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Offingen

27.11.2018

Übung in Offingen: So kommuniziert die Bundeswehr

In einem Zelt auf der Mindelhalbinsel in Offingen laufen alle Kabel der Bundeswehrübung „Donau-Blitz“ zusammen: Elf Soldaten bauen ein Kommunikationsnetzwerk mit vier anderen Standorten im Landkreis Dillingen auf. Auf einer Leinwand läuft eine Aufnahme der Aufklärungsdrohne Heron.
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In einem Zelt auf der Mindelhalbinsel in Offingen laufen alle Kabel der Bundeswehrübung „Donau-Blitz“ zusammen: Elf Soldaten bauen ein Kommunikationsnetzwerk mit vier anderen Standorten im Landkreis Dillingen auf. Auf einer Leinwand läuft eine Aufnahme der Aufklärungsdrohne Heron.
Bild: Bernhard Weizenegger

Das IT-Bataillon 292 baut bei der Übung „Donau-Blitz“ in Offingen ein Kommunikationsnetzwerk auf. Der Chef der vierten Kompanie übergibt in der Patengemeinde das Kommando. Welche Technologien die Truppe einsetzt.

Hauptfeldwebel Thomas Eisenreich steigt eine Stahltreppe empor und öffnet die Metalltür seines Bundeswehr-Lastwagens auf der Mindelhalbinsel in Offingen. Das IT-Battaillon 292, das in der Dillinger Kaserne stationiert ist, übt in vier Kommunen im Landkreis Dillingen und in Offingen. Die Marktgemeinde pflegt eine Patenschaft mit der vierten der fünf Kompanien. Bei der Übung will die Bundeswehr ihr Können zeigen – und das Bild einer hinter Zäunen abgeschotteten Armee abbauen, wie ein Offizier sagt.

Eine Funktechnologie der Bundeswehr soll mit LTE ergänzt werden

In der Lastwagen-Kabine stehen blinkende Serverschränke, ein Feldbett und ein Bildschirm. „Ich arbeite seit acht Jahren mit Tetra-Pol“, sagt Eisenreich. Das sei eine Funktechnologie, die auch Polizei und Rettungsdienst in etwas anderer Form verwenden. Wenn der Lastwagen zum Einsatz kommt, muss Eisenreich drin bleiben. In einem Radius von 25 Kilometern können die Soldaten dann per Funk miteinander sprechen. 50 Millisekunden soll es dauern, bis das Signal vom einen Ende des Abdeckungsbereichs zum anderen Ende geschickt wurde. „In der Realität fühlt es sich etwas langsamer an.“ Der Soldat sagt, ein Nachfolger soll kommen – auf einer ähnlichen technischen Grundlage, allerdings mit LTE, das auch Smartphones nutzen.

Eisenreich war fünf mal im Auslandseinsatz, erzählt er. Bei dreien war er für die Funkverbindung zuständig. „In der Regel geht es nicht um die Ersterschließung eines Gebiets, sondern um die Aufrechterhaltung des Systems“, erklärt er. „First-Level Support“, sagt er dazu. Einfacher formuliert er es so: „Mein Funkgerät funktioniert nicht, was mach ich jetzt?“

Das Satelliten-Internet ist recht langsam, wird aber im Lager ersetzt

Oberstabsfeldwebel Michael Habenicht ist zuständig für die Datenübertragung. Er nutzt eine übergroße Satellitenschüssel, die Signale zu einem Bundeswehrsatelliten überträgt und von ihm empfängt. Diese Technik schafft nur Datenraten von zwei Megabit pro Sekunde – ein privater DSL-Anschluss mit der 50-fachen Geschwindigkeit ist heute keine Seltenheit. „Das ist die erste Möglichkeit, ohne aufgebautes Feldlager zu kommunizieren.“ Lasse sich die Bundeswehr längerfristig an einem Ort nieder, werde die Verbindung durch eine andere ersetzt, häufig sogar durch Leitungen im Boden, sodass Soldaten auch privat das Internet nutzen könnten.

Vor der Satellitenschüssel ist ein Bereich mit Absperrband gesichert. „Nichtuniformierte dürfen der Strahlung nicht länger als fünf Minuten ausgesetzt werden“, warnt Leutnant Marco Frost, der Staffelführer in Offingen. Er ist mit elf Soldaten im Einsatz. In Holzheim, Wertingen, Höchstädt und Dillingen üben vier weitere Staffeln mit 90 Soldaten.

Eine Richtfunkverbindung überträgt eine Drohnenaufnahme

In einem Zelt am Ende der Halbinsel laufen alle Kabel zusammen. Auf einem Tisch steht ein Rucksack, das Herzstück des Lagers. Ein „KMW-System“, wie ein Uniformierter hinter einem Notebook sagt. „Das ist am ehesten vergleichbar mit einer Fritzbox, nur etwas umfangreicher.“ Über digitalen Richtfunk empfängt das Lager ein Signal aus dem Landkreis Dillingen. Auf einer Leinwand ist die Aufnahme der Aufklärungsdrohne Heron zu sehen, die im Einsatz mögliche Ziele und Gefahren erkennen soll.

Der bisherige Chef der vierten Kompanie, Major Patrick Glaser, tritt an diesem Tag ab. „Ihr seid der Muskel, der den Karren oftmals aus dem Dreck gezogen hat und aus diesem nicht näher benannten Haufen Gold gemacht hat“, sagt er seinen Soldaten. Bataillonskommandeur Oberstleutnant Markus Krahl, der Chef der Dillinger Kaserne, übergibt die Kompanie ihrem neuen Chef: dem 37-jährigen Hauptmann Björn Maurer.

Der Bürgermeister hat mittlerweile ein positives Bild der Patenschaft

Bürgermeister Thomas Wörz sagt, er habe die Patenschaft zunächst „sehr, sehr kritisch gesehen“. Wörz selbst, gelernter Krankenpfleger, hat Zivildienst geleistet. „Einmal habe ich in der Kaserne aus Versehen einen Oberleutnant zum Oberstleutnant befördert“, erzählt er. Mittlerweile sehe er die Patenschaft anders: Die Kompanie bereichere die Gemeinde. So half sie zum Beispiel bei einer Flurreinigung, besuche Offingen am Volkstrauertag und veranstalte mit dem Schützenverein regelmäßig Gästeschießen. „Heute würde ich die Patenschaft nicht mehr hergeben.“

Hier finden Sie eine Bildergalerie der Übung „Donau-Blitz“ in Offingen:


Das IT-Bataillon 292 der Bundeswehr aus Dillingen baut in Offingen im Rahmen der Übung Donau-Blitz Kommunikations-Netzwerke auf. Führungswechsel bei der vierten Kompanie, der Patenkompanie: Major Patrick Glaser übergibt an Hauptmann Björn Maurer.
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Die Bundeswehr zeigt in Offingen ihr Können
Bild: Bernhard Weizenegger


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