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Was das Corona-Jahr lehren sollte

Kommentar Von Till Hofmann
18.12.2020

Ein Jahr geht bald zu Ende, das wohl die meisten von uns so schnell wie möglich hinter sich lassen wollen. Aber jetzt steht erst einmal das Weihnachtsfest unter Corona-Bedingungen ins Haus. Eine Bewertung - und ein wenig Trost.

Fast ist es vorbei dieses – nennen wir es – besondere Jahr. Besonders gut war es keineswegs, was einzig und allein an diesem Virus liegt, das die Welt in Atem hält und zugleich lahmlegt. Es ist eine Zumutung gewesen dieses Jahr. Dabei sind das Tragen von Masken und die Vorgabe, ausreichend Abstand zu halten, vermutlich noch die verkraftbarsten Kategorien. Die Einschränkung von Grundrechten wiegt schon schwerer – und die Folgen, die damit verbunden sind, Freunde, Bekannte, Familienmitglieder nicht so aufsuchen zu können, wie wir es für richtig halten. Uns wird nun sogar vorgeschrieben, mit welcher Höchstzahl an Personen aus wie vielen Haushalten wir Weihnachten feiern dürfen. Und Onkel Fritz hat dann die Wahl, bei den Verwandten zu übernachten oder so rechtzeitig nach Hause zu fahren, dass er rechtzeitig vor Beginn der Ausgangssperre die stille Nacht, heilige Nacht in den eigenen vier Wänden verbringen kann.

Der Missmut der Menschen ist in gewisser Weise verständlich – zumal die Politik mit Verboten und Einschränkungen teilweise in Schlangenlinien fährt, die mit Logik nicht immer viel zu tun haben. Und es mutet auch zuweilen komisch an, dass Politiker sich so gerieren, als ob sie mit Bestimmtheit durch die Krise führen könnten. Und in gewisser Weise erwarten auch große Teile der Bevölkerung diese Führungskompetenz, obwohl die Corona-Pandemie für alle Neuland ist.

Wir alle zahlen einen hohen Preis in diesem Jahr, das in 2021 seine Fortsetzung finden wird. Wie geht es mit der Arbeit weiter? Kann ich meine Miete noch bezahlen? Muss ich mein Geschäft aufgeben? Diese Fragen werden sich viele stellen, wenn staatliche Unterstützung nicht ausreichen sollte. Den höchsten Preis haben aber bereits diejenigen bezahlt, die jemanden aus ihrem Kreis verloren haben. Ob der geliebte Mensch dabei mit oder an Corona gestorben ist, ist doch so egal. Die schlimme Botschaft lautet: Er wird nie mehr da sein, wird einen niemals mehr anlächeln. Er nimmt seinen Platz nur noch in der Erinnerung wahr. 54 Menschen sind das inzwischen im Landkreis Günzburg. Fast 25000 in Deutschland – das ist eine Stadt größer als Günzburg.

Genau deshalb sind die Beschränkungen, die tiefen Einschnitte in unseren Alltag, in unser Leben nicht leichtfertig – trotz aller Schwächen und Ungerechtigkeiten, die solche Regelungen immer mit sich bringen.

Was uns bleibt, ist trotz allem Zuversicht. Und die sehe ich im Landkreis – gerade auch bei der Durchsicht der Weihnachtspost: Das Neue Theater Burgau schickt einen Spielplan mit Stücken, aber noch ohne Termine, zeigt damit, was alles ansteht; und setzt gleichzeitig ein Zeichen. Die Mitarbeiter des Bauunternehmens Bendl winken in der Firmenzeitschrift auf einer Luftaufnahme zu. Sie bilden die Zahl 75. Und sie hätten sicherlich gerne heuer das Jubiläumsfest ihres Unternehmens gefeiert. Trotzdem bleibt es ein fröhliches Bild. Und in einer Karte der Bezirkskliniken heißt es: „Reich ist man nicht durch das, was man besitzt, sondern durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß, und es könnte sein, dass die Menschheit reicher würde, indem sie ärmer wird, und gewinnt, indem sie verliert." Stammt von Immanuel Kant. Ja, das ist es.

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