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Das Wort zu Corona (16)

23.05.2020

Ursula Seitz: „Wir brauchen große Gedanken“

Ursula Seitz wünscht sich neue Impulse für Europa.
Bild: Seitz

Die Günzburger Stadträtin spricht über das brüchige Europa und ihre Hoffnungen in Zeiten der Krise.

Bekannte und weniger bekannte Menschen aus dem Landkreis Günzburg geben an dieser Stelle in jeder Mittwochs- und Samstagsausgabe ihr ganz persönliches Statement in Corona-Zeiten ab. Diesmal teilt uns Stadträtin Ursula Seitz mit, was sie bewegt.

Ob ich nicht ein Wort zu Corona schreiben wolle – wurde ich gefragt. So vieles ist aber schon gesagt oder geschrieben worden. Dennoch – ich reihe mich ein in den Kreis der Leser, die für Leser schreiben, da ich einerseits Dankbarkeit und Respekt, andererseits auch eine tiefe Sorge zum Ausdruck bringen möchte.

Wie oft denke ich: Gut, dass ich in diesem Land leben darf. Gut, dass ich diese Krise nicht zu managen habe. Was muss alles geleistet werden in diesen Tagen, welch tief greifende Entscheidungen müssen getroffen werden! Ich bin einfach dankbar, dass im Widerstreit so vieler Meinungen doch um die bestmögliche Lösung gerungen wird, auch wenn man nicht wissen kann, ob diese die richtige ist.

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Der Gedanke "Europa" ist noch brüchiger geworden

Eine spezielle Sorge aber belastet nicht nur mich: der große, in dieser Zeit noch brüchiger gewordene Gedanke „Europa“. Als Jugendliche durfte ich das „Werden Europas“ hautnah erleben. Dank meiner damals jungen, innovativ denkenden Französischlehrerin konnten wir Mädchen bereits 1965 am deutsch-französischen Schüleraustausch teilnehmen. Die Herzlichkeit meiner elsässischen Gastfamilie werde ich nie vergessen – und das in einer Region, wo 20 Jahre zuvor unsere Väter sich in den Schützengräben verfeindet gegenüberlagen und wo riesige Soldatenfriedhöfe an diese Zeit erinnern. Vergangenen Sommer stand ich – nach vielen Jahren – tief berührt vor dem verlassenen kleinen Haus in der Rue du Calvaire, wo nur noch das Namensschild an die damaligen Bewohner erinnert.

Glauben viele Menschen heute wirklich, dass die großen Aufgaben in Gegenwart und Zukunft in kleinen Nationalstaaten zu lösen seien? Wie sehr wünsche ich mir, dass die Krise den Blick weitet und Europa wieder einen neuen Impuls erhält.

Persönlich freue ich mich riesig darauf, wenn die Grenzen wieder geöffnet werden und ich mein einziges, in Belgien lebendes Enkelkind endlich wiedersehen darf.

Zur Person Ursula Seitz ist unter anderem Stadträtin und Jugendreferentin in Günzburg.

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