld, Isabella Wörle, Marco Rossi, Jonas Merkle und Sebastian Lohr aus Günzburg, Kötz und Echlishausen noch nicht, obwohl es schon morgen losgeht. „Wir müssen nur noch einladen und Lebensmittel einkaufen. Sonst ist schon alles erledigt“, erklärt Jonas Merkle. Alle sechs freuen sich schon auf das Abenteuer. Sie sind zwischen 20 und 25 Jahre alt. Die einzige Ausnahme bildet die 61-jährige Carmen Wörle.

Die Autos müssen mindestens 20 Jahre alt sein

Die Idee, an der Rallye teilzunehmen, hatte Jonas Merkle. „Ich habe das vor Fasching auf Facebook gesehen und gleich an Martin weitergeleitet.“ Der war begeistert und sagte spontan zu. „Erst danach haben wir ernsthaft überlegt, ob es Sinn macht, daran teilzunehmen“, sagt Martin Unseld.

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Beim Pothole Rodeo handelt es sich um eine Low-Budget-Rallye: Die Fahrzeuge müssen mindestens 20 Jahre alt sein und dürfen in ihrer Anschaffung nicht mehr als 500 Euro kosten. Dennoch rechnen die sechs mit Kosten von knapp 2000 Euro pro Kopf für die gesamte Rallye: 600 Euro Anmeldegebühr pro Auto mit zwei Insassen und die Ausgaben für etwa 500 Liter Sprit pro Wagen, für das Übernachten auf Campingplätzen oder in Pensionen und für die Verpflegung fallen an.

Viel Arbeit im Vorfeld des Pothole Rodeo für die drei Teams

Auch die drei Autos haben sie extra gekauft, sagt Marco Rossi: einen Mercedes, VW Passat und Subaru Forester mit 250000 bis 330000 Kilometern auf dem Tacho. Drei Monate lang haben sie einen Haufen Arbeit in die Fahrzeuge reingesteckt. „Wir mussten viel reparieren, vor allem schweißen. Was wir nicht konnten, haben wir machen lassen“, erzählt Sebastian Lohr. Denn keiner von ihnen ist Automechaniker. Stattdessen kommen sie unter anderem aus dem IT-, Metall-, Elektro- und Industriebereich. Extra Dachträger und Lichter haben sie selbst montiert.

Die Pothole Rodeo Rallye führt durch elf Länder. Start ist in Graz (Österreich), das Ziel ist in Zadar (Kroatien).
Bild: Pothole Rodeo

Und was ist, wenn auf der Fahrt etwas an den Autos sein sollte? Sie haben Ersatzteile dabei. „Und bei einem Totalschaden verkaufen wir das Auto vor Ort. Dann räumen wir um und fahren mit den anderen beiden weiter“, sagt Martin Unseld.

Die Straßen auf dem Balkan: Abenteuer für's Auto

Um Geschwindigkeit geht es beim Pothole Rodeo sowieso nicht, vielmehr um das Abenteuer und das Durchkommen. Die Straßenverhältnisse sind oft schlecht, es gibt viele Schlaglöcher. Die Strecken zwischen den Treffpunkten sind zwar frei wählbar, aber für den Spaßfaktor sollte auf Autobahnen verzichtet werden. Ein Streckenbuch mit Routenempfehlungen und Sehenswertem gibt es beim Start.

Eine besondere Herausforderung zwischen den neun Treffpunkten sind Tagesaufgaben, um Land und Leute besser kennenzulernen. Diese erfahren die Teams kurzfristig. „Einmal musste ein Pferd das Auto ziehen oder eine Braut musste mit dem Auto posieren“, zählt Sebastian Lohr einige der Aufgaben früherer Jahre auf. Dafür gibt es Punkte. Sieger ist, wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat.

Der soziale Aspekt kommt bei der Rallye nicht zu kurz

Zusätzlich verfolgt die Rallye einen sozialen Aspekt. Wer will, kann auf der Strecke halt in einem kleinen Bergdorf in Albanien machen und Sachspenden abgeben. Dies erfolgt zusammen mit der weltweit tätigen Organisation Ora International Österreich, die dort eine Kindertagesstätte betreut. „Wir haben Schulranzen, Spielzeug, Kleidung und Schuhe gesammelt“, sagt Jonas Merkle.

Morgen fahren sie los nach Graz, um sich dort am Nachmittag anzumelden und alles mit den Organisatoren abzuklären. 80 bis 90 Teams aus ganz Europa werden erwartet. Am Samstag in der Früh starten sie dann. „Mit zehn Stunden im Auto pro Tag müssen wir schon rechnen“, erklärt Marco Rossi. Doch Jonas Merkle ist sich sicher: „Das wird lustig. So etwas macht man nur einmal.“

Am Montag, 2. September, sollten alle in Zadar einfahren. Zur Belohnung findet dort eine Abschlussparty statt. Danach haben die sechs noch ein paar Tage Urlaub geplant, bevor sie die Heimreise antreten. Ob alle drei Autos ankommen? Da sind sie sich noch nicht so sicher.

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