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Bürgerwerkstatt

22.09.2018

Was an Jettingen gefällt und was nicht

Um sich für die Städtebauförderung zu bewerben, hat der Markt Jettingen-Scheppach im Rahmen einer Bürgerwerkstatt Anregungen von den Einwohnern eingeholt.
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Um sich für die Städtebauförderung zu bewerben, hat der Markt Jettingen-Scheppach im Rahmen einer Bürgerwerkstatt Anregungen von den Einwohnern eingeholt.
Bild: Christian Kirstges

Experten haben für ein Sanierungsprogramm den Altort untersucht – und Einwohner haben ihre Ideen eingebracht. Es gibt Problemstellen, aber auch viel Potenzial.

Um in die Städtebauförderung aufgenommen zu werden, hatte der Markt Jettingen-Scheppach bereits vor drei Jahren eine Grobanalyse der Stärken und Schwächen der Gemeinde von einer Stadtplanerin erstellen lassen und den Bürgern vorgestellt. Auch die Einwohner konnten Verbesserungsvorschläge machen und sich für die Teilnahme an Bürgerwerkstätten eintragen.

Am Donnerstagabend ist im Nebentrakt der Turn- und Festhalle bei einer Auftaktveranstaltung für eine Bewerbung um Fördergelder jetzt erneut eine Analyse vorgestellt worden – dieses Mal ging es um die Vorzüge und Potenziale des Altorts Jettingen. Gut 80 Bürger waren der Einladung von Bürgermeister Hans Reichhart dazu gefolgt.

Zunächst referierten aber Alexandra Franzke und Mathias Dargel vom Architektur- und Stadtplanungsbüro Schirmer aus Würzburg. Der Altort sei etwas Besonderes, „das Gesicht“ und „Herz“ Jettingens – und ein starker Kontrast zu den Neubaugebieten, die so überall stehen könnten. Es sei wichtig, ihn für die nächsten Generationen zu erhalten. Untersucht wurde das Gebiet um Haupt-, Weber-, Schloss-, Fischer-, Unterer und Oberer Angerweg inklusive des Marktplatzes.

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Der Verkehr ist trotz der Umgehung immens

An Gebäudeeigentümer wurden 325 Fragebögen verschickt, gut 60 sind zurückgekommen. Im Vergleich zu anderen Gemeinden sei das eine gute Quote. Vor allem die alten Gebäude, an denen sich die Geschichte der Gemeinde ablesen lasse, die Kirche, das Schloss inklusive des Parks seien große Vorzüge. Im Ortskern gebe es zwar Leerstände, aber noch einige Geschäfte für die Nahversorgung. Manche Neubauten seien der traditionellen Bauweise angepasst.

Weniger gut sei, dass einige neue Gebäude überhaupt nicht in die Umgebung passten und auch ältere verlieren durch übergroße Werbeanlagen oder Schaufensterfronten ihren Charme. Da der Rieder Bach verrohrt ist, lässt er sich nicht mehr wahrnehmen, nicht mehr erleben. Es gebe kaum noch Gasthöfe, das Radwegenetz müsse ausgebaut werden und der Verkehr im Ort sei trotz der Umgehung immens. Im Untersuchungsgebiet gebe es 16 leer stehende Gebäude und bei 18 einen Teilleerstand, wenn etwa die Geschäftsräume im Erdgeschoss nicht mehr genutzt werden. Der Zustand der Gebäude sei überwiegend gut, an ein paar Häusern bröckele der Putz, in wenigen Fällen seien sie aber in einem sichtbar schlechten Zustand.

Die ehemalige Brauerei sollte wiederbelebt werden

„Es ist noch keine dramatische Situation, aber man muss frühzeitig entgegenwirken“, sagte Franzke. Die Gemeinde könne Impulse geben, die Initiative müsse letztlich von den Eigentümern kommen. Abschließend resümierten die Planer, dass der Ortseingang eher unattraktiv sei, es ein „wildes“ Parken gebe und Erhaltungsmängel an den Wohnstraßen auffallen. Es gebe zwei untergenutzte innerörtliche Flächen, doch am Ende jeder Straßenachse ein „Blickfang“-Gebäude.

Als erste Handlungsmöglichkeiten schlugen sie vor, Flächen nachzuverdichten und sich darum zu kümmern, Leerstände nutzbar zu machen. Beim ehemaligen Gasthof Adler beispielsweise könnten durch eine Umgestaltung der Straße Außenflächen für Gastronomie geschaffen und die Scheune könnte mit Kulturveranstaltungen belebt werden. Auch die frühere Brauerei des Gasthofs Sonne sollte reaktiviert werden, dort könnten etwa Brauseminare angeboten werden

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Bild: Theresa Ott/AZ-Infografik

Wünschenswert: Eine Öffnung des Schlossparks

Mehr Grün und weniger Raum für Verkehr sei wichtig, etwa indem die Autos unter Bäumen in Parkbuchten abgestellt werden. Dabei zielen sie auch auf eine Neugestaltung des Marktplatzes ab. Das Rückverlegen von Geschäften aus Gewerbegebieten wäre wichtig, um das Zentrum zu stärken, ein Beleuchtungskonzept für Gebäude, ein einheitliches Marketing und eine größere Barrierefreiheit könnten die Entwicklung flankieren. Schön wäre eine zumindest teil- und zeitweise Öffnung des Schlossparks, etwa für Kultur. An dem Abend sollte es aber nicht bei der Analyse der Experten bleiben.

Die Bürger sollten sich wieder einbringen und an drei Stationen von Schriftführern notieren lassen, was ihnen an Jettingen gefällt, was verbessert werden sollte und welche Ideen sie generell haben – Geld sollte zumindest dabei keine Rolle spielen. Leo Reichhardt beispielsweise beteiligte sich als „Urjettinger“, der seit 83 Jahren gerne im Ort lebt, weil er sich bei der weiteren Entwicklung einbringen will. Gerade für Ältere sei es schwierig geworden, im Zentrum einzukaufen, und an einem verfallenden Haus an der Hauptstraße müsse sich dringend etwas tun. Die 22-jährige Marlene Rücker empfindet den Ortskern generell als „recht runtergekommen“ und wünscht sich, dass bei Neubauten mehr Rücksicht auf die altschwäbische Bautradition genommen wird. Auffällig war, dass etwas mehr Negatives als Positives an den Stationen vermerkt wurde, aber angesichts der vielen Ideen mehrere Plakate benutzt wurden.

Um sich für die Städtebauförderung zu bewerben, hat der Markt Jettingen-Scheppach im Rahmen einer Bürgerwerkstatt Anregungen von den Einwohnern eingeholt.
Bild: Christian Kirstges

Die Outlets sind ein Problem, aber auch eine Chance

Zufrieden sind die Einwohner mit den alten Gebäuden, der Infrastruktur und den Freizeitmöglichkeiten. Als besonders schlecht wurde wie bereits vor drei Jahren der viele Verkehr und Lärm bewertet, aber auch zu wenig (Außen-)Gastronomie, zu wenige und zu ungepflegte Grünflächen, leere, heruntergekommene Häuser und fehlender Platz für junge Leute. Als Ideen wurde beispielsweise geäußert, dass auch der nördliche Ortseingang mit den Supermärkten in eine Umgestaltung einbezogen werden soll, ein Generationenhaus und eine Hobbywerkstatt in einem alten Haus entstehen könnte und die Namen alter Gebäude mithilfe von Informationstafeln in Erinnerung bleiben. Die Outlets wurden als Problem, aber auch als Chance für das Zentrum gesehen, indem sie Menschen anziehen.

Der Bürgermeister war begeistert von der Resonanz, die Äußerungen seien ein „Spiegelbild dessen, was ich oft von Bürgern höre“. Nicht alles sei machbar, aber man müsse versuchen, möglichst viele Interessen zu vereinen. Am 22. November ist eine Projektwerkstatt und im Januar 2019 soll das Sanierungsgebiet festgelegt werden.

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