1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. „Viel versprochen, wenig gehalten“

Wahldebakel

24.09.2013

„Viel versprochen, wenig gehalten“

Copy%20of%203e3w4225.tif
3 Bilder
Das Glas ist fast leer bei der FDP: Bei der Bundestagswahl scheiterten die Liberalen an der Fünf-Prozent-Hürde, und auch in der Region stürzte die Partei mit nur noch 4,7 Prozent Zweitstimmen ins Bodenlose. Sebastian Weins (rechts oben), kommissarischer Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen im Landkreis, fordert Konsequenzen an der Parteispitze. Eine Runderneuerung sei nötig, sagt FDP-Kreisvorsitzender Herbert Blaschke.

FDP im Landkreis steht nach dem Absturz der Partei ins Bodenlose unter Schock. Junge Liberale wie Sebastian Weins fordern komplette Runderneuerung an der Spitze

Landkreis Am Vormittag nach der Bundestagswahl steht FDP-Politiker Sebastian Weins wie wohl die meisten seiner Parteifreunde unter Schock. Erstmals seit Gründung der Bundesrepublik sind die Liberalen bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und deshalb aus dem Bundestag gefallen. Und auch in der Region ist die FDP ins Bodenlose gestürzt. Die Liberalen verloren 11,5 Prozentpunkte und machten im Bundeswahlkreis Neu-Ulm, zu dem der Landkreis Günzburg gehört, nur noch 4,7 Prozent Zweitstimmen. „Am Anfang war ich in der Tat etwas schockiert“, sagt der Günzburger Weins. Er habe schon damit gerechnet, dass die Liberalen über fünf Prozent kommen und im Bundestag bleiben. Auch der notwendige Neuanfang wäre somit leichter zu bewerkstelligen gewesen, glaubt der 26-Jährige.

Sebastian Weins ist kommissarischer Kreisvorsitzender der Jungen Liberalen (JuLis) im Landkreis und als Schriftführer Mitglied im FDP-Kreisverband. Dass es für die FDP bei der Bundestagswahl eng werden würde, sei keine Überraschung gewesen. „Es wurde viel versprochen und wenig eingehalten“, sagt Weins. Von liberaler Politik sei wenig zu spüren gewesen. Und die Union habe der FDP wenig Raum gelassen. Weins, vor gut einer Woche Listenkandidat für den Landtag, hat einen spielentscheidenden Fehler ausgemacht: „Wir haben um die Zweitstimme gebettelt, da holt man niemanden für die FDP an die Wahlurne.“ Den Rücktritt des Bundesvorsitzenden Philipp Rösler, den der Parteichef gestern bekannt gab, hält Weins für unbedingt notwendig. Für den Neuanfang sei Parteivize Christian Lindner der geeignete Mann. Weins sagt: „Es war ebenso ein Fehler, nicht früher auf ihn zu setzen.“ Nötig sei eine komplette Runderneuerung an der Spitze.

FDP-Kreisvorsitzender Herbert Blaschke sieht ebenfalls wenig Alternativen zu Lindner. Die Liberalen hätten bei ihrem Wahlerfolg vor vier Jahren große Erwartungen geweckt. „Und die wurden nicht erfüllt“, sagt Blaschke. Der Burgauer rechtfertigte es, dass die FDP im Wahlkampf in der Region keinen großen Aufwand betrieben hat. Direktkandidat Ralf Peter war vor Ort so gut wie nicht zu sehen. Der Arzt aus Reutti stürzte bei den Erststimmen auf 2,7 Prozent ab – Frank Berger hatte 2009 noch 11,4 Prozent erzielt. Blaschke gesteht zu, dass keine FDP-Promis vor dem Urnengang aufgeboten wurden: „Wir konnten dies nicht und wollten es auch nicht.“ Ohnehin sei gegen die Allgemeinstimmung, die gegen die Liberalen gewesen sei, wenig zu machen gewesen. Weins sagt, dass der Wahlkampf mitunter sehr frustrierend gewesen sei: „Die Reaktionen waren oft beleidigend.“

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Der Reisensburger Benjamin Todt zählte vor seinem Austritt als JuLi-Kreisvorsitzender und Günzburger Ortsvorsitzender zu den Nachwuchshoffnungen der FDP. Er warf ebenso wie FDP-Kreisvorsitzender Dietrich Jaser, der jetzt als Bundestagskandidat der Alternative für Deutschland (AfD) Erfolge erzielte, das Handtuch. Die FDP habe die Wähler massiv verärgert, sagt Todt. Die Pannenserie reiche von der Hotellier-Mehrwertsteuer bis zum Postengeschacher in Dirk Niebels Entwicklungsministerium.

Blaschke tröstet sich ein wenig mit dem Blick auf politische Gegner. Die Grünen hätten ebenfalls verloren, und die AfD habe wie die FDP den Einzug in den Bundestag verpasst. „Die AfD wird eine Eintagsfliege bleiben“, prophezeit Blaschke. Die FDP habe vom Wähler einen Denkzettel erhalten, sagt der Kreisvorsitzende: „Wir brauchen eine Runderneuerung.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren