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Starkregen

22.05.2019

Und wieder steigen die Pegel

Erneut muss sich der Landkreis auf Hochwasser einstellen. In Bubesheim ist die Wasserversorgung bedroht

Heftige Regenfälle sorgen derzeit bayernweit für steigende Pegel. Auch für den Landkreis Günzburg liegt eine Hochwasser-Warnung der Meldestufe drei vor. Das bedeutet, dass dort Überschwemmungen auch in bebauten Gebieten drohen könnten. Erste Vorsorgemaßnahmen wurden bereits in Leipheim getroffen. Da am heutigen Mittwochmittag mit der dritten von vier Meldestufen an der Donau gerechnet wird, wurden gestern vorsorglich in drei Stadtvierteln Handzettel verteilt, um die Bürger vorzuwarnen. „Wir hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen“, sagte Norma Burger von der Stadt Leipheim. Bei einer Krisensitzung am Mittag entschied die Stadt, Vorsorge zu treffen und verteilte kurze Zeit später etwa 700 Handzettel in den Gebieten Kohlplatte und Krautgarten und in der „Wedelek-Siedlung“. Die Bewohner werden gebeten sich entsprechend vorzubereiten, wertvolle Gegenstände aus den Kellerräumen zu entfernen, alle Kelleröffnungen zu schließen und Öltanks zu sichern.

Davon betroffen wäre auch die Gemeinde Bubesheim: Diese bezieht derzeit ihr Trinkwasser über die Notversorgung aus Leipheim (wir berichteten). Wie Günzburgs Oberbürgermeister Gerhard Jauernig unserer Zeitung auf Nachfrage sagte, arbeiteten die Nachbarkommunen am Dienstag gemeinsam an einer Notlösung. „Die beiden Brunnen der Gemeinde können derzeit nicht betrieben werden. Deswegen werden die Haushalte über die Notwasserversorgung beliefert, die über den Fliegerhorst läuft. Im Falle einer Überflutung durch die Donau bei Leipheim müsste die Stadt Leip-heim aber die dortigen Brunnen abschalten – Bubesheim könnte dann nicht mehr versorgt werden“, schildert der OB die Situation.

Die einzige Möglichkeit sei nun, die Wasserversorgung für die Nachbargemeinde vom Stadtteil Wasserburg aus zu sichern. Jauernig bestätigte unserer Zeitung, dass am Dienstag intensive Gespräche zusammen mit den Stadtwerken Günzburg geführt worden seien. Als kurzfristige Unterstützung für Bubesheim sei dabei die Verlegung einer Notleitung beschlossen worden, die bis Mittwochmittag betriebsbereit sein könnte. Das sei jedoch nur als kurzfristige Nachbarschaftshilfe gedacht, so Jauernig.

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Vor exakt 20 Jahren hatte es schon einmal ein extremes Hochwasser in der Region gegeben (siehe eigenen Artikel). Von diesem sei der Landkreis allerdings noch weit entfernt, glaubt Hubert Mahler vom Wasserwirtschaftsamt. Wie der Sachgebietsleiter Wasserbau für die Landkreise Günzburg und Neu-Ulm erklärt, seien die Verhältnisse 1999 noch extremer gewesen. Nach einem relativ nassen Winter seien die Böden gesättigt gewesen und hätten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen können. „Wir haben jetzt den Vorteil, dass die Böden sehr trocken waren“, so Mahler. Er wagt die Prognose, dass der Landkreis glimpflich davonkommt und unter einem 20-jährigen Hochwasser bleibt. Die Schäden könnten in Grenzen gehalten werden. Nach dem Jahrhunderthochwasser habe sich in Sachen Hochwasserschutz zum Glück einiges getan. „In vielen Orten haben wir schon einiges bewegt“, sagt Mahler.

Trotzdem hatte Mahler die Pegelstände gestern permanent im Blick und machte auch Touren vor Ort nach Balzhausen und Deisenhausen. Nach stündlichen Hochrechnungen erwartete Mahler gestern den Scheitelpunkt der Günz in Nattenhausen gegen 21 Uhr. Dann wäre ein Pegelstand von etwa 2.36 Meter erreicht. In Waldstetten sollte die Günz etwa zwei Stunden später mit 2.45 Meter den höchsten Punkt erreicht haben. Bei der Rettungsleitstelle in Krumbach gingen bis zum frühen Abend etwa zehn Alarmierungen ein. „Im Landkreis hält sich das Ganze im überschaubaren Rahmen“, sagt Michael Spies. Zum Glück habe man aus dem Jahrhunderthochwasser vor 20 Jahren gelernt, „wir konnten uns alle darauf einstellen, frühzeitige Besprechungen machen, Szenarien durchspielen. Die Feuerwehren sind auch proaktiv.“ Das Wasser sei nicht auf einen Schlag gekommen, sondern zeitlich verteilt.

Auf der Zugstrecke Augsburg-Ulm kam der Bahnverkehr Dienstagfrüh zum Erliegen. Bei Freihalden waren die Gleise wegen des anhaltenden Dauerregens überflutet gewesen. Die Strecke blieb für zwei Stunden gesperrt. Überflutungen gab es auch in Ichenhausen zwischen Günz und Bahnlinie. Der Mühlwegtunnel in Günzburg war zeitweise überflutet und konnte nur einspurig befahren werden.

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