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Bibertal

25.06.2019

Wachstum nicht um jeden Preis

Die ersten Häuser im Kissendorfer Baugebiet Rotleite stehen schon. Weitere sind im Bau.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Die Gemeinde Bibertal will den dörflichen Charakter ihrer Ortsteile bewahren. Wie das gehen soll.

Wachstum ist kein Wert an sich. Bürgermeister Oliver Preußner und der Bibertaler Gemeinderat legen es deshalb nicht darauf an, binnen kurzer Zeit ein Neubaugebiet nach dem anderen auszuweisen. „Wir wollen den dörflichen Charakter und die ländlichen Strukturen unserer Ortsteile bewahren“, erläutert Preußner. Knapp 5000 Einwohner hat die Gemeinde aktuell. Selbst auf lange Sicht sollen es nicht mehr als 6000 werden. Nicht zuletzt auch zum Schutz der Natur.

Bibertal liegt verkehrsgünstig im Einzugsgebiet von Ulm und Neu-Ulm. Seit Jahr und Tag verlassen Menschen den teuren Großraum, um auf dem Land in Bibertal eine günstigere Bleibe zu finden. Diese Zuzügler müssen sich überwiegend auf dem privaten Wohnungsmarkt umsehen. Denn die Neubaugebiete sind in aller Regel für Einheimische, sprich deren Kinder vorgesehen. Der Bürgermeister: „Wir wollen vor allem die Familienverbände im Ort halten.“

Ein Punktesystem wurde entwickelt

Zu diesem Zweck hat die Gemeinde ein Punktesystem entwickelt. Wer aus Bibertal stammt, sich zudem bei den Feuerwehren oder in den Vereinen der insgesamt elf Ortsteile engagiert, der steht auf den Bewerberlisten ganz oben. Voriges Jahr war in Kissendorf ein Neubaugebiet mit 25 Plätzen realisiert worden. Zu 90 Prozent ging der Zuschlag an Einheimische, erklärt Oliver Preußner. Ähnlich sah es vor wenigen Jahren im Ortsteil Bühl aus. Dort waren 20 Bauplätze geschaffen worden.

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Mit ihrem Punktesystem will die Gemeinde unter anderem Gemeinsinn und Ehrenamt in den Dörfern „honorieren“, wie der Bürgermeister betont. Der Verzicht auf übermäßiges Wachstum hat aber noch andere, durchaus handfeste Gründe. Die Kläranlage käme bald an ihre Grenzen, ein Ausbau wäre ebenso teuer wie die Erweiterung von Kindergärten und Schule. Hinzu kommt: Mit der Natur oder landwirtschaftlichen Flächen soll möglichst pfleglich umgegangen werden. Auch deshalb werbe die Gemeinde nicht aktiv um Neubürger von auswärts. Preußner: „Wir wollen die Einwohnerzahl nicht pushen.“ Stattdessen sollen vorrangig die Familienverbände in den Ortsteilen gestärkt werden – auch vor dem Hintergrund, dass es immer schwieriger werden dürfte, in den ländlichen Räumen das Thema Pflege im Alter zu organisieren.

Nach und nach sollen neue Baugebiete entstehen

Ganz auf der Bremse steht die Gemeinde, flächenmäßig eine der größten im Landkreis, freilich nicht. Nach und nach sollen laut Oliver Preußner reihum in den Ortsteilen neue Baugebiete entstehen. „Es müssen ja nicht immer große sein.“ Denn Entwicklungspotenzial hätten auch die Ortskerne. Es gebe etliche Baulücken, der eine oder andere Hausbesitzer dürfte womöglich im Alter seine eigenen vier Wände verkaufen, weil Kinder oder andere Erben auswärts leben und deshalb keinen Bedarf haben.

Wer im Bibertal bauen möchte, kommt noch vergleichsweise günstig davon. In Kissendorf, dem nach Bühl zweitgrößten Ortsteil, haben die Baugrundstücke um die 130 Euro je Quadratmeter gekostet. In kleineren Ortsteilen, etwa in Ettlishofen, seien die Grundstücke „deutlich günstiger“, erklärt Preußner. Das Fazit des Bürgermeisters, der kommendes Jahr im Übrigen nicht mehr zur Neuwahl antritt: „Die Gemeinde Bibertal will sich gesund entwickeln.“ (kai)

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