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Tonwerk Josef Schmidt

23.10.2014

Was darf in die Ichenhauser Tongrube?

Die Tongrube Ichenhausen wird rekultiviert. Die Schutzgemeinschaft Hochwang befürchtet, dass hier kontaminiertes Material aus ganz Süddeutschland abgelagert werde. Geschäftsführer Stephan Schmidt widerspricht dem entschieden.
Bild: Tonwerk Schmidt

Die Schutzgemeinschaft Hochwang befürchtet, dass dort kontaminiertes Material aus ganz Süddeutschland abgelagert wird. Geschäftsführer Stephan Schmidt erklärt, warum das nicht so ist

Ein Bericht über die Aufwärtsentwicklung des Ichenhauser Tonwerks Josef Schmidt hat die Schutzgemeinschaft Hochwang auf den Plan gerufen. Denn in dem Artikel auf der lokalen Wirtschaftsseite ging es auch um die Rekultivierung der Tongrube in Ichenhausen und die logistische Herausforderung, die der Transport des Materials bei der Verfüllung beinhaltet. In einem Leserbrief haben jetzt Vorstandsmitglied Johannes Todt und Schriftführer Alexander Ohgke reagiert. Sie zitieren wiederum einen Leserbrief an die Günzburger Zeitung vom 14. Januar 2008, verfasst vom Pressesprecher der Regierung von Oberbayern. Dort stehe klar und deutlich, dass in die Tongrube Ichenhausen kontaminiertes Material der Klasse Z2 eingebaut werden dürfe (siehe Info-Kasten).

Die Tonwerk Josef Schmidt GmbH bringe das kontaminierte Material aus dem ganzen süddeutschen Raum und dem angrenzenden Ausland nach Ichenhausen, glauben Todt und Ohgke. Die Vertreter der Schutzgemeinschaft schreiben: „Wenn dieses Material denn so gefahrlos ist, wie der Betreiber und das genehmigende Oberbergamt beteuern, dann ist uns nicht klar, warum diese als ‚mineralische Reststoffe wie Bodenaushub und Bauschutt’ bezeichneten Abfälle nicht am Ort ihres Entstehens entsorgt und stattdessen nach Ichenhausen transportiert werden.“ Zudem stellen Todt und Ohgke die Haftungsfrage, wer bei einem Austreten von kontaminiertem Materialien haften würde, da der Erstbetreiber nicht mehr aktiv sei?

Stephan Schmidt, der mit seinem Bruder Harald die Geschäfte führt, weist die Ansicht der Schutzgemeinschaft vehement zurück. Das meiste Material sei unbedenklicher Bauaushub, wie er beispielsweise auch für die Lärmschutzwälle an der A8 bei Bubesheim verwendet wurde. Und das Einzugsgebiet reiche nicht ins Ausland, sondern von Augsburg bis Göppingen und von Heidenheim bis Memmingen. Das meiste Material komme aus dem Göppinger Raum. „Die Tongrube ist auch keine Deponie, sondern eine Rekultivierungsmaßnahme“, sagt Stephan Schmidt. Ziel sei nicht die Beseitigung von Materialien, sondern die Wiedernutzbarmachung des Geländes. So stehe auf dem bereits rekultivierten östlichen Teil der Tongrube ein großer Solarpark.

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Die Tongrube, so Stephan Schmidt, werde ausschließlich mit mineralischen Reststoffen wie Bodenaushub, Bauschutt, Gleisschotter und untergeordnet Asche verfüllt, die aus der Verbrennung von unbelastetem Holz stamme. Etwa 30 Lkw-Lieferungen fallen Schmidts Angaben zufolge am Tag an. Das Material stamme derzeit zu etwa 90 Prozent vom Albaufstiegstunnel des Großprojekts Stuttgart 21. Dieser sogenannten Ornatenton ist für eine Wiederaufbereitung ungeeignet.

Für die Verfüll-Materialien der Tongrube Ichenhausen gelten strenge Anforderungen, betont Stephan Schmidt: „Es dürfen nur nicht gefährliche Abfälle angenommen werden, für die es gemäß Nachweisverordnung aus rechtlicher Sicht keine Dokumentationspflicht gibt.“ Dennoch verwerte das Unternehmen „kein Gramm ohne Nachweis und Dokumentation per Übernahmescheinverfahren“. Mineralische Reststoffe dürfen bis zur Belastungsklasse Z2 angenommen werden, bestätigt der Geschäftsführer. Jeder Kunde, der Material anliefern will, müsse nachweisen, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Schmidt nennt als Beispiel die Grenzwerte für Cadmium und Quecksilber, mit denen das Verfüllmaterial belastet sein darf. Hier gelte nach Worten des Geschäftsführers „der gleiche Grenzwert wie für Kinderspielflächen“. Die Verfüllung werde ständig vom Bergamt überprüft. Nach unten sei die Grube durch eine 30 bis 40 Meter dicke Tonschicht abgedichtet. „Ein Kontakt mit Grundwasser ist somit ausgeschlossen.“ Seit Beginn der Rekultivierung hätten alle toxischen Parameter im Bereich der Bestimmungsgrenze oder gar darunter gelegen. „Wir sind weit von jeglichen Wasser-Grenzwerten entfernt“, versichert Schmidt.

Er habe die Schutzgemeinschaft 2011 zu einem Treffen eingeladen, um offene Fragen zu beantworten. Ein Vorstandsmitglied habe auch Gesprächsbereitschaft signalisiert und die Einladung zu einer Sitzung der Schutzgemeinschaft in Aussicht gestellt, sagt Stephan Schmidt: „Leider warten wir noch heute auf diese Einladung.“

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