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Landkreis Günzburg

27.09.2020

Was die Wende für den Landkreis Günzburg bedeutete

So sah der Tower des Fliegerhorsts Leipheim vor dem Abriss aus.
Foto: Bernhard Weizenegger (Archiv)

Plus Wie sich der Mauerfall auf das Leben im Kreis auswirkte und was der Fliegerhorst Leipheim, eine Salmonellenvergiftung, eine Grillfeier und Lehrkräfte in Teilzeit damit zu tun hatten.

Die deutsche Wiedervereinigung war das beherrschende Thema des Jahres 1990. Mit allerlei Folgen auch für den Landkreis, wie die Günzburger Zeitung im September vor 30 Jahren berichtete.

Wer während der Spaltung Deutschlands und Europas in Ost und West den Leipheimer Fliegerhorst passierte, sah immer wieder Lastwagenfahrer, die auffällig unauffällig entlang des Militärflugplatzes Rast gemacht hatten. Dabei war es nicht um die Einhaltung fälliger Ruhepausen gegangen, sondern darum, das militärische Treiben auf dem Fliegerhorst zu beobachten, sprich: auszuspähen.

Eine erste Annäherung der Klassenfeinde in Leipheim

Im September des Jahres 1990 war es in Leipheim zu einer ersten Annäherung der einstigen Klassenfeinde gekommen. Zwölf Offiziere der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR waren zu einem „Truppenpraktikum“ in die Güssenstadt gekommen. Zunächst, so berichtete die GZ, hätten auf beiden Seiten „Berührungsängste“ vorgeherrscht. Nicht zuletzt bei einem „zwanglosen Grillfest“ sei man sich dann nähergekommen. Nicht erwähnt wurden in dem Bericht die Alkoholika, die ebenfalls zur militärischen Entspannung beigetragen haben dürften.

Etlichen Übersiedlern aus der DDR war dagegen nicht zum Feiern zumute. 80 von ihnen waren zunächst im ehemaligen Krumbacher Altenheim mit Kind und Kegel untergebracht worden. 20 waren im September 1990 noch im Heim – sie weigerten sich beharrlich, ähnlich wie die anderen Landsleute in weitere Unterkünfte verschoben zu werden.

Erste Kontakte mit möglichen Partnerstädten in der DDR

In der Zwischenzeit begannen die ersten Städte und Gemeinden im Landkreis, Kontakte mit möglichen Partnerstädten in der DDR aufzunehmen. Dabei ging es nicht nur um die Annäherung der Menschen aus Ost und West. Es galt auch, Kommunalverwaltungen und andere Behörden bei der Umstellung auf bundesrepublikanische Gepflogenheiten und Notwendigkeiten mit Personal und Sachleistungen zu unterstützen.

War das „Truppenpraktikum“ der NVA-Offiziere noch als Erfolg gefeiert worden, holte die Zuständigen auf dem Fliegerhorst wenig später ein Fall von Salmonellen ein. Mehr als 200 Soldaten und Zivilbedienstete hatten sich beim Verzehr von Eierspeisen in der Kantine mehr als nur den Magen verdorben. Wenig überraschend: Verantwortlich war mal wieder niemand.

Herausforderungen für Schulamt und Schulen

Doch der Fall von Mauer und Eisernem Vorhang stellte nicht nur die Verdauung von Soldaten vor Herausforderungen, sondern auch Behörden wie das staatliche Schulamt sowie die Schulen im Landkreis Günzburg. Denn durch den Zuzug von Familien aus der DDR und anderen Ländern des ehemaligen Ostblocks ging die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Beginn des neuen Schuljahrs 1990/91 deutlich nach oben. Teilzeitkräfte wurden gebeten, in Vollzeit zu unterrichten, auch an bereits pensionierte Lehrerinnen und Lehrer wurde appelliert, noch einmal pädagogisch tätig zu werden.

Das Ende des Kalten Krieges hatte für den Landkreis noch eine andere Folge: Die US-Armee kündigte an, sich nach und nach aus dem Raum Günzburg/Leipheim zurückzuziehen. Zunächst sollten die Übungsplätze aufgegeben werden, anschließend auch die Standorte in Günzburg und im atomaren Sonderwaffenlager bei Riedheim. Im Laufe der folgenden Jahre verabschiedete sich auch die Bundeswehr – vom Fliegerhorst Leipheim und der Prinz-Eugen-Kaserne in Günzburg.

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