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Offingen/Dillingen

24.12.2018

Weihnachten feiern im Auslandseinsatz - wie fühlt sich das an?

Tobias Grabichler hat diese Medaillen für Einsätze an Weihnachten erhalten.
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Tobias Grabichler hat diese Medaillen für Einsätze an Weihnachten erhalten.
Foto: Grabichler

Die Soldaten Björn Maurer und Tobias Grabichler von der Offinger Patenkompanie aus Dillingen erzählen, wie es dort zugeht - und wie die Familie damit lebt.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat vor wenigen Tagen die im afghanischen Masar-i-Scharif stationierten Bundeswehrsoldaten besucht. In dem Land sind fast 1150 deutsche Soldaten eingesetzt, insgesamt sind gut 3600 weltweit im Ausland im Einsatz. Dass Regierungsmitglieder oder gar der Bundespräsident zu Besuch kommen, gehört zum guten Ton, ist doch der Dienst fern der Heimat für die Männer und Frauen belastend – und das an den Weihnachtstagen ein gutes Stück mehr als sonst schon.

Auch Hauptmann Björn Maurer, Chef der 4. Kompanie des Dillinger Informationstechnikbataillons 292, und sein Kamerad Stabsfeldwebel Tobias Grabichler waren mehrfach im Ausland stationiert, auch über die Feiertage. Bei der 4. handelt es sich um die Patenkompanie des Marktes Offingen; in Gundelfingen waren kürzlich Rückkehrer des Bataillons aus Einsätzen offiziell begrüßt worden.

Relativ besinnliche Weihnachten im Kameradenkreis

Maurer war bislang drei Mal im Auslandseinsatz, 653 Tage waren es insgesamt. 2002 in Afghanistan und 2017 (für die Vereinten Nationen) im Südsudan verbrachte er auch Weihnachten dort. „Es war relativ besinnlich in Afghanistan im Kreise der Kameraden, auch wenn die Familie natürlich fehlt.“ Im Südsudan hingegen sei er ziemlich alleine gewesen, da die meisten Soldaten im Heimaturlaub gewesen seien. „Eine Dose Ravioli als Weihnachtsessen ist halt nicht so toll.“

In Afghanistan habe es eine kleine Geschenkerunde gegeben und ein gemeinsames Essen mit Lebensmitteln aus Deutschland – Weihnachtsente mit Knödeln und Rotkohl. Zudem saß man bei Tee und Wasser, mancher auch bei einem Bier, zusammen. Damals kochte die Bundeswehr noch selbst, inzwischen hat das auch im Ausland ein Dienstleister übernommen – und früher sei es durchaus besser, individueller gewesen, findet der 37-jährige Hauptmann.

Früher konnte man nur einmal in der Woche nach Hause telefonieren

Als er das erste Mal im Ausland stationiert war, ist er 19 Jahre alt gewesen. Und das in dem Jahr, als sein Vater gestorben war. Für seine Mutter sei es natürlich schwierig gewesen, mit seiner Schwester alleine Weihnachten zu feiern. Hinzu kam, dass kurz vor dem Fest bei einem Hubschrauberabsturz in Afghanistan sieben deutsche Soldaten ums Leben gekommen waren und die Kommunikation auch in die Heimat zunächst eingeschränkt wurde.

Ohnehin habe man damals früher nur einmal in der Woche nach Hause telefonieren können, da habe sich seither viel getan bei der Bundeswehr, Videotelefonie über das Internet inklusive. Derzeit steht für Maurer kein Auslandseinsatz an, aber Anfragen der Vereinten Nationen kämen immer recht spontan.

Vier Mal an Weihnachten fern von zu Hause

Der 40-jährige Tobias Grabichler ist bereits acht Mal im Ausland stationiert gewesen, im Kosovo und in Afghanistan, und vier Mal an Weihnachten sowie Neujahr aus diesem Grund fern von zu Hause gewesen. Der Stabsfeldwebel ist verheiratet und hat drei Kinder und er sagt, dass es natürlich belastend für die Familie sei, wenn man gerade über die Feiertage getrennt voneinander ist. Aber mit den Kameraden zu feiern lenke ab, so könne er es auch ein bisschen verdrängen. Zum Glück, sagt er, fangen Familie und Freunde Frau und Kinder dann auf, „sodass ihnen daheim nicht die Decke auf den Kopf fällt“.

Und seine Frau schiebt negative Gedanken mit der Konzentration auf die Arbeit weg, Angebote des Familienbetreuungszentrums nehme sie nicht wahr. Natürlich schwingt immer die Sorge mit, dass dem Familienvater im Auslandseinsatz etwas passieren kann. Auf Patrouillen außerhalb der Lager werde übrigens an diesen Tagen nach Möglichkeit verzichtet, die fremde Uniform soll nicht im Straßenbild präsent sein.

Ein Foto vom Geschenk, das zu Hause wartet

Für Weihnachten im Camp lässt sich die Bundeswehr etwas Besonderes einfallen, wie etwa einen Brunch oder einen kleinen Christkindelsmarkt, auch gibt es einen künstlichen Weihnachtsbaum und Gottesdienste. Mal mache man sich auch mit Backmischungen aus Deutschland Pfannkuchen. Und es gibt kleine Geschenke von zu Hause, und sei es, dass es ein Foto von den Hausschuhen ist, die dann als Präsent bei der Rückkehr warten, sagt Grabichler lachend.

Manche Soldaten bekommen über den Truppensender Radio Andernach auch Grüße. Umgekehrt versuche man, für die Lieben daheim etwas zu kaufen, etwa Süßigkeiten von befreundeten und ebenfalls stationierten Streitkräften. Auch für den Stabsfeldwebel ist erst einmal kein Auslandseinsatz geplant.

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