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16.12.2009

Wenn Randsteine zu Edelsteinen werden

Anton Gossner, Goldschmiedemeister, macht aus abgeschliffenen Granitbrocken von Gehwegen wertvollen Schmuck. Marke "Günzburger Bordstein". Es ist die respektvolle Chronologie eines edlen Steins. Von Thomas Hilgendorf

Günzburg Anton Gossner ist lange auf seiner Idee spazieren gegangen, ohne es zu merken. Bauarbeiter haben ihn dann drauf gebracht: Sie schliffen jüngst die Granit-Bordsteinkanten am Bürgermeister-Seitz-Platz behindertengerecht - Absenkung nennen Fachleute aus der Baubranche das. Goldschmiedemeister Gossner konnte es jedenfalls nicht fassen, dass die abgeschliffenen Granitbrocken auf den Müll sollten. Seitdem macht er wertvollen Schmuck daraus, Marke "Günzburger Bordstein". Es ist die respektvolle Chronologie eines edlen Steins. "Ich bin Heim gelaufen und war von der aufwendigen Arbeit an den Bordsteinen einfach fasziniert", erzählt Anton Gossner über die Geburtsstunde seiner Idee, aus vermeintlichem Straßen-Abfall Schmuck zu machen. Es war eben dieser Zufall, der nachhaltigen Eindruck auf Gossner machte.

Ausschließlich Vorteile habe das Produkt, betont der Goldschmied in seinem kleinen Schmuckatelier in der Günzburger Hofgasse. Eine klassische Win-win-Situation: Jede Seite gewinnt. Menschen mit Behinderungen könnten nun barrierefreier leben, die Stadt ist Teile ihres "Abfalls" los und Gossner hat ein neues Produkt. Eines mit klarem Lokal-, beziehungsweise Regionalkolorit. Ein Sachverständiger habe ihm bestätigt, dass der Granit aus dem Bayerischen Wald stammt, sagt Gossner, "man sieht das an der speziellen Farbzusammensetzung". Kein Billigimport von weit weg, ein waschechter Bayer ist der kostbare alte Stein.

Die Stadt hat andere Beweggründe, die schwarz-weißen Steine zu schleifen. 7500 Euro pro Jahr - 40 Euro für den Meter - wende die Stadt Günzburg auf, um die Gehwege erträglicher für körperlich beeinträchtigte Menschen zu gestalten, erläutert Friederike Kurtenbach, Sprecherin der Stadt. Eine Spezialfirma mit Diamantschleifern müsse dafür anrücken, sagt Franz Schorer vom Tiefbauamt in Günzburg: "Das ist letztlich kostengünstiger, es spart uns aufwendige Asphaltierungen."

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Neben den Bordsteinen am Joseph-Seitz-Platz sind heuer auch diejenigen an der Bürgermeister-Sommer-Straße und der Rebaystraße abgesenkt worden. Gemeinsam mit Behindertenverbänden und Rollstuhlfahrern erörtern Experten der Stadt zweimal jährlich den Bedarf an behindertengerechten Arbeiten.

Die Kanten an der Geschichte? Keine, könnte man meinen. Es scheint eben wirklich, als sei die Arbeit am Günzburger Granit ein bleibender Wert für alle Beteiligten.

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