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Abwasser

09.11.2018

Welche Schwächen hat die Kläranlage?

Das Belebungsbecken der Kläranlage Bibertal liegt nicht nur idyllisch, sondern ist auch technisch in Ordnung. Optimierungsbedarf ergab eine Nachrechnung des Ingenieurbüros in den nachfolgenden Becken und Behältern.
Bild: Sandra kraus

Nachbessern muss die Gemeinde Bibertal vor allem beim Nachklärbecken und einer erhöhten Speicherkapazität. Welche Schwachstellen noch aufgedeckt wurden und was das bedeutet

Um für die Zukunft besser planen zu können, wollte die Gemeinde Bibertal wissen, wie es aktuell um ihre Kläranlage bestellt ist. Das Fachbüro Obermeyer aus Neu-Ulm hatte deshalb den Auftrag bekommen, eine sogenannte Nachrechnung durchzuführen. Franz Haiß stellte sie nun in der Gemeinderatssitzung vor.

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Die Kläranlage wurde in den Jahren 1990 und 1991 an der Biber zwischen Bühl und Echlishausen vorausschauend für 5000 Einwohnerwerte gebaut. Die Auswertung der Betriebstagebücher für mehrere Jahre ergab bei trockenem Wetter einen Mittelwert von 4773 Einwohnerwerten. „Das passt soweit“, urteilte Haiß. Das Jahr 2016 musste unberücksichtigt bleiben, da die unzulässige Einleitung von Zink die Kläranlage sehr belastet hatte. Auch die in Bälde steigenden Einwohnerzahlen durch das Baugebiet in Kissendorf und die geplanten Häuser in der Oberen Gasse und in der Ortsmitte in Bühl verkrafte die Kläranlage, es ergebe sich dann ein rechnerischer Einwohnerwert von 4928, also immer noch unter der Ausbaugröße von 5000.

Beim Blick auf die einzelnen Elemente der Kläranlage, deren wasserrechtliche Genehmigung Ende 2024 erlischt, ergeben sich aber dann doch Schwächen. Zulauf, Rechen, Sandwäscher, Sandfang sind in Ordnung, auch dem Belebungsbecken und der Belüftung attestiert Haiß ein „okay“. Von Überlastung spricht Haiß aber beim Nachklärbecken und meint damit nicht die Schmutzfracht, sondern die Wassermenge. Vereinfacht gesagt, müsste das Nachklärbecken tiefer sein. Außerdem sei der Schlammbehälter zu klein. Das Ingenieurbüro hält eine zusätzliche Speicherkapazität für Filtratwasser von rund 400 Kubikmetern für sinnvoll und empfiehlt eine größer dimensionierte Wassermengenmessung. Etwas mit dem Kanalnetz zu tun hat die vierte Schwachstelle, das Fremdwasser. „Das Fremdwasser ist mit 41 Prozent im Jahresmittel 2017 und gar 60 Prozent im ersten Quartal 2018 sehr, sehr hoch“, so Haiß. Ursachen des Fremdwassers seien ein undichtes Kanalnetz, unzulässige Anschlüsse und Zufluss von Quellwasser. Regen gehört nicht dazu.

Welche Schwächen hat die Kläranlage?

Wenn die wasserrechtliche Erlaubnis in rund fünf Jahren neu beantragt werden muss, würde Bibertal bei einem Fremdwasseranteil von über 50 Prozent mit verschärften Grenzwerten für den Ablauf aus der Kläranlage rechnen müssen und der Auflage, das Kanalnetz zu sanieren. Bürgermeister Oliver Preußner sagte: „Wir haben klaren Handlungsbedarf beim Kanal und müssen das Fremdwasser angehen. Auch bei der Kläranalage ist keine Diskussion darüber nötig, ob wir es anpacken, sondern wie wir es anpacken.“ Nur zu gern hätten die Gemeinderäte, vor allem die Fraktion der Freien Wähler, vom Fachmann Franz Haiß erfahren, wie teuer ein zweites Nachklärbecken käme, oder wie viel Geld nötig wäre, um in naher Zukunft einmal das Abwasser für 6000 Einwohnerwerte klären zu können. Doch diese Zahlen gab es ohne vernünftige Berechnung von Haiß nicht. Er erhielt deshalb den Auftrag, zwei Varianten auszuarbeiten. Einmal als moderater, optimierter Weg in die Zukunft mit 5000 Einwohnerwerten und dann noch für den wachstumsorientierten Fall mit 6000 Einwohnerwerten. Um Wasser zum Schwimmen ging es beim nächsten Tagesordnungspunkt.

Bürgermeister Oliver Preußner informierte die Räte, dass der Zweckverband Hallenbad Nord sich in seiner nächsten Sitzung für eine Generalsanierung des Gartenhallenbads entscheiden wird und dieses Ziel auch in seiner Satzung festschreiben wird. In der neuen Satzung soll dann auch stehen, dass Bibertal beschlossen hat, die Sanierung mit 150000 Euro, verteilt auf 30 Jahresraten in Höhe von jeweils 5000 Euro, zu unterstützen. Darüber hinaus bezahlt Bibertal 2019 knapp 20000 Euro über die Verbandsumlage an den Zweckverband. Dies entspricht dem bisherigen Anteil an der Kreisumlage.

In vollem Gange sind die Bauarbeiten am gemeindlichen Parkplatz in Kissendorf. „Ohne Büsche und Bäume ist das Areal noch viel größer geworden“, meinte Preußner. Der Adventsmarkt soll wie gewohnt auf dem Parkplatz stattfinden können. Auf Anfrage der Freien Wähler informierte Preußner die Räte, dass für die zurzeit wegen dem einsturzgefährdeten Dach gesperrte Mehrzweckhalle der Entwurf des Brandschutzgutachtens zur nächsten Bauausschusssitzung vorliege und dann beraten werden. „Abgeschlossen ist die Erschließung des Baugebiets Rotleite in Kissendorf, jetzt sind die Bauherren dran.“

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