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Landkreis Günzburg

12.10.2018

Vom Fußballplatz ins Gefängnis

Drei Monate muss ein 25-Jähriger ins Gefängnis, weil er einen Schiedsrichter beleidigt hatte.
Bild: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolfoto)

Ein 25-Jähriger stand vor Gericht, weil er einen Schiedsrichter beleidigte.

Im Mai kam es auf dem Platz des TSV Ichenhausen zu einem Vorfall, der jetzt sein Nachspiel beim Günzburger Amtsgericht hatte. Dort musste sich ein 25-Jähriger wegen Beleidigung verantworten. Amtsgerichtsdirektor Walter Henle schickte den selbstständigen Handwerker gleich für drei Monate ins Gefängnis.

Angezeigt hatte ihn ein junger Mann, der seit zwölf Jahren bei Amateur-Fußballspielen pfeift. Als Schiedsrichter hat er sich schon einiges anhören müssen. Was dem 25-Jährigen bei einem Spiel in Ichenhausen an den Kopf geworfen wurde, ging aber zu weit. Nach gelb-roter Karte bezeichnete ein Spieler den Schiedrichter als „Hurensohn“. Dafür kassierte der Täter gestern die zweite „Rote Karte“ und soll nun ins Gefängnis.

In der zweiten Halbzeit eskalierte es

Auf dem Platz war folgendes geschehen: Der Schiedsrichter sagte gestern aus, dass er dem Angeklagten bereits in der ersten Halbzeit eine gelbe Karte gezeigt hatte, weil der Kicker ihm „Pfeif richtig“ an den Kopf geworfen hatte. In der zweiten Halbzeit eskalierte es: Wegen eines Fouls bekam der Angeklagte die gelb-rote Karte und flog vom Platz. Das wollte der Mann nicht akzeptieren und beleidigte den Schiedsrichter. Außerdem habe er ihm die Faust gezeigt und in seine Richtung gespuckt.

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Der Angeklagte bestritt diese Drohung: Er habe lediglich „Missgeburt“ gesagt und dass er sich die rote Karte „sonst wo hin stecken soll“. Die Emotion seien hochgekocht, angespuckt habe er den Schiedsrichter aber nicht. Aber diese Beteuerungen halfen ihm nicht. „Es ist nicht das erste Mal, dass Ihnen der Gaul durchgeht“, hielt Richter Henle dem 25-Jährigen vor. Sinnvoller wäre es jedenfalls gewesen, ohne irgendwelche Bemerkungen sofort vom Platz zugehen.

Zu flapsigen Bemerkungen komme es während seiner zwölfjährigen Laufbahn immer wieder mal, bestätigte der Schiedsrichter nach der Verhandlung gegenüber unserer Zeitung, aber die Spieler seien mittlerweile viel „dünnhäutiger“. Weil es im Mai auf dem Platz weit über das normale Maß hinaus gegangen sei, habe er Anzeige erstattet.

Der Angeklagte stand bereits mehrfach vor Gericht

Und die brachte dem Kicker jetzt richtig Ärger ein. Denn der Angeklagte ist keineswegs ein so harmloser, wie er sich vor Gericht gab: Es begann 2011 mit einem Verfahren wegen Diebstahls – noch ohne strafrechtliche Konsequenzen. Dann folgten eine vorsätzliche Körperverletzung mit Freizeitjugendarrest, eine Falschaussage und versuchte Strafvereitelung, eine gefährliche Körperverletzung mit Bedrohung und Computerbetrug. 2014 bekam er ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe für Straßenverkehrsgefährdung mit Trunkenheit und Unfallflucht, für Hehlerei und Betrug folgten 2016 ein Jahr und sechs Monate mit Bewährungsfrist bis 2020. Und den vorläufigen Schlusspunkt setzte eine Geldstrafe über 3000 Euro, weil er bei einer Lokalräumung in Ulm eine Polizistin beleidigt hatte. Bei der Staatsanwältin wäre der Angeklagte mit einer Bewährungsstrafe und einer Geldauflage von 1200 Euro davon gekommen, bei Amtsgerichtsdirektor Henle nicht: Er verurteilte den 25-Jährigen zu drei Monaten Haft.

Vor allem wegen einer „irrsinnig hohen Rückfallgeschwindigkeit“ des Angeklagten und weil selbst Bewährungsauflagen und Geldstrafen keine ausreichende Wirkung gezeigt hätten. Außerdem habe er sich im Gerichtssaal erst nach eindringlicher Aufforderung beim Schiedsrichter entschuldigt. Als der 25-Jährige während der Urteilsbegründung dazwischen redete, drohte ihm Henle zusätzlich eine Ordnungsstrafe an. Mit den Worten „wenn sie das für richtig halten“, verabschiedete sich der Amateurkicker, der ohne Anwalt zur Verhandlung gekommen war, vom juristischen Spielfeld. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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