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Landkreis

23.06.2017

Wenn aggressive Schüler zum Problem werden

Schulen haben Probleme mit aggressiven Schülern.
Bild: Oliver Berg/dpa

Im Dominikus-Ringeisenwerk in Ursberg wird eine Stütz- und Förderklasse für Erstklässer eingerichtet .

Man möchte es kaum glauben. Aber: „Das ist unser tägliches Geschäft“, versichert Schulamtsleiter Josef Seibold. Im Jugendhilfeausschuss war von Kindern die Rede, die so verhaltensgestört sind, dass sie in einer Regelschule nicht unterrichtet werden können. Und ihre Zahl steigt dramatisch, wie Ulrike Egger, die Schulleiterin des Sozialpädagogischen Förderzentrums Ursberg, im Ausschuss berichtete. „Es ist nicht mehr Fünf vor Zwölf, es ist ganz kurz vor Zwölf“. Deshalb empfahl der Jugendhilfeausschuss dem Kreistag einstimmig, in Ursberg vorab eine erste Stütz- und Förderklasse für derart schwierige Kinder im Grundschulalter einzurichten.

Nicht zuletzt, um Betreuungslücken im südlichen Landkreis zu schließen. In deutlichen, man könne auch sagen drastischen Worten schilderte Ulrike Egger die Situation an vielen Schulen im Landkreis. So berichtete sie von einem Buben, dem es binnen Kurzem gelungen war, die Einrichtung eines Zimmers zu zerlegen. Wohlgemerkt: Erste Klasse Grundschule. Immer häufiger kämen Kinder an den Grundschulen an, die frei von jeglicher Kompetenz seien, erklärte Ulrike Egger weiter. Die Lernfähigkeit sei ebenso wenig vorhanden wie soziale oder emotionale Kompetenzen. Die Kinder seien aggressiv, unkonzentriert oder nicht in der Lage, auch nur kurze Zeit still zu sitzen. Die Ursberger Schulleiterin: „Viele sind im Grunde gar nicht beschulbar“. Doch wohin mit diesen „besonderen Kindern“, wie die Pädagogin es formulierte.

Kinder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen

Eigens eingerichtete, schwabenweit zentrale Schulen wie das Josefinum in Augsburg oder eine Schule in Kempten sind restlos ausgebucht. „Eigentlich bräuchte jeder Landkreis eine Erziehungsschule für solche Kinder“, erklärte Ulrike Egger. Auch deren Eltern müssten in größerem Umfang Hilfen und Beratung angeboten werden. Denn viele der verhaltensauffälligen Kinder kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Fast 20 Prozent müssen mit Sozialleistungen auskommen, knapp die Hälfte lebt in Trennungs- oder Scheidungsfamilien, rund 38 Prozent der Kinder werden nur von einem Elternteil betreut. Alles andere als ein optimaler Start ins Schul- und spätere Berufsleben. Als Träger des Sozialpädagogischen Förderzentrums hat das Dominikus-Ringeisen-Werk Ursberg deshalb beantragt, mit Beginn des Schuljahr 2018 eine erste Stütz- und Förderklasse für Erstklässler einrichten zu dürfen. Bliebe es bei nur einer Klasse ab dem Schuljahr 2018 mit neun bis zehn Kindern, würde das den Landkreis rund

30000 Euro jährlich kosten. Doch der Bedarf ist größer. Drei Klassen mit insgesamt etwa 26 Kindern könnten es im Endausbau werden –verbunden mit gut 200000 Euro, die der Landkreis jährlich aufzubringen hätte. Eine beachtliche Summe. „Aber andere Formen der Schulbegleitung kosten auch viel Geld“, betonte Ulrike Egger. „Und Stütz- und Förderklassen erzielen nachweislich Erfolge.“ Schulamtsleiter Josef Seibold dankte der Ursberger Schulleiterin für ihre „klaren Worte“. Bereits vor sechs Jahren habe sich das Schulamt für mehr Stütz- und Förderklassen ausgesprochen. Seinerzeit habe es in den Kreisgremien geheißen, das sei „nicht Inklusion, sondern Exklusion“, also die Ausgrenzung schwieriger Kinder.

Der Erkenntnisprozess scheint inzwischen vorangeschritten. Einstimmig empfahlen die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses dem Kreistag, die Mittel für Stütz- und Förderklassen in Ursberg zu bewilligen. Denn Ziel, so Landrat Hubert Hafner, sei es, möglichst jedem Kind einen bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.

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