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Günzburg/Weißenhorn

17.08.2020

Warnstreik in der Brotindustrie: Mitarbeiter legen Arbeit nieder

Warnstreik mit Warnweste und Maske in den frühen Morgenstunden bei Lieken Brot- und Backwaren in Günzburg.
Bild: Peter Wieser

Plus Beschäftigte von Lieken aus Günzburg und Jaus Bakery aus Weißenhorn legen am Montag für zwei Stunden die Arbeit nieder. Das sind ihre Forderungen.

Die einen hatten sich direkt nach der Nachtschicht vor das Werkstor begeben, die anderen begannen im Anschluss daran ihre Frühschicht. In einem gemeinsamen Warnstreik haben am Montag von 6 bis 8 Uhr gut 100 Mitarbeiter von Lieken Brot- und Backwaren in Günzburg und von Jaus Bakery in Weißenhorn der Forderung nach mehr Lohn in der Brotindustrie Nachdruck verliehen – in gelben und in roten Warnwesten und mit Mund-Nasenschutz. Die notwendigen Abstände einzuhalten, wäre schwierig gewesen.

Zu dem Warnstreik hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genussmittel-Gaststätten (NGG) aufgerufen. Hintergrund ist die laufende Tarifrunde in der bayerischen Brotindustrie. Die Gewerkschaftsmitglieder fordern eine Lohnerhöhung in Höhe von 6,2 Prozent, mindestens jedoch 160 Euro mehr im Monat, sowie eine Erhöhung der Ausbildungsvergütung um 80 Euro. Die Arbeitgeber dagegen bestünden auf einer Nullrunde, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft NGG. Nach verschiedenen Warnstreiks in ganz Deutschland, sollen im Laufe der Woche an jedem Tag an anderen Standorten noch weitere folgen.

Als Dank in Corona-Zeiten gebe es eine Nullrunde, kritisiert die NGG

Der Brotindustrie gehe es blendend, die Auftragslage sei hervorragend, die Arbeitgeber jedoch versteckten sich hinter der Corona-Pandemie. Wer aber vergessen worden sei, das seien die Arbeitnehmer, die die Waren produzierten, um die Regale zu füllen. Diese seien damit gleichermaßen systemrelevant und zum Dank gebe es ein Nullrunde, so NGG-Landesbezirkssekretär Sebastian Wiedemann am Montag.

„Wir wollen jetzt ein Signal setzen“, sagte Wiedemann, der gleichzeitig die fehlende Wertschätzung gegenüber den Beschäftigten, die teilweise in Doppelschichten dafür gesorgt hätten, um der hohen Nachfrage gerecht zu werden, kritisierte. Viele aus der Bevölkerung wüssten gar nicht, was hier geleistet werde und zu welchen Arbeitszeiten die Arbeitnehmer auf den Beinen seien, damit es frische Backwaren und frisches Brot gebe, schloss sich Tim Lubecki, NGG-Regionalgeschäftsführer, an.

Eine Lohnerhöhung zum Überwinden der Krise

Vor Ort war auch die Bundestagabgeordnete und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Susanne Ferschl (Die Linke), um, wie sie sagte, solidarische Grüße ihrer Fraktion zu überbringen. Die Argumentation für eine Nullrunde aufgrund der derzeitigen Corona-Situation sei völlig falsch. Wer solle denn die Produkte kaufen, wenn die Menschen kein Geld in der Tasche hätten? Gerade jetzt sei eine Lohnerhöhung dringend notwendig, um die Krise zu überwinden, betonte Ferschl. Ein Mitarbeiter von Jaus Bakery bestätigte: Es werde sieben die Woche Tag durchproduziert, aufgrund Corona weitaus mehr als bisher und mit weniger Mitarbeitern. Das sei nicht gerecht.

Wenn es zu keinem Kompromiss komme, werde die Tarifkommission über weitere Maßnahmen entscheiden. Die Löhne und Gehälter im Nahrungsmittelbereich seien wesentlich niedriger als die in der Metallindustrie, obwohl dort Gleiches geleistet werde. Man wolle nicht den Anschluss verlieren und deswegen fordere man auch die 6,2 Prozent, erklärte Sebastian Wiedemann.

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