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Interview

19.01.2021

Vorstandsmitglied der Sparkasse: „Kreis Günzburg ist für Immobilieninvestoren attraktiv“

Vor 13 Jahren begann Andreas Steinbacher bei der Sparkasse Günzburg–Krumbach. Jetzt ist er im Vorstand und hat ein breites Portfolio an Aufgaben, für die er zuständig ist. Bald wird Steinbacher auch privat im Landkreis Günzburg seinen Lebensmittelpunkt haben.
Foto: Philipp Röger

Plus Andreas Steinbacher ist seit Beginn des Jahres im Vorstand der Sparkasse Günzburg–Krumbach. Wie er Herausforderungen für sein Haus in Corona-Zeiten beurteilt. Und was er Bauherren sagt.

Macht Corona das Bankgeschäft schwieriger?

Andreas Steinbacher: Das Bankgeschäft im Sinne des Kontaktes zu unseren Kunden wird durch Corona nicht schwieriger. Die Kunden schätzen unsere Verlässlichkeit und regionale Nähe. Durch die Einhaltung sämtlicher Hygienevorschriften in persönlichen Gesprächen sowie das Angebot von Telefon- und Online-Beratungen gewährleisten wir eine gute Erreichbarkeit und Beratung sowie ein durchgehend hohes Servicelevel. Corona wirkt teilweise als „Beschleuniger“ der Digitalisierung des Bankgeschäfts. Wir bieten moderne und leistungsfähige Lösungen für die aktuellen Anforderungen.

Sie wollen, wenn es die Hygienevorschriften und Abstandsregeln wieder zulassen, Kunden Workshops zur Nutzung Ihres digitalen Leistungsspektrums anbieten. Versteht man Ihre digitale Welt sonst nicht?

Steinbacher: Unsere digitalen Leistungen sind vielfach ausgezeichnet. Unter anderem aufgrund der intuitiven Bedienung. Die Herausforderung besteht aus unserer Sicht darin, Kunden, die generell gewisse Berührungsängste bei der Nutzung digitaler Lösungen im sensiblen Bereich Finanzen haben, zu beraten und diese Hemmnisse durch eine umfassende Information und Erklärung auszuräumen. Bei richtiger technischer Ausgestaltung und verantwortungsvoller Nutzung ist der digitale Kontakt zur Sparkasse ebenso sicher wie der analoge. Bei vielen standardisierten Vorgängen, beispielsweise im Zahlungsverkehr, ist der digitale Weg dabei sehr viel komfortabler.

Während viele Unternehmen Kurzarbeit angemeldet haben oder mit ihren Beschäftigten noch in Kurzarbeit sind, hat die Sparkasse GünzburgKrumbach davon abgesehen. Welche Überlegungen gaben den Ausschlag für diese Entscheidung?

Steinbacher: Wir haben Wege geschaffen, das Geschäft auch in Zeiten von Corona aktiv zu betreiben. Kurzarbeit wäre aus unserer Sicht kein adäquates Mittel gewesen. Wir arbeiten weiter intensiv daran, sichere Arbeitsplätze bieten zu können.

Wie ist das Geschäftsjahr 2020 betriebswirtschaftlich gelaufen?

Steinbacher: Insgesamt und vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen war 2020 ein betriebswirtschaftlich erfolgreiches Jahr für die Sparkasse Günzburg–Krumbach. Auch für uns resultieren aufgrund der Covid19-Pandemie Herausforderungen. Insbesondere das anhaltend negative Zinsniveau belastet unsere Ertragssituation. Die unmittelbaren Auswirkungen der Pandemie, beispielsweise in Form von Kreditausfällen, sind derzeit nicht erkennbar und somit nicht prognostizierbar.

Sie rechnen damit, dass die Zinsen für einen längeren Zeitraum weiterhin auf dem aktuell tiefen Niveau bleiben werden. Wie begründen Sie Ihre Annahme? Und was bedeutet das für Ihr Haus und Ihre Kunden?

Steinbacher: Zur Milderung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie werden von den europäischen Staaten beziehungsweise indirekt von den Zentralbanken in Form von Konjunkturprogrammen und wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen immense Geldsummen in die Märkte gegeben. So hat sich die Zentralbankgeldmenge im Euroraum von circa 900 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf derzeit über sechs Billionen Euro erhöht, wobei die Wirtschaft nicht wesentlich gewachsen ist. Aufgrund des hohen Angebots an Geld wird der Preis für Geld, also der Zins, vermutlich längere Zeit auf einem tiefen Niveau bleiben. Einige europäische Länder als Kreditnehmer hätten bei einem höheren Zinsniveau vermutlich Probleme, die Zinslast für ihre Staatsverschuldung zu tragen.

Die Sorge vor Altersarmut wächst, weil die Menschen einen konjunkturellen Abschwung fürchten. Außerdem wird die Ungewissheit größer, je länger die Pandemie mit ihren Einschränkungen anhält. Ist das ein realistisches Szenario und die Sorge damit begründet?

Steinbacher: Der Preis der Europäischen Zentralbank für die Anlage von kurzfristig verfügbarem Geld liegt aktuell bei minus 0,50 Prozent pro Jahr. Für eine Geldanlage bei der Zentralbank muss man also etwas bezahlen. Das ist in gewisser Weise paradox, wird sich jedoch auf absehbare Zeit voraussichtlich nicht ändern. Für die Sparkasse bedeutet dies, dass unser Zinsüberschuss unter sonst gleichen Bedingungen rückläufig bleibt. Für unsere Kunden bedeutet die Zinsentwicklung, dass aus einer Vermögensanlage in Form einer herkömmlichen Spareinlage – nach Berücksichtigung der Inflation – eine negative Rendite und damit ein realer Vermögensverzehr resultiert. Das macht ein Umdenken im Hinblick auf die Vermögensvorsorge erforderlich.

Der Verhaltensgrundsatz, der auch von Ihrem Kollgen im Vorstand, dem Vorstandsvorsitzenden Daniel Gastl, wieder und wieder formuliert wird, lautet: Sparen bleibt wichtig – nur eben nicht mehr mit den althergebrachten Spareinlagen. Ein Sparbuch allein reicht für die Vermögensvorsorge nicht aus. Sehen das Ihre Kunden ähnlich?

Steinbacher: Wir erläutern unseren Kunden die geänderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und diskutieren ihre eigene Einschätzung zur weiteren Entwicklung. Wir zeigen Lösungen auf, wie sie auch in der aktuellen Zinssituation mit einem individuellen Anlagemix eine positive Rendite und damit eine solide Vermögensvorsorge gestalten können, ohne dabei ungewollte Risiken einzugehen. Die Investition in Sachwerte, also in Wertpapiere oder Immobilien, ist dabei ein wesentlicher Bestandteil. Auch die Anlage bei einer Versicherung kann eine attraktive Komponente sein. Die Reaktion unserer Kunden ist sehr positiv. Die Einschätzung, dass das Zinsniveau sich mittelfristig nicht erhöhen wird, teilt die überwiegende Mehrheit unserer Kunden. Die Erkenntnis, dass die Anlageform einer herkömmlichen Spareinlage allein bei den geänderten Rahmenbedingungen für die Vorsorge nicht weiter ausreichend ist, reift bei Vielen.

Ist nicht Schulden machen bei diesen anhaltend niedrigen Zinsen „sexy“?

Steinbacher: In gewisser Hinsicht ist das richtig. Die aktuell historisch niedrigen Finanzierungszinssätze sind für Kreditnehmer attraktiv, da die Zinslast sich im Vergleich zu früheren Zeiten teilweise deutlich reduziert. Dennoch empfehlen wir, beispielsweise im Rahmen einer Immobilienfinanzierung keine einseitige Betrachtung vorzunehmen. Aufgrund eines in den vergangenen Jahren relativ deutlich angestiegenen Preisniveaus für Grundstücke und Immobilien resultieren aus einer Immobilienfinanzierung deutschlandweit und im Landkreis Günzburg durchschnittlich längere Laufzeiten bis zur Rückzahlung einer Baufinanzierung – trotz geringerer Zinslast. Die Kostensteigerungen überkompensieren die Zinsersparnis. Damit der Traum der eigenen Immobilie verwirklicht werden kann und die Finanzierung die Bauherren beziehungsweise Käufer auch in konjunkturell schwierigen Zeiten nicht überfordert, beraten wir umfassend hinsichtlich Zuschüssen und öffentlichen Fördermöglichkeiten und bieten maßgeschneiderte Finanzierungsstrukturen. Auch bieten wir individuelle Versicherungslösungen. Für die Immobilie ebenso wie zum Schutz der monatlichen Rate – etwa im Fall von Arbeitslosigkeit.

Ganz konkret: Was empfehlen Sie einem 25-jährigen, einem 50-jährigen und einem 75-jährigen Menschen, der im Monat 100 Euro übrig hat, um sie seriös anzulegen – und das möglichst gewinnbringend?

Steinbacher: Pauschal möchte ich Ihre Frage dreimal gleich beantworten: Wer 100 Euro im Monat übrig hat, sollte den Betrag in einen Wertpapiersparplan investieren. Über die regelmäßige Investition in einen individuell ausgewählten Fonds spart man über die Zeit ein beträchtliches Vermögen an. Über einen langfristigen Anlagezeitraum hinweg betrachtet hat sich der Wertpapiermarkt in der Vergangenheit stets positiv entwickelt. Eventuelle kurzfristige Kursrückgänge bieten die Gelegenheit zu günstigen Zukäufen.

Diese Sparform als Fundament jeder Vermögensvorsorge ist bereits ab einem monatlichen Sparbetrag von 25 Euro möglich. Auch ist die Anlageform für Kunden jeden Alters die Richtige. Sparer fortgeschritteneren Alters schätzen die Möglichkeit, dass ein Wertpapiersparplan ebenso vererbt werden kann, wie ein Sparbuch. Beim Wertpapiersparplan ist das zu übertragende Vermögen aufgrund der positiven Rendite dabei in der Regel höher als beim Sparbuch. Am anderen Ende der Altersskala spart beispielsweise unsere einjährige Tochter einen Teil ihres Kindergeldes in einem Wertpapiersparplan. Trotz der Tatsache, dass der Großteil ihres Anlagezeitraums in die Corona-Pandemie gefallen ist, hat sie bereits jetzt eine tolle Rendite erzielen können.

Neben Aktien werden immer wieder Immobilien als Anlage empfohlen. Der Bauboom scheint rotz Corona ungebrochen. Wie erklären Sie sich das angesichts explodierender Grundstücks- und Immobilienpreise?

Steinbacher: Der Wunsch nach den eigenen „vier Wänden“ ist insbesondere bei jungen Familien ungebrochen. Seit einigen Jahren ist der Immobilienmarkt durch einen starken Nachfrageüberhang geprägt. Für viele Menschen ist ein Eigenheim eine oder die entscheidende Komponente der Vermögensvorsorge. Eine Einschätzung, die wir teilen und unterstützen. Der Landkreis Günzburg ist wegen seiner landschaftlichen Schönheit und wirtschaftlichen Struktur für Immobilieninvestoren sehr attraktiv. Die Beschränkungen im Rahmen von Corona treiben die Nachfrage in ländlichen und kleinstädtischen Regionen zusätzlich. Kontaktbeschränkungen sind in der Einschätzung vieler Immobilieninteressenten auf dem Land deutlich besser zu ertragen als in der Großstadt. Entwicklungen wie Homeoffice verstärken diesen Trend voraussichtlich noch.

Wie haben sich die Baupreise im Landkreis Günzburg in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?

Steinbacher: Da die Baupreise stark von der individuellen baulichen Gestaltung und Qualität der Bauausführung abhängig sind, ist ein historischer Vergleich kaum möglich. Die durchschnittlichen Preise sind in jedem Fall deutlich gestiegen. Unter anderem wegen der hohen energetischen Anforderungen an Neubauten und höherer Grundstückspreise, die aus der hohen Nachfrage resultieren und je nach Lage auch innerhalb des Landkreises deutlich unterschiedlich sind. Ein Indikator für die Preisentwicklung im Landkreis Günzburg liegt in der Beobachtung, dass sich der durchschnittliche Preis eines bestehenden Einfamilienhauses mit mittlerer Ausstattung in den vergangenen zehn Jahren um gesamt circa 65 Prozent verteuert hat.

Privatkunden waren oder sind in Kurzarbeit. Firmenkunden haben zum Teil erhebliche Umsatzeinbußen. Wird da die Gefahr nicht auch für Ihr Haus größer, dass Kredite nicht mehr bedient werden können?

Steinbacher: Wir unterstützen unsere Firmenkunden durch eine umfassende Beratung zu öffentlichen Förderprogrammen und Zuschussmöglichkeiten und stehen ihnen wie unseren Privatkunden auch in herausfordernden Zeiten als Partner zur Seite. Auf diese Weise leisten wir einen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Stabilität und Erholung im Landkreis Günzburg. Dennoch ist zu erwarten, dass es durch Corona zu Kreditausfällen für unsere Sparkasse kommt. In welchem Ausmaß ist wesentlich vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängig.

Was sind Ihre ersten Projekte bei der Sparkasse GünzburgKrumbach und wie wird – mal ein Blick nach vorne gewagt – das Geschäftsjahr 2021?

Steinbacher: Der Fokus zu Beginn meiner neuen Tätigkeit liegt gemeinsam mit Herrn Gastl darin, unseren Geschäftsbetrieb und gute Leistungen bei den aktuellen Rahmenbedingungen zu gewährleisten. Wir veranstalten im Januar und Februar „Digitale Wertpapierwochen“. In vier digitalen Terminen referieren ausgewiesene Wertpapierspezialisten verschiedener Fondsgesellschaften und Banken zur „Dekade der Sachwerte“. Weiter planen wir Informationsveranstaltungen unter dem Motto „Das eigene Zuhause. Leichter als gedacht.“ Über analoge und digitale Kontakte werden wir Immobilieninteressenten Tipps rund um die Investition in eine Immobilie geben. Wir möchten unseren Kunden und allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Landkreises Günzburg die Gelegenheit bieten, sich auch und gerade in der aktuellen Situation mit dem Thema Vermögensvorsorge auseinanderzusetzen. Das Timing ist aus unserer Sicht das Richtige. Jetzt haben die Leute Zeit. Wessen Gehalt nicht durch Kurzarbeit oder Ähnliches verringert ist, hat wegen entfallener Konsummöglichkeiten wie Urlaub und dem weitgehenden Entfall des Solidaritätszuschlags eventuell sogar etwas mehr Geld als üblich zur Verfügung, um vorzusorgen. Wie wichtig eine ausgewogene und solide Vorsorge ist, zeigt uns Corona aktuell sehr deutlich. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Sparkasse in 2021 bin ich optimistisch.

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