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Ichenhausen

21.02.2018

Umstrittener Chef für Marienfried

Das Archivfoto zeigt den damaligen Pfarrer von Ichenhausen, Georg Alois Oblinger, im November 2011.
Bild: Bernhard Weizenegger

Georg Alois Oblinger wird in der Gebetsstätte in Pfaffenhofen tätig sein. Er machte während seiner Tätigkeit in Ichenhausen mit streitbaren Publikationen von sich reden.

In der Gebetsstätte Marienfried in Pfaffenhofen steht ein Führungswechsel an: Zum 1. Oktober 2018 wird Pfarrer Georg Alois Oblinger dort neuer Rektor. Der 50-Jährige folgt auf den Bischöflichen Geistlichen Rat Clemens Maria Henkel. Wie das Bistum Augsburg mitteilt, wird der 57-Jährige nach neun Jahren die Gebetsstätte verlassen und für eine überdiözesane seelsorgerische Aufgabe freigestellt werden. Details dazu nannte das Bistum nicht, Henkel selbst war nicht zu erreichen.

Pfarrer Oblinger als Henkels Nachfolger ist kein Unbekannter in der Region. Von 2004 bis 2012 war er nur 13 Kilometer entfernt von Marienfried tätig – als Leiter der Pfarreiengemeinschaft Ichenhausen. Danach wechselte er an den Bodensee zur Pfarreiengemeinschaft Lindau-Insel, die er nun seit sechs Jahren leitet. Der in Saarlouis geborene Geistliche wurde 1995 zum Priester geweiht.

Wie es in der Mitteilung des Bistums weiter heißt, blicke Oblinger in gespannter Erwartung und auch mit einer gewissen Neugier auf die kommende Aufgabe in Marienfried. „Ich durfte bereits in meiner Zeit als Pfarrer von Ichenhausen die dichte geistige Atmosphäre dieses Gnadenortes erleben“, wird er zitiert. Sowohl unter Direktor Henkel als auch unter dessen Vorgänger Monsignore Josef Fickler sei er immer wieder zum Predigen und Beichthören dort eingeladen gewesen. „Es freut mich sehr, dass Bischof Konrad mich mit dieser Aufgabe betraut. Immerhin ist die Gebetsstätte eines der geistlichen Zentren in der Diözese“, sagt der künftige Rektor demnach weiter.

Oblinger machte 2012 von sich reden

Was in der Pressemitteilung allerdings nicht erwähnt wird: Anfang 2012 machte Oblinger als damaliger Ichenhauser Stadtpfarrer wegen seiner umstrittenen publizistischen Tätigkeit von sich reden. Unter anderem hatte er jahrelang für die rechtsgerichtete Wochenzeitung Junge Freiheit geschrieben. Das Medium bezeichnet sich selbst als „Wochenzeitung für Debatte“. Einige Politikwissenschaftler wie Stephan Braun oder Marc Grimm dagegen betrachten es als Sprachrohr der „Neuen Rechten“ an der „Schnittstelle zwischen Rechtsextremismus und Konservativismus“.

Oblinger schrieb als Kolumnist früher regelmäßig für die Junge Freiheit. Gleichzeitig unterrichtete er als Ichenhauser Pfarrer aber auch an mehreren Schulen im Landkreis Günzburg. Das war dem Bistum Augsburg offenbar ein Dorn im Auge: Bischof Konrad Zdarsa rügte den Geistlichen und erteilte Oblinger Ende 2011 ein Publikationsverbot für die Wochenzeitung. Offenbar ist diese Vorgeschichte für das Bistum kein Hindernis, den Geistlichen künftig nur wenige Kilometer von seiner früheren Wirkungsstätte wieder einzusetzen. Auch dazu hat sich das Bistum auf Nachfrage noch nicht näher geäußert.

Würdigung der vollbrachten Werke

Clemens Maria Henkel wiederum war im September 2009 nach Pfaffenhofen gekommen. Kurz nach seinem Amtsantritt wurde unter ihm als Bauherrn die Kirche der Gebetsstätte „Maria, Mutter der Kirche“ neu gebaut und am 23. Oktober 2011 von Bischof Zdarsa eingeweiht. In der aktuellen Mitteilung des Bistums würdigt Generalvikar Harald Heinrich das Wirken des Direktors in den vergangenen Jahren: „Direktor Henkel hat dazu beigetragen, dass die Gebetsstätte Marienfried ein weit über die Bistumsgrenzen hinaus bekannter und für viele Menschen aller Generationen anziehender Ort des Glaubens, des Gebets und eine geistige Heimat ist.“ Dank und Wertschätzung spricht der Generalvikar dem Amtsinhaber „für seinen unermüdlichen Einsatz“ aus. Sein Dank gelte auch Pfarrer Oblinger, der sich bereit erklärt habe, sich dieser neuen Aufgabe zu stellen. Schon einige Monate vorm Abschied schaut Henkel demnach mit Dankbarkeit und Freude auf das in den vergangenen Jahren Erreichte.

Neben der Marienfried-Kirche konnten während seiner Amtszeit durch Unterstützung der bischöflichen Finanzkammer weitere Projekte realisiert werden, etwa die Einweihung des Gebetsparks sowie die Sanierung der Marienfried-Häuser und des Empfangs- und Gastronomie-Bereiches. Die Gebetsstätte Marienfried wurde am 4. Juli 1995 durch Bischof Viktor Josef Dammertz als Kirchenstiftung errichtet. Sie ist jährlich Ziel für Tausende Gläubige. Die katholische Bewegung Jugend 2000 veranstaltet dort seit einigen Jahren das internationale Prayerfestival, an dem Tausende Jugendliche und junge Erwachsene aus Deutschland und anderen europäischen Ländern teilnehmen. mit dmai

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