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Burtenbach

18.04.2019

Warum ein junger Burtenbacher in gleich drei Vereinen aktiv ist

Felix Scherer mit seinem „Arbeitsgerät“: Der 18-jährige Burtenbacher ist Skilehrer, Schiedsrichter und spielt Trompete im Musikverein.
Bild: Bernhard Weizenegger

Felix Scherer ist Schiedsrichter, Skilehrer und Musiker. Für den 18-Jährigen keine Belastung. Dabei hat er schon Schattenseiten des Engagements kennengelernt.

Einen Interview-Termin mit Felix Scherer zu bekommen, ist gar nicht so einfach. Mal ist er auf Skilehrgang in den Bergen, dann steht er wieder auf dem Fußballplatz. Als dann ein Termin steht, mahnt er: „Nicht zu spät, ich habe dann noch Musikprobe.“

Klingt stressig. Sei es aber überhaupt nicht, versichert Scherer, nachdem er auf einer aus alten Skiern von seinem Vater selbst zusammengezimmerten Bank am Küchentisch Platz genommen hat. „Ich mache das doch alles gerne. Das ist keine Belastung für mich.“ Wer jetzt denkt, dieser Felix Scherer muss ein alteingesessener „Vereinsmeier“ sein, der täuscht sich. Der aktive Burtenbacher ist gerade mal 18 Jahre alt. Und gehört damit zu einer aussterbenden Art.

In einer Zeit, in der auch auf dem Land immer mehr Vereine über Nachwuchssorgen klagen, sind Typen wie Felix Scherer gefragt. Wie bei vielen anderen Kindern und Jugendlichen auch, legten bei Scherer die Eltern den Grundstein für sein Engagement. Sie sind seit vielen Jahren Mitglieder bei den Skifreunden Oberschöneberg, Mutter Christina ist Skilehrerin. Vater Reiner trainierte früher außerdem die Bambinis beim FC Mindeltal. Klar, dass Felix schon in jungen Jahren auf Skiern und auf dem Fußballplatz steht. „Ich bin da einfach mit reingewachsen. Für mich war es schon immer normal, sich in Vereinen zu engagieren.“

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Mit 14 Jahren wurde Felix Scherer Schiedsrichter

Mit acht Jahren begann der Burtenbacher dann noch damit, Trompete zu lernen. Bis heute ist er seinen Hobbys treu geblieben. Im Fußball steht er mittlerweile nicht mehr als Spieler, sondern als Schiedsrichter auf dem Feld und gehört zu den hoffnungsvollen Talenten der Schiedsrichtergruppe Westschwaben. „Ich habe mal bei einem Spiel einer Mannschaft meines Vaters gepfiffen. Im unteren Jugendbereich gibt es ja noch keine Schiedsrichter. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich das weiterverfolgen wollte.“ 2015 meldet sich Felix Scherer mit 14 Jahren zum Neulingskurs der Schiedsrichtergruppe an. Er bekommt einen Betreuer an die Hand, pfeift schnell erste Jugendspiele. Wenig später geht es schon in den Herrenbereich. Seit zwei Jahren zählt Scherer zu den jüngsten Kreisliga-Schiedsrichtern in der Region.

Sich bei den oft wesentlich älteren Spielern und Trainern Respekt zu verschaffen, sei gerade am Anfang nicht immer leicht gewesen, erzählt er. „Bei jungen Schiedsrichtern testen sie mehr aus, wie weit sie gehen können. Ich habe mir dann angewöhnt, eine eher kleinliche Linie zu pfeifen. Ich lasse mir nix gefallen.“ Die Schiedsrichterei habe ihm viel für das Leben beigebracht. Selbstbewusst aufzutreten, Haltung zu zeigen und für seine Meinung einzustehen, das lerne man als Referee im Amateurfußball. Das hilft dann auch in Situationen, in denen man mal danebenliegt.

Bei einem Bezirksliga-Spiel stellte er den falschen Spieler vom Platz

So wie vor zwei Wochen. Felix Scherer pfeift das Spiel TSV Nördlingen II gegen SSV Glött in der Bezirksliga Nord. Zeigt er eine gute Leistung, kann er darauf hoffen, in der kommenden Saison schwerpunktmäßig Spiele in der Bezirksliga zu leiten. Doch die Partie entgleitet dem jungen Referee. Die Glötter sehen sich durch Fehlentscheidungen massiv benachteiligt, Coach Stefan Schneider sagt hinterher: „Was hier und heute passiert ist, hab ich so auch noch nicht erlebt.“ Besonders ärgert man sich beim SSV nach der 0:3-Niederlage über eine falsche Rote Karte. Felix Scherer hatte den Glötter Spielertrainer Peter Eggle nach einem vermeintlichen Foul im Strafraum vom Platz gestellt. Eine Fehlentscheidung, wie er selbstkritisch zugibt: Ein anderer Spieler war der Übeltäter.

Die Chance, in die Bezirksliga aufzusteigen, war dahin. Zumindest für die kommende Saison. Felix Scherer formuliert seine Ziele dennoch ehrgeizig: „Mein Ziel ist jetzt nicht die Bundesliga“, sagt der 18-Jährige, der den ehemaligen Spitzenschiedsrichter Knut Kircher als Vorbild nennt. „Aber auf bayerischer Ebene könnte schon was gehen.“

Von Frühjahr bis Herbst steht Scherer auf dem Fußballplatz, auch wenn er darauf achtet, dass es nicht zu viel wird. Es solle ja trotzdem Spaß machen, sagt er. Der Winter ist, mit Ausnahme einiger Hallenfußballturniere, fürs Skifahren reserviert. Bei den Skifreunden Oberschöneberg ist Felix Scherer seit einigen Jahren als Skilehrer tätig. Im März legte er die Prüfung für die zweite Stufe ab. „Der Verein muss ja irgendwie überleben. Da helfe ich gerne, indem ich ein paar Kurse pro Saison gebe.“ Am liebsten ist er am Hochzeiger im Pitztal (Tirol) unterwegs, wo er mit seinen Eltern schon seit vielen Jahren jeden Winter hinfährt, wo er jeden kennt.

Mit dem Studium könnte es vorbei sein mit den Hobbys

Den Ausgleich zum Sport sucht Felix Scherer in der Musik. Er hört nicht nur möglichst viel Musik verschiedenster Genres, er spielt beim Musikverein Burtenbach auch Trompete. Jeden Freitagabend sitzt er in der Probe. Er ist bei Konzerten und Messen in der Pfarrkirche dabei. Er packt mit an, wenn Feste anstehen, etwa das Maifest in knapp zwei Wochen. „Wir sind ein kleiner Verein mit etwa 25 Musikern, da muss jeder mithelfen. Und wenn es nur darum geht, mal wieder das Musikerheim zu putzen.“

Dass der 18-Jährige derzeit noch die Fachoberschule in Krumbach besucht, kommt seinen Hobbys entgegen. Wenn er aber in eineinhalb Jahren mit dem geplanten Maschinenbaustudium beginnt, kann das schon anders aussehen. „So, wie es jetzt ist, habe ich trotzdem noch genug Freizeit. Aber das kann sich ändern. Vielleicht muss ich dann etwas aufgeben.“ Ein Problem, das viele Vereine trifft. Sie müssen hoffen, dass die Studenten irgendwann wieder in ihre Heimat zurückkehren.

Felix Scherer möchte sich einen Studienplatz in der Nähe seines Heimatorts suchen. Aber im Zweifelsfall geht für ihn die Ausbildung vor. „Von ihrem Hobby können leider die wenigsten leben. Aber wegziehen möchte ich trotzdem nicht.“ Schließlich braucht man Leute wie ihn. In Burtenbach und anderswo.

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