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Serie (4)

18.08.2019

Wasserversorgung in Kammeltal: Eine Gemeinde, drei Versorger, drei Preise

Zwei Pumpen – eine davon als Sicherheitsreserve – sorgen im Betriebsgebäude des Wasserzweckverbands Kammelgruppe für die Versorgung im südlichen Kammeltal, erklärt Verbandschef Max Schmid aus Behlingen.

Bei den Preisen für Trinkwasser gibt es erhebliche Unterschiede, davon profitieren die Bürger in den südlichen Kammeltaler Ortsteilen. Teil 4 der Serie "Unser Wasser".

Der Landkreis Günzburg ist nahe am Wasser gebaut - nicht nur dank seiner Flüsse wie Günz, Mindel, Kammel und Donau. Auch bei der Förderung von Trinkwasser ist der Landkreis spitze. In unserer Serie „Unser Wasser“ schauen wir diesen Sommer, wo das Wasser im Landkreis herkommt, wie unterschiedlich die Preise sind und was passiert, wenn die Wasserversorgung einmal ausfällt.

In den südlichen Ortsteilen des Kammeltals ist das Wasser günstiger


Max Schmid kann sich eigentlich zufrieden zurücklehnen. Seit 36 Jahren ist er Vorsitzender des Wasserzweckverbands Kammelgruppe. Die versorgt die südlichen Ortsteile der Gemeinde Kammeltal mit Trinkwasser. Die Einwohner von Behlingen, Ried, Waldheim und Keuschlingen können sich darüber freuen, zahlen sie doch erheblich weniger Gebühren als ihre Mitbürger. Das Trinkwasser in der 3300-Einwohner-Gemeinde kommt von drei verschiedenen Versorgern. Eine davon ist der Wasserzweckverband Kammelgruppe mit Sitz im Ortsteil Behlingen, die schon 1963 gegründet wurde. Neben Kammeltal sind die benachbarten Ortsteile Langenhaslach, Naichen (Neuburg/Kammel) sowie seit 1997 auch die Gemeinde Ellzee angeschlossen mit einer Gesamtfläche von circa 21 Quadratkilometern, etwa 2350 Einwohnern und 25 landwirtschaftlichen Betrieben. Diese Konstellation liegt im Wesentlichen an der früheren Verwaltungsstruktur vor der Gemeindegebietsreform in den 70er-Jahren.

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Was Schmid als langjähriges Gemeinderatsmitglied und früheren Mitarbeiter der Stadtwerke Krumbach besonders freut: Alle von der Kammelgruppe mit Trinkwasser versorgten Bürger müssen deutlich weniger für das lebenswichtige Nass berappen. In nüchternen Zahlen: Der Kubikmeter kostet in Behlingen und Ried knapp 70 Cent, die Grundgebühr 27 Euro. Dagegen hat die Verwaltung Ende 2017 für die nördlichen Gemeinden – außer Unterrohr, das an Ichenhausen angeschlossen ist – den Wasserpreis auf 2,64 Euro pro Kubikmeter festgesetzt, die Grundgebühr beginnt bei 38,50 Euro. Dieser beträchtliche Unterschied hängt mit einem immens hohen Sanierungsaufwand vom Brunnen Ettenbeuren und dem Leitungsnetz zusammen.

Ein Haufen alter Wasseruhren tauschte die Kammelgruppe bereits aus. Die Haushalte erhalte digitale und fernauslesbaren Nachfolgemodelle.

Die Kammelgruppe fördert ihr Wasser aus einem 90 Meter tiefen Brunnen in Behlingen. Von dort werden drei Hochbehälter in den Nachbargemeinden mit insgesamt 1000 Kubikmeter Fassungsvermögen befüllt. Über ein Leitungsnetz von 49 Kilometern werden 940 Hausanschlüsse versorgt. Zur Absicherung bestehen Notverbünde mit den Wasserversorgungen in Neuburg/Kammel und Kammeltal. Pro Jahr werden 140.000 Kubikmeter Wasser geliefert, etwa ein Drittel der in der gesamten Gemeinde Kammeltal verbrauchten Menge. „Die Kapazität ist vollkommen ausreichend“, erklärt Schmid, „wir haben ausreichend Reserven.“ Damit könnte sogar das untere Kammeltal versorgt werden.

Er dokumentiert die optimale Versorgungslage mit der täglich nur achtstündigen Pumpenlaufzeit im Behlinger Betriebsgebäude der Kammelgruppe. Dort wurde 2018 eine neue Prozessleittechnik installiert. Der Vorteil: Die Funktion des Betriebssystems kann vollelektronisch vom Tablet aus überwacht werden. Bei Störungen laufen bei mehreren Personen Kurznachrichten ein. Außer Schmid sind in der Kammelgruppe nur drei Minijobber beschäftigt, darunter ein ehrenamtlicher 80-jähriger Wasserwart, eine anteilige Kraft mit der Gemeinde und die Ehefrau im Heimbüro. Um den steigenden Verwaltungsaufwand zu reduzieren, stellt die Gruppe alle Wasserzähler auf fernauslesbare Digitaltechnik um. Die sind mit 65 Euro um einiges teurer als die bisherigen, aber das „rechnet sich selbst“ bei 15 Jahren Laufzeit. Der seit 1984 amtierende Verbandsvorsitzende ist seit 17 Jahren auch Leiter der vom Gemeindetag eingeführten Wasserwerk-Nachbarschaft. In dieser Funktion unterstützt er kleinere Zweckverbände mit Tipps und Informationen.

Die Wasserqualität im Kammeltal stimmt

Im Zweckverband Kammelgruppe gibt es laut Schmid überhaupt keine Probleme mit der Wasserqualität: „Die Nitratwerte liegen unter fünf Milligramm“, sagt er – und das bei einem Grenzwert von 50 Milligramm. Als Vorteil wirke sich aus, dass der Verband schon länger Grundstücke im Wasserschutzgebiet um den Brunnen aufkaufen konnte und dort Grünwiesen stehen statt Maisflächen wie andernorts.

Erstaunlicherweise registriert die Kammelgruppe derzeit einen ziemlich konstanten Wasserverbrauch – aber die Tendenz werde eher rückläufig sein, vermutet Schmid, weil die Anzahl landwirtschaftlicher Betrieb abnimmt. Im versorgten Bereich gibt es keine Milchvieh-Großbetriebe, die aktuell bewirtschafteten haben etwa 70 bis 80 Kühe mit einem Bedarf zwischen 2000 bis 3000 Kubikmetern pro Jahr.

Ein Haufen alter Wasseruhren tauschte die Kammelgruppe bereits aus. Die Haushalte erhalte digitale und fernauslesbaren Nachfolgemodelle.

Als wichtigsten Zukunftsaspekt für eine sichere Wasserversorgung sieht Schmid die Notwendigkeit „des Einklangs mit der Landwirtschaft“. Eine Verknappung des wichtigsten Grundnahrungsmittels befürchtet er dagegen nicht, da die Grundwasserstände nicht spürbar absinken: „Wir sind hier in einem guten Bereich.“ Einen wesentlich höheren Investitionsaufwand für die Versorgung muss dagegen die benachbarte Marktgemeinde Burtenbach verkraften. Dort fallen nach bisheriger Hochrechnung 2018 an die 800.000 Euro an, unter anderem für eine anderthalb Kilometer lange Wasserleitung in der Hauptstraße. Erich Gross, Leiter des Burtenbacher Eigenbetriebes Elektrizitäts- und Wasserwerk, rechnet für 2019 mit einem deutlich steigenden Wasserpreis. Der lag neun Jahre bei 1,35 Euro netto, doch die Kosten haben sich in den vergangenen 20 Jahren nahezu verdoppelt, erklärt Gross.

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