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Corona-Krise

28.06.2020

Wann darf das Kikimondo in Günzburg wieder für Kinder öffnen?

Seit dem coronabedingten Lockdown im März hat das Kikimondo, ein Indoorspielplatz für Kinder im Günzburger Industriegebiet, geschlossen. Wann die Betreiber es wieder öffnen dürfen, ist unklar.
Bild: Andreas Brücken

Plus Die Indoor-Anlage für Kinder in Günzburg ist seit Monaten geschlossen. Die Betreiber sind verzweifelt und fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen.

Jutta Huber ist „richtig frustriert“ und „völlig verzweifelt“. Während ringsum alle Unternehmen nach dem coronabedingten Lockdown nach und nach wieder öffnen dürfen, muss die Betreiberin des Kikimondo die Indoor-Anlage im Günzburger Industriegebiet weiterhin geschlossen halten. Seit mehr als drei Monaten kein Einkommen, die finanziellen Rücklagen sind aufgebracht. Was Jutta Huber besonders wurmt: Im württembergischen Kirchheim/Teck darf sie ihre zweite Freizeitanlage unter speziellen Auflagen seit Kurzem wieder für Gäste öffnen. Wann das in Bayern wieder möglich ist, kann ihr keiner sagen. Jutta Huber hat große Angst, bald vor dem Aus zu stehen: „Die Freizeitanlagen hat keiner auf der Liste, wir fallen hinten runter. Wenn es zwei oder drei Monate länger so geht, wird es bald kein Kikimondo in Günzburg mehr geben.“

Seit 14 Jahren betreiben Jutta Huber und ihr Ehemann Erhard Indoor-Anlagen. Begonnen haben sie im benachbarten Kirchheim/Teck mit einem Abenteuerland Kikimondo. 2008 eröffneten sie eine zweite ähnliche Einrichtung in Günzburg. Nach Anlaufschwierigkeiten kam der Erfolg, „es hat sich richtig gut etabliert“, sagt Jutta Huber. Vor allem in den Winter- und Frühjahrsmonaten, in denen das Wetter kaum Draußen-Aktivitäten ermöglicht, ist der Ansturm auf die 3000 Quadratmeter große Halle groß.

Wegen Corona: Betreiber des Kikimondo schicken Vollzeitkräfte in Kurzarbeit

Der coronabedingte Lockdown fiel im März in eine solche Hochphase. Von heute auf morgen keine Besucher mehr, kein Einkommen mehr. Trotzdem mussten die Hubers die volle Miete für die Halle weiterbezahlen, zwei Vollzeitkräfte schickten sie in Kurzarbeit, die zehn bis 15 studentischen Aushilfen konnten sie gar nicht mehr halten.

Wann darf das Kikimondo in Günzburg wieder für Kinder öffnen?

Drei Monate später sind die 9000 Euro Soforthilfe aufgebraucht, Kredite ausgeschöpft und müssen neu verhandelt werden. „Die Umsätze, die wir in dieser Zeit verloren haben, holen wir nie wieder rein. Das hat uns um zehn Jahre zurückgeworfen“, ist sich Jutta Huber sicher. Denn normalerweise erwirtschaften sie und ihr Ehemann in der kühlen Jahreszeit ein finanzielles Polster, das sie über die warmen Sommermonate rettet, in denen das Kikimondo traditionell schlechter besucht ist. Jetzt gibt es keine Rücklagen mehr.

Kikimondo in Kirchheim/Teck durfte Mitte Juni wieder öffnen

Immerhin durften sie ihre Anlage im württembergischen Kirchheim am 11. Juni wieder öffnen, unter verschärften Auflagen. Alle zweidreiviertel Stunden findet ein Schichtwechsel statt: Die einen Kunden gehen, alles wird sauber gemacht, die nächsten Kunden kommen. „Das funktioniert einwandfrei“, sagt Huber. Völlig unverständlich ist ihr, warum sie in ihrer Anlage – nur wenige Kilometer entfernt, dafür in einem anderen Bundesland gelegen – nicht nach demselben Prinzip verfahren darf. In der Halle könnten sogar fünf bis sechs Oberlichter und vier Notausgangstüren geöffnet werden, um ausreichend Frischluft hereinzulassen, betont die Betreiberin.

Bild: Sandra Kraus

Eine komplette Öffnung lässt jedoch das Infektionsschutzgesetz in Bayern nicht zu, teilt der Geschäftsbereichsleiter für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt Günzburg, Christoph Langer, auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Indoor-Anlagen sind keine Einrichtungen, in denen sich Infektionen vermeiden lassen.“ Leider sei es tatsächlich so, dass es für diese Freizeitanlagen derzeit keine Lösung gebe, „sie fallen hinten runter“. Es sei aber kein böser Wille seitens des Landratsamts; dieses setze lediglich die Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung um, man erfülle derzeit geltendes Recht.

Kikimondo Günzburg dürfte derzeit nur Trampoline, Hochseilgarten und Baskettballfeld öffnen

Da jedoch auch das Landratsamt Neu-Ulm nach einem Kompromiss für das Kinderspieleland Sendolino in Senden gesucht habe, hätten sich die Mitarbeiter abgesprochen, um „eine einheitliche Linie zu fahren“. Es sei ein Entgegenkommen gegenüber den Betreibern von Freizeitanlagen. Lediglich Teile dürfen demnach geöffnet werden. Dabei handelt es sich Langer zufolge um Attraktionen, bei denen eine sportliche Betätigung durch die Kinder stattfindet. Hierunter fallen die Trampoline, der Hochseilgarten sowie das Basketballfeld. Nicht geöffnet werden dürfen die übrigen Vergnügungseinrichtungen wie Rutschen, Hüpfburgen, Quads oder Kreisel.

Bild: Sandra Kraus

Während das Sendolino seit Kurzem wieder geöffnet hat, lässt Jutta Huber ihr Kikimondo in Günzburg weiter geschlossen. „Dieses Modell ist absolut nicht praktikabel“, sagt sie. Zum einen sei es, kaum möglich, bestimmte Bereiche abzutrennen, zum anderen könnte für die abgespeckte Variante nicht weniger Eintritt verlangt werden. „Da sind die Kosten höher als die Einnahmen, da lohnt es sich nicht, zu öffnen.“ Außerdem fürchtet sie, dass sie damit die Kunden eher vergraule als anlocke. Die meisten „sportlichen Angebote“ sind für ältere Kinder ab sieben Jahren ausgelegt. „Und was machen dann die Kleineren? Sollen die zuschauen oder sollen wir sie heimschicken?“

Betreibern des Kikimondo liegt nichts an einer Klage

Wie es jetzt weitergeht, weiß Jutta Huber nicht. Keiner könne ihr eine klare Aussage geben, im Gegenteil, sie müsse um jede Auskunft bitten und betteln. Sie habe schon Dutzende Telefonate getätigt und unzählige Schreiben verschickt, auf Antworten musste sie lange warten – vorausgesetzt, sie bekam überhaupt eine. Sie verstehe, dass Behörden und Ämter jetzt viel um die Ohren haben, „aber man kann Unternehmen nicht so im Regen stehen lassen“. Sie fühlt sich von den Behörden im Stich gelassen, vermisst Interesse und vor allem Feingefühl. Ihr Angebot, sich die Anlage doch vor Ort anzuschauen und eine Lösung zu erarbeiten, sei auf taube Ohren gestoßen.

Auf ihren Einwand hin, dass eine Teilöffnung weder umsetzbar noch rentabel sei, habe ein Mitarbeiter des Landratsamts geantwortet, dass sie ja klagen könne, wenn ihr das Konzept nicht passe. Daran sei ihr überhaupt nicht gelegen, „wir wollen nur unserem Geschäft nachgehen“.

Jutta Huber fühlt sich machtlos, weiß nicht mehr, was sie tun soll. Ihr und ihrem Mann gehe langsam die Luft aus. „Wir sind beide über 50. Wenn wir schließen müssen, haben wir nichts mehr, dann sind wir arbeitslos.“

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