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Günzburg

12.06.2019

Vorbild Marie Kondo? So wird im Landkreis Günzburg aufgeräumt

Im Flohmarktladen des SKM Günzburg im Kötzer Weg 38 werden gespendete, gebrauchte Waren zu günstigen Preisen angeboten. Die Erlöse fließen an die SKM-Wärmestube. Seit 2003 gibt es den Laden, in dem 15 freiwillige Helfer eine große Vielfalt an Artikeln verkaufen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Marie Kondo aus Japan macht aller Welt vor, wie Ausmisten Spaß machen kann. Ist der Hype im Landkreis angekommen? Was passiert hier mit den „Altlasten“?

Aufräumen, Ordnung schaffen, Ausmisten - Tätigkeiten, die normalerweise keiner wirklich gerne macht. Doch seit es Marie Kondos Sendung „Aufräumen mit Marie Kondo“ gibt, sind seit Jahresbeginn genau diese bisher verhassten Tätigkeiten zum absoluten Trend geworden (Doku mit Marie Kondo auf Netflix: Plötzlich räumen alle auf ). Die T-Shirts werden nun sauber zusammengerollt und alles ausgemistet, was man nicht mehr braucht. Sich-Wohlfühlen lautet die Devise der Japanerin. Wir wollten wissen, ob dieser Trend auch bis in den Landkreis Günzburg vorgedrungen ist, was eine lokale Expertin dazu sagt und was man mit den „Altlasten“ bewirken kann.

Im SKM-Flohmarktladen gibt es alles zum kleinen Preis

Der Flohmarktladen des Sozialdiensts katholischer Männer (SKM) Günzburg, einem Zweig des katholischen Verbands für soziale Dienste, ist ein Sammelsurium aus Alltags- und Haushaltswaren: Spiele, Schmuck, Wasserkocher, sogar Kisten mit Poltergeschirr und vieles mehr gibt es hier zum kleinen Preis – „bis auf Kleidung, kaputte oder sperrige Sachen wie Möbel“, sagt Elisabeth Ehrmann-Thanner, Vorsitzende des SKM Günzburg.

Der 2003 eröffnete Laden liegt etwas dezentral, mitten in einem Wohngebiet. „Hier sind wir besser aufgehoben als im Zentrum Günzburgs“, ist sich Genovefa Kenter sicher, denn hier seien sie mitten unter den Leuten. Die 82-Jährige arbeitet seit sieben Jahren im Flohmarktladen und ist mit Monika Fieger für die Arbeitspläne und die Einteilung der insgesamt 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter zuständig. Begonnen hat der Laden mit Büchern, bald sind andere Artikel dazugekommen. „Die Leute spenden Sachen, die sie nicht mehr brauchen“, erklärt Petra Nzirorera, Leiterin der SKM-Wärmestube in Günzburg, zugunsten derer die Einnahmen des Flohmarktladens gehen. Die Ware, die die Mitarbeiter überprüfen, reinigen und reparieren, ändere sich so stündlich.

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"Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft"

„Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft“, sagt Kenter. Doch Nachhaltigkeit sei wichtig. „Diejenigen, die Ware spenden, machen das aus den unterschiedlichsten Gründen“, erläutert Nzirorera. Ein Umzug, die mittlerweile erwachsenen Kinder oder Dinge, die nicht gefallen, seien dabei. „Viele wissen nicht, dass wir die Sachen benötigen können. Aber die Ware wird gekauft“, fügt Kenter hinzu. Mittlerweile ist der Laden ein Selbstläufer. Nur zu Beginn oder wenn kaum Spenden kommen, verteilen die Mitarbeiter Flyer. Vom Marie Kondo-Trend merken sie noch nichts, aber: „Es kommt auf die Jahreszeit an. Im Frühjahr und Herbst haben wir den größten Zulauf. Da räumen die Leute auf“, sagt Nzirorera.

Sie freuen sich, dass der Günzburger SKM-Flohmarktladen gut läuft (von links): Petra Nzirorera von der SKM Wärmestube, Elisabeth Ehrmann-Thanner vom SKM Günzburg und Genovefa Kenter, ehrenamtliche Mitarbeiterin des Ladens.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Verkaufsrenner sind Spielsachen und kleine Elektrogeräte. Auch auf eBay und momox werden die Waren angeboten. „Das Teuerste sind Fahrräder, die 40 Euro kosten können. Der Rest liegt im Schnitt bei ein bis acht Euro“, erklärt Nzirorera. „Ich freue mich, wenn ein Kunde ein schönes Stück um einen Euro bekommt, das er unbedingt braucht und sich anders nicht leisten könnte“, ergänzt Ehrmann-Thanner.

Ausmisten ist befreiend

Einer, der anderen eine Freude mit seinen alten Sachen macht, ist Paul Endhardt. Denn der 18-jährige Günzburger mistet regelmäßig seinen Kleiderschrank aus und gibt die Sachen an die Günzburger Caritas-Kleiderkammer. Denn Wegwerfen wäre eine völlige Verschwendung. „Mein Zimmer ist sicher nicht das Ordentlichste, aber alles hat seinen Platz“, sagt Endhardt. Und wenn sein Kleiderschrank unordentlich ist, schaut er, was er noch anzieht.

„Den Rest schmeiße ich rigoros raus“, erklärt er und fügt hinzu: „Ausmisten macht mir Spaß, es ist befreiend.“ Daneben räumt er auch gerne seine Schreibtischschubladen und seinen PC auf – oder auch den Kleiderschrank seiner Freundin. Und bei einem Neukauf überlegt er, ob er das Stück wirklich braucht.

Gegenstände sollten einen festen Platz haben

Den Marie-Kondo-Hype kriege der 18-Jährige zwar mit, in ihre Aufräum-Serie habe er aber nur kurz reingeschaut. Und anders als die Japanerin, die sich bei jedem aussortierten Teil noch bedankt, hat Endhardt keine emotionale Verbindung zu seinen Klamotten. „Es ist ein Stück Kleidung, ich mache keine große Sache daraus“, sagt er.

„Dass eine Lappalie wie Aufräumen der Grund für eine solche Serie ist, zeigt, dass die Menschen doch ein Bedürfnis nach Ordnung haben“, sagt Eva Vidal. Und sie muss es wissen, denn die 61-Jährige ist Hauswirtschaftslehrerin an der Landwirtschaftsschule in Krumbach und lehrt ihren Schülern, wie sie den Haushalt und den Arbeitsplatz am besten führen. Planung ist wichtig. So sollten Gegenstände einen festen Platz haben, was auch eine Marie-Kondo-Methode ist. Und: „Dinge, die man miteinander verwendet, sollten gemeinsam untergebracht sein“, sagt Vidal – so wie um den Herd in der Küche mit Töpfen, Besteck und Gewürzen.

Ausmisten fängt schon beim Einkaufen an

Auch sollten ältere Lebensmittel vor die neuen gestellt werden, um sie zuerst zu verbrauchen. Und Dinge, die man oft braucht, sollten in einer günstigen Höhe stehen. Außerdem plädiert Vidal für eine nachhaltige Haushaltsführung. „Kleidung kann man in Altkleidercontainer sozialer Einrichtungen, an zertifizierte Gebraucht- oder Secondhand-Läden geben.“ Regelmäßiges Ausmisten sei hilfreich. Denn: „Dabei sieht man Dinge, von denen man gar nicht mehr wusste, dass man sie hat.“ Auch das ist eine Marie-Kondo-Methode. Und Ausmisten fängt schon beim Einkaufen an. Hier ist sich die Haushaltslehrerin ebenfalls mit Marie Kondo einig. Denn so können unnütze oder Doppelkäufe vermieden werden. Insgesamt gesehen stimmt der Spruch „Ordnung ist das halbe Leben“ also. Denn ob mit oder ohne Marie Kondos Hilfe: Aufräumen kann eine Wohltat für sich und andere sein.

im Kötzer Weg 38 in Günzburg hat montags bis samstags von 9.30 bis 12 Uhr und am Dienstag, Mittwoch und Freitag zusätzlich von 14 bis 17 Uhr geöffnet. An jedem ersten Samstag im Monat findet vor dem Laden auch ein Straßenverkauf statt.

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