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Ehejubiläum in Rettenbach

16.08.2019

Waltraud und Eberhard Wistuba feiern diamantene Hochzeit

Waltraud Wistuba freut sich über die Unterstützung ihres Mannes Eberhard, mit dem sie 60 Jahre lang verheiratet ist. Dackelhündin Franzi gehört ebenfalls zur Familie.
Bild: Gertrud Adlassnig

Die bekannte Modeschöpferin und ihr Ehemann sind ein eingespieltes Team. Über unvergessliche Radtouren, unliebsame Bücklinge und einen schmerzlichen Verlust.

Waltraud und Eberhard Wistuba haben ihre diamantene Hochzeit ganz privat gefeiert, in Verona, wie sie verraten. Da waren sie gerade, denn Waltraud Wistuba ist auch nach über 50 Jahren Modeatelier, 60 Jahren Ehe und drei Kindern noch lange nicht unter die Ruheständler gegangen. Sie war gerade wieder einmal unterwegs auf einem Weltkongress, dieses Mal in Norditalien. Wie immer war ihr Ehemann Eberhard an ihrer Seite.

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So beschlossen sie kurzerhand, bei den Kindern anzufragen, ob die nicht nachkommen könnten, um im familiären Kreis den besonderen Tag zu begehen.

Waltraud Wistuba ist ein Star der Modebranche

Daheim wäre die Feier sicher turbulenter geworden. Immerhin gehört Waltraud Wistuba noch immer zu den Stars am deutschen Modehimmel, ihre Auszeichnungen und Medaillen füllen Wände. Selbstverständlich haben nicht nur die Gemeinde und der Landrat gratuliert, auch der Ministerpräsident übermittelte Glückwünsche.

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Waltraud Wistuba nimmt diesen Hype gelassen, sie ist bei aller Bekanntheit bodenständig geblieben, eine Rettenbacherin durch und durch. Das weiß auch Eberhard Wistuba zu schätzen, der niemals auf die Verdienste seiner Frau neidisch war, im Gegenteil: „Das ist doch eine unglaubliche Leistung. Ich bewundere meine Frau“, sagt er und unterstützt sie, wo er kann. Beispielsweise hat er sich nach seiner Verrentung liebevoll um die Schwiegermutter gekümmert, die nach einem Schlaganfall im Rollstuhl saß.

Inzwischen haben sie den größten Teil ihres Lebens gemeinsam gemeistert. „Ich habe mich schon mit 16 in ihn verliebt“, verrät Waltraud und fügt scherzhaft hinzu: „Ich habe mir einfach den schönsten Rettenbacher ausgesucht.“

Ein waschechter Rettenbacher ist er zwar nicht, geboren wurde der Ehemann in der Nähe von Breslau. Doch nach Aufenthalten in Hammerstetten und Limbach kam die Familie des Feinkosthändlers Wistuba nach Rettenbach, wo dieser ein Geschäft eröffnete, „in dem es alles gab, was man auf dem Dorf brauchte“. „Und noch einiges mehr“, verrät Waltraud. Zum Beispiel Bückling, den hatte bis dahin kein Rettenbacher gekannt. „Eberhard musste ihn schon als Jugendlicher räuchern, was er gar nicht gern gemacht hat“, und worüber er bis heute noch nicht gerne spricht.

Die Eheleute Wistuba mussten aufeinander warten

Fünf Jahre mussten die verliebten jungen Leute aufeinander warten, bis es endlich so weit war. Geheiratet wurde erst, als Waltraud mit 21 volljährig war und Eberhard mit 24 nach dem Technikum in Augsburg seine erste Arbeitsstelle bei Mengele antrat. Vorher hatte es der strenge Vater nicht erlaubt.

Doch auch in der Zeit vor der Ehe haben die beiden allerhand erlebt, was ihnen noch bis heute in Erinnerung geblieben ist. Besonders die gemeinsamen Radfahrten, Eberhard nach Günzburg ans Gymnasium, Waltraud in die Schneiderlehre nach Offingen. „Einmal haben wir sogar eine Tour nach Bad Tölz gemacht, in einem einzigen Tag! Natürlich war meine Schwester als Anstandswauwau dabei.“

Die Freude am Radeln hat sie durch ihre ganze Ehe begleitet. Über viele Jahre gehörte eine einwöchige Radtour zur fest gebuchten Auszeit aus dem Alltagsstress. Den meisterten die beiden auch, weil sie in ihren Berufen aufgingen, sie ein erfülltes Leben hatten. Eberhard Wistuba blieb sein gesamtes Arbeitsleben bei Mengele, entwickelte zahlreiche Patente und arbeitete bis zum Verkauf der Firma an verantwortlicher Stelle. Dennoch fand er oft Zeit, seine Frau auf vielen Reisen weltweit zu begleiten, was die beiden Jubilare als ein großes Geschenk ansehen.

Glamour, Mode, Arbeit und Karriere sind nur eine Seite des reichen Lebens von Waltraud und Eberhard Wistuba. Da ist auch das Familienleben, das sie zum einen reich beschenkt hat, drei Kinder, alle erfolgreich und in liebevoller Verbundenheit mit den Eltern, dazu zwei Enkel. Doch da sind auch – die andere Seite – tiefe Schatten und Trauer. Der frühe Tod des Sohnes nach einem Herzstillstand vor vier Jahren ist noch stets präsent.

Dackelhündin Franzi gehört ebenfalls zur Familie Wistuba

Auch wenn sie es eigentlich nicht wollen, taucht doch immer wieder die Frage auf: Hätte er irgendwie gerettet werden können? Doch sie wissen auch, dass sie darauf nie eine Antwort bekommen werden. „Die langen Monate in Burgau, wo sie wirklich alles versucht haben, waren unaussprechlich quälend.“

Eberhard und Waltraud ist es gelungen, diese schwere Zeit gemeinsam zu tragen. „Es hat keine Krise gegeben, wir sind noch enger zusammengewachsen.“ Dackelhündin Franzi, „unser viertes Kind“, schenkt ihnen Trost und ein dem Sohn nicht unähnlicher Verwandter aus Chile hält die Erinnerung an Eberhard junior wach. So haben sie sich in den Alltag zurückgekämpft. Eberhard, der Ruheständler, lässt es ruhig angehen. Er hat das Zeitungslesen ritualisiert und kommt den Pflichten des Hundehalters nach. Außerdem pflegt er seine zahlreichen Hobbys, zu denen – nicht immer zur Freunde seiner Frau – das Sammeln alter Fundstücke möglichst ländlicher Provenienz gehört.

Waltraud geht jeden Morgen um acht Uhr ins Atelier. Sie will so lange weitermachen, bis ihre treue Mitarbeiterin in den Ruhestand geht, also noch vier Jahre. „Ich hoffe, dass ich das schaffe“, sagt sie. Mit der Unterstützung durch ihren Eberhard kann sie dabei felsenfest rechnen.

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