Kötz

26.10.2016

Weltweit auf Achse

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Sie haben bei der Alko-Fahrzeugtechnik das Sagen: die drei Geschäftsführer (von links) Harald Hiller, als Präsident und CEO der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Erwin Gentner (Produktion, Logistik, Prozess-Management) und Gero Neumeier (Finanzen). Rechts ein Blick in die Chassis-Fertigung im Werk Ettenbeuren.
Bild: Alko

Nach der Verschmelzung mit Dexter Axle geht die Alko Fahrzeugtechnik auf entschieden auf Expansionskurs.

Wo die Post abgeht, da ist mittlerweile Alko dabei. Die neuen Elektro-Streetscooter des einstigen Staatsunternehmens rollen auf Achsen, die in Kötz entwickelt wurden. Das hat das Unternehmen nie an die große Glocke gehängt, obwohl die Firmenspitze stolz darauf ist: „Ein hochinteressanter Auftrag“, sagt Harald Hiller, Präsident und als CEO oberster Geschäftsführer der Alko Fahrzeugtechnik. Dabei geht es vor allem um sehr hohe Stückzahlen, denn die Post will ihre komplette Zustellflotte auf die kompakten Elektroflitzer umstellen, doch dabei bleibt es wohl nicht: Das Logistikunternehmen, das die Transporter in Eigenregie baut, möchte ab 2017 jährlich 10000 Scooter produzieren und auch an andere Unternehmen verkaufen. Mit diesem enormen Lieferauftrag – die in Kötz entwickelten Achsen und Achssysteme werden in Frankreich gefertigt – kommt Alko seinen selbstgesetzten ehrgeizigen Umsatzzielen ein gutes Stück näher.

Bekanntlich ist die Fahrzeugtechnik zu Beginn dieses Jahres mit dem US-Unternehmen Dexter Axle zu Dexko Global verschmolzen – was im Landkreis für so manche Spekulationen gesorgt hat. Doch die Wogen scheinen sich geglättet zu haben, wie Hiller versichert.

Durch die viel diskutierte Verschmelzung ist ein Unternehmen entstanden, das für sich in Anspruch nimmt, der weltweit größte Hersteller von Anhängerachsen und Chassis-Komponenten im leichten Fahrzeugsegment bis 3,5 Tonnen zu sein. Die Nummer eins im Unternehmen ist der Amerikaner Fred Bentley, der zusammen mit Harald Hiller und Adam Dexter, dem Gründer von Dexter Axle, die Unternehmensspitze bildet. Im Gespräch betont Hiller, dass die Schwaben mitnichten Juniorpartner seien, sondern vom Umsatz her den Amerikanern auf Augenhöhe begegnen, auch wenn letztlich die das letzte Wort haben. Größter Anteilseigner noch vor dem Alko-Vorstandsvorsitzenden Stefan Kober ist das Investment-Unternehmen The Sterling Group in Houston Texas. Ihren Firmensitz unterhält Dexko Global in Detroit. Unter dem Dach dieser Holding entwickelt die Alko Fahrzeugtechnik ihre eigenen Produkte weiter und steuert laut Hiller künftig einen ausgesprochen expansiven Kurs. Bisher erzielt Dexko Global einen weltweiten Umsatz von rund 1,1 Milliarden Dollar pro Jahr. Doch bis 2020 soll es fast doppelt so viel sein, nämlich zwei Milliarden. Das wird allein durch bessere Geschäfte nicht zu erreichen sein, das räumt Hiller ein. Durch gezielte Zukäufe soll das Unternehmen deutlich wachsen: „Das geht nur mit Erwerbungen, darauf liegt ein ganz klarer Focus.“ Deshalb wurde in der Kötzer Zentrale eigens eine Abteilung geschaffen, die sich nur mit diesem Thema beschäftigt. Der Geldgeber für die Expansionsstrategie sitzt in Texas: die Sterling Group. Zuletzt hatte Alko das Unternehmen Winterhoff aus Nordrhein-Westfalen erworben, ebenfalls ein führender Hersteller von Trailer-Komponenten, wenn auch mit rund 20 Millionen Umsatz ein verhältnismäßig kleiner.

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Durch den Zusammenschluss mit Dexter Axle – in den Augen von Hiller ein „genialer Schritt“ – erhofft sich Alko noch besserer Chancen auf dem globalen Markt. Südamerika, wo das Unternehmen bisher nicht so stark vertreten war, soll nun verstärkt ins Visier genommen werden. Auch Australien lockt. Dort könnten die Geschäfte verdoppelt werden. „Der Markt ist zwar nicht sehr groß, aber extrem lukrativ“, meint Hiller.

Auch für die Beschäftigten hat sich manches geändert

Mit dem neuen Partner haben sich nicht nur die Schwerpunkte der Firmenpolitik verschoben, es hat sich auch für die Beschäftigten manches geändert. Die Anforderungen an die Effizienz seien sicherlich höher geworden, sagt der Geschäftsführer. Auch die stärkere internationale Ausrichtung verlange manchem mehr ab. So würden nun rund 70 Prozent der internen Besprechungen auf Englisch gehalten, sagt Hiller, dessen Wortschatz tatsächlich eine deutlich angelsächsische Färbung angenommen hat. Vor allem die Mitarbeiter im Einkauf mussten ihre Fremdsprachenkenntnisse auffrischen. Dort seien die Veränderungen wohl am stärksten zu spüren. Dafür bietet das Unternehmen Englischkurse an. Dennoch habe manch einer die Umstellung nicht mitvollziehen wollen und sei gegangen. Rund 850 Beschäftigte stehen bei der Alko Fahrzeugtechnik im Landkreis in Lohn und Brot. Weltweit sind es rund 2500.

Was den Standort Kötz anbelangt, so versichert Hiller, der dort seit 20 Jahren lebt: „Wir wollen hierbleiben, wir wollen hier weitermachen.“ Und er verspricht noch eines: Im Moment sei kein größerer Personalabbau geplant.

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