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30.03.2009

Und die Erde erbebete ...

Günzburg Da galt es mächtig etwas zu stemmen für das Heilig-Geist- Ensemble Günzburg, ist Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion doch wahrlich kein Leichtgewicht. Doch es ging gut aus, das musikalische Wagnis. Beifallsjubel und Standing Ovations waren Lohn der Mühen. Das Zweistundenopus des Großmeisters der Musik, mit dem er 1724 seinen Einstand als Thomaskantor in Leipzig gab, wurde in der Günzburger Heilig-Geist- Kirche beim "Musikalischen Frühling" zum musikalischen Ereignis.

Um gut eine Stunde kürzer als die Matthäus-Passion, gilt die nach dem Evangelium des Johannes gestaltete, als die dramatischere Version der Leidensgeschichte Jesu. Mit Rezitativen, die als musikalische Prosa den Handlungsstrang erklären und illustrieren, mit Chören und Chorälen, die das eigentliche kompositorische Ereignis sind, und mit Arien und Ariosi als lyrisch-meditative Elemente, die sich oft koloraturartig über mehrere Takte hinziehen und hohes sängerisches Potenzial mit langem, langem Atem erfordern.

Thomas Bodenmüller konnte diesbezüglich beruhigt ans Pult treten, waren ihm doch das Ensemble musica viva Stuttgart ein verlässlicher, selbstbewusst und routiniert aufspielender orchestraler Partner, zeigte sich der Chor, von ihm selbst auf Präzision und Einsatzfreude eingestimmt, aller polyfonen Wirrnisse und hymnischer Fugenekstasen souverän gewachsen, und bewegte sich ein Gesangssolistenensemble innerhalb eines weiten Gefühlshorizontes, in dem kraftvolle Brillanz den Ton angab.

Handschrift der Klarheit

Und die Erde erbebete ...

Schon beim herb eindrucksvollen Eingangschor mit seiner dreimaligen "Herr"-Anrufung war es zu spüren: Bodenmüller war es nicht um eine Ausleuchtung Bachscher Seelentiefe zu tun. Mit forschem Tempo war er um eine Handschrift der Klarheit bemüht, der scharf geprägten Artikulation und dramatischen Färbung, frei aller romantisierenden Ausschweifungen.

Die vierstimmig gesetzten Choräle flüssig und geradlinig. Im Gegensatz dazu die hektisch aufgebrachte Stimmung, die dramatischen Effekte der "Turba"-Chöre. Darstellung der aufgebrachten, hysterischen Stimmung entfesselter Volkswut. Chorisch hochengagiert in Szene gesetzt vom Heilig Geist Ensemble im musikalischen Sturmlauf der "Kreuzigungs"-Forderungen. In der Rüpelszene der Mantelverteilung "Lasset uns den nicht zerteilen". Tenor Klaus Donaubauer trug die gesangssolistische Hauptlast. Als viel beschäftigter Evangelist und Interpret aller anderen Tenorarien, musst er sämtliche Register sängerdarstellerischer Ausdrucksvielfalt ziehen. Und er zog sie.

Als markant sich entfaltender Bass, dessen sonore Geschmeidigkeit er gleichsam zelebrierte, zeigte sich Rúni Brattaberg als Jesus. Volker Spiegel, ausgestattet mit kernig kompakten, metallisch glänzenden Stimmfähigkeiten, waren die übrigen Basspartien und die des Pilatus vorbehalten. Altistin Jasmin Etezadzadeh glänzte in der bedeutungsvollen, mit schmerzvoll deklamierender Melodiegebärde und Koloratur bestückten Arie "Es ist vollbracht", und Sopranistin Annette Sailer-Heidel, verführerisch klangschön in koloristischer Genüsslichkeit schwelgend, in der beweglich fließenden Melodik des "Ich folge dir gleichfalls". Warum die beiden Sängerinnen aber von der hinteren Reihe - sah irgendwie nach "Ersatzbank" aus - agieren mussten, blieb unverständlich.

Eine Interpretation der wohltuenden Schlichtheit, mit einem Ensemble das sich, ohne selbstgefälliges Gebaren, als homogene Einheit präsentierte.

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