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Landkreis Günzburg

11.08.2016

Waldkirch im Schießsport-Olymp

Das Gold für Griechenland bedeutet auch Glanz für Edelweiß Waldkirch: Anna Korakaki siegte in Rio mit der Sportpistole. Für die Schwaben geht sie in der Luftpistole-Bundesliga an die Stände.
Bild: Armando Babani/dpa

Die für Edelweiß antretende Anna Korakaki holt Gold bei den Spielen in Rio. Über den unfassbaren Höhenflug eines Dorfvereins – und wie die Schwaben diesen Erfolg nutzen möchten.

Der Jubel war unbeschreiblich und er hallte von Rio bis Waldkirch. Das ist auch nachvollziehbar, denn der goldene Auftritt von Anna Korakaki bei den Olympischen Spielen hob den Schützenverein Edelweiß am späten Dienstagabend gleich mit in den Schießsport-Olymp. Immerhin war die Griechin ein Fixpunkt im Luftpistole-Team der Schwaben, das heuer, lediglich ein Jahr nach dem Bundesliga-Aufstieg, die nationale Meisterschaft holte. Nun ziert die 20-jährige Olympiasiegerin mit der Sportpistole jene Mannschaft, die im Herbst ins Unternehmen Titelverteidigung starten wird.

Allzu gern hätte die Waldkircher Schützenfamilie sofort mit ihrer Medaillensammlerin (am Sonntag hatte Korakaki bereits Bronze mit ihrer Standardwaffe Luftpistole gewonnen) gefeiert. Dieser Wunsch blieb zunächst unerfüllt. Edelweiß-Chef Peter Weigelt gratulierte zwar stellvertretend für den ganzen Verein über Facebook, eine Antwort stand vorerst aber aus. Weigelt hat Verständnis dafür; er weiß, dass die junge Frau auf Tage hinaus kräftig herumgereicht wird. In seinen Worten: „Sie ist jetzt erst mal mit anderen Dingen beschäftigt. Ich bin mir sicher, dass sie sich melden wird und wir hoffen, dass wir im Lauf der Woche Kontakt aufbauen können.“

In seinem näheren Umfeld sei es direkt nach der Entscheidung kräftig abgegangen, schildert Weigelt die noch frischen Erinnerungen an den Wettkampf. Gebannt saßen die Schützen wie 6,4 Millionen weitere Zuschauer in Deutschland vor den Fernsehgeräten und genossen die Liveübertragung. Aus Waldkircher Sicht bot der Showdown ja eine feudale Ausgangssituation. „Wir konnten nicht verlieren: Die spätere Silber-Gewinnerin Monika Karsch ist eine gute Bekannte. Und Anna Korakaki schießt für unseren Verein. Das war absolut perfekt“, fasst der Edelweiß-Vorsitzende zusammen. Zur ausgelassenen Freude nach dem Finale meint er: „Da war Halligalli auf WhatsApp. Ich weiß nicht, wie viele hundert Nachrichten da gekommen sind. Das sind heutzutage solche Multiplikatoren, da kommt man nicht mehr hinterher.“

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Kann der Verein sie halten?

Aus Vereins-Perspektive sei der Gold-Triumph von Rio als Aufstieg in den Schießsport-Olmyp zu werten, berichtet Weigelt. Mit feuchten Augen ließ er die Erfolge der vergangenen Jahre aufleben: 2008 holte Elfriede Weigelt erstmals in der Vereinsgeschichte eine deutsche Meisterschaft (Luftpistole Frauen Altersklasse); 2011 wurde die großartige Schießanlage eröffnet, die seither auch Leistungsstützpunkt Luftpistole für Schwaben und Bayern ist; 2014 kam Alexander Kindig als Junioren-Weltmeister mit der Luftpistole aus Spanien nach Schwaben zurück; 2015 glückte dem Luftpistole-Team der Aufstieg in die Bundesliga; 2016 folgte der nationale Mannschafts-Titel.

Jetzt also Gold bei Olympia. Was unter anderem die Frage aufwirft, ob der Dorfverein Korakaki halten kann. Ein derart grandioser Erfolg muss doch Begehrlichkeiten bei der Konkurrenz wecken. Weigelt jedoch beurteilt dieses Thema völlig entspannt. Konkret sagt er, für die kommende Saison sei alles in trockenen Tüchern; in Sachen Abwerbung durch andere Vereine könne nichts passieren. Seiner Überzeugung nach hegt die 20-Jährige auch keine Abwanderungsgelüste – obwohl an Geldverdienen zumindest im Fall Waldkirch nicht zu denken ist, wie der Vereinsvorsitzende versichert.

Eine starke emotionale Bindung

„Was wir den jungen Leuten versprechen können ist, dass wir die Kosten übernehmen. Das allein sind schon etwa 20000 Euro im Jahr und das wird von Sponsoren aus der Region getragen, wofür wir äußerst dankbar sind. Obendrauf gibt es für die Schützen nichts mehr.“ Weigelt deutet stattdessen eine Liebesheirat an, indem er als Beispiel für starke emotionale Bindungen anführt: „Zum Finale um die deutsche Meisterschaft hätte Anna Korakaki studienbedingt eigentlich nicht kommen können. Eine Woche vor dem Wettkampf hat sie dann gesagt, sie muss auf ihr Herz und ihren Bauch hören und kommt zu uns.“

Zu Edelweiß kommen: Das gilt auch für einige junge Leute, die schon seit geraumer Zeit am Stützpunkt schießen und sich zu Säulen im Bundesliga-Team der Waldkircher entwickelt haben. Damit ist ihr Potenzial allerdings noch lange nicht ausgeschöpft, ist Weigelt überzeugt. Entsprechend forsch platziert er die sportlichen Ziele für Alexander Kindig (Burgau), Sebastian Schulz (Jettingen), Michael Frei (Jettingen) und Matthias Holderried (Schongau): „Wir hoffen, ein paar unserer jungen Leute zu den nächsten Olympischen Spielen nach Tokio schicken zu können.“

Weit vorher steht allerdings der nächste ganz große Termin. Am 26./27. November genießen die Waldkircher Heimrecht in der Luftpistole-Bundesliga. Weigelt glaubt fest an die nachhaltige Werbewirksamkeit der Spiele in Rio, zumal dort nach seiner Einschätzung „zwei ganz sympathische Frauen einen auch für Laien spannenden Wettkampf“ geboten haben. Weil das Kräftemessen in der Eliteklasse zudem in der Dreifach-Turnhalle in Burgau stattfinden wird, hofft der Edelweiß-Vorsitzende auf jede Menge Zuschauer. Wobei er – vor Olympia – mit 200 Besuchern gerechnet hatte. Seine aktuelle Hochrechnung hat er den aktuellen Ereignissen jedoch flugs angepasst und bemerkt: „Wenn’s jetzt mehr werden, sehen wir zu, dass wir bis zu 600 Personen Platz bieten können.“

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