Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wenn das Geld für den Kindergeburtstag fehlt

Landkreis Günzburg

08.01.2019

Wenn das Geld für den Kindergeburtstag fehlt

Im vergangenen Jahr half die Kartei der Not beispielsweise einer alleinerziehenden Mutter. sonst hätte sie nicht einmal die Geburttagsfeiern für ihre Kinder vorbereiten können. Über 55000 Euro gab das Hilfswerk unserer Zeitung 2018 an Menschen aus dem nördlichen Landkreis Günzburg.
2 Bilder
Im vergangenen Jahr half die Kartei der Not beispielsweise einer alleinerziehenden Mutter. sonst hätte sie nicht einmal die Geburttagsfeiern für ihre Kinder vorbereiten können. Über 55000 Euro gab das Hilfswerk unserer Zeitung 2018 an Menschen aus dem nördlichen Landkreis Günzburg.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Die Kartei der Not zieht Bilanz: Was die Stiftung im vergangenen Jahr alles im Verbreitungsgebiet der Günzburger Zeitung bewegen konnte.

Die allermeisten Notlagen entstehen aus Krankheit, Behinderung, Unfall, Tod eines nahen Angehörigen oder Trennung. Dazu kommt aktuell die massive Steigerung bei den Mieten. Gerade bei Alleinerziehenden und alten Menschen führen oft mehrere Faktoren dazu, dass ihr Leben aus den Fugen gerät. Im Verbreitungsgebiet der Günzburger Zeitung konnten im vergangenen Jahr 58 Hilfeanfragen unterstützt werden. Insgesamt half die Kartei der Not mit mehr als 55500 Euro im Redaktionsgebiet. Dabei erhielt das Leserhilfswerk unserer Zeitung über 450 einzelne Spenden, wobei der größte Spender der Lions Club Günzburg war, gefolgt von der Alko Fahrzeugtechnik. Damit konnte die Kartei der Not folgendermaßen tätig werden:

Hilfeanfragen kamen in 25 Fällen von Familien mit insgesamt 38 betroffenen Kindern. In 44 Fällen war eine chronische Krankheit und/oder eine Behinderung zu bewältigen. Damit sind Familien mit einem behinderten Mitglied die häufigste unterstützte Zielgruppe.

Unterstützung für von Behinderung betroffene Familien

In 16 Fällen ging eine Beihilfe an von Behinderung betroffene Familien, um den Kindern einen kleinen Ausflug, einen Zoo- oder Kinobesuch, eine Geburtstagsfeier oder die Teilnahme an einer Klassenfahrt oder Erholungsmaßnahme zu ermöglichen.

Der Unterstützungsbedarf drehte sich auch oft um das Wohnen. So half die Kartei der Not sieben Mal bei den Energie- und Nebenkosten sowie Mietzahlungen, um zu verhindern, dass Menschen ihre Wohnung verlieren oder ohne Strom und Heizung sind. In 18 Fällen war auch die Hilfe beim Umzug in eine günstigere Wohnung nötig oder Einrichtung wie eine Kochmöglichkeit, ein Kühlschrank, Herd oder ein Bett mit Matratze. Einmal unterstützte das Leserhilfswerk den Kauf einer behindertengerechten Küche. In elf Fällen wurde ein Zuschuss zum Lebensunterhalt gezahlt, also für Lebensmittel, Kleidung, Schuhe. Oder aber es wurden Gesundheitskosten übernommen.

Kartei der Not hilft seit 1965

Besonders zu erwähnen ist die Förderung des Neubaus der Werkstatt für psychisch kranke Menschen der psychosozialen Hilfsgemeinschaft in Günzburg, bei dem die Kartei der Not die Ausstattung von zehn neuen Arbeitsplätzen unterstützt hat. Das Ziel ist, „Menschen mit psychischer Erkrankung wieder eine Beschäftigung, Tagesstruktur und Sinn im Leben zu geben“, so das Kuratorium derKartei der Not.

Seit 1965 hilft die Kartei der Not unverschuldet in Not geratenen Menschen in der Region. Durch die Zusammenarbeit mit sozialen Beratungsstellen vor Ort ist gewährleistet, dass die Unterstützung der Kartei der Not auch tatsächlich bei den Bedürftigen ankommt und für den benötigten Zweck verwendet wird. Dabei kommt jede Spende komplett bei den Betroffenen an, weil alle Verwaltungskosten von der Mediengruppe Pressedruck getragen werden.

Viele alleinstehende ältere Personen sind häufig auf die Hilfe der Kartei der Not angewiesen, da es kein familiäres Hilfesystem gibt. Die kleine Rente reicht gerade fürs Nötigste. Geschieht dann etwas Unvorhergesehenes oder geht ein Elektrogerät kaputt, ist das eine ausweglose Situation. Rücklagen für Neuanschaffungen sind nicht vorhanden.

80-jährige Rentnerin muss mit minimaler Rente auskommen

So ergeht es auch der alleinstehenden schwer kranken über 80-jährigen Rentnerin, die mit einer minimalen Rente auskommen muss. Die Frau lebt sehr sparsam und bescheiden und kann alle monatlichen Ausgaben gerade so bezahlen. Die in die Jahre gekommene Waschmaschine ging kaputt, und eine Reparatur lohnte sich nicht mehr. Mithilfe der Beratungsstelle und der Kartei der Not konnte eine neue günstige Waschmaschine gekauft und so der Alltag der Rentnerin erheblich erleichtert werden.

Im Rahmen des Schattenkinderprojektes konnte die Kartei der Not im vergangenen Jahr auch einer alleinerziehenden Mutter helfen. Der Alltag ist für sie und für die Kinder im Alter von 14, zwölf, elf und zehn Jahren nicht immer einfach und mit Sorgen behaftet.

Die Mutter hat keine finanziellen Mittel für die Geburtstagsfeiern der Kinder. Für die meisten Kinder unvorstellbar – ist doch die Geburtstagsfeier das Selbstverständlichste der Welt. Um den vier Kindern unbeschwerte Stunden ohne Sorgen zu ermöglichen, unterstützte die Stiftung Kartei der Not die Familie nun bei der Geburtstagsfeier. Die Kinder hatten einen schönen Nachmittag. Zuerst durften sie ins Kino, und anschließend kochten sie mit ihren Freunden ein leckeres Geburtstagsmenü, das im Anschluss miteinander bei viel Spaß probiert wurde.

Mutter leidet an Brustkrebs, der Sohn ist schwerbehindert

Schwere Schicksalsschläge muss auch die Familie mit zwei Kindern im Alter von elf und zwölf Jahren verarbeiten. Die Mutter leidet an Brustkrebs, der vor einigen Monaten wieder ausgebrochen ist. Eine geplante Strahlentherapie konnte noch nicht erfolgen, da es der Gesundheitszustand derzeit nicht zulässt. Der elfjährige Sohn ist an Muskelatrophie erkrankt und zu 100 Prozent schwerbehindert. Die Folgen dieser Erkrankung sind Muskelschwund, Lähmungen und eine verminderte Muskelspannung. Der Bub ist auf den Elektro-Rollstuhl angewiesen und kann sich ohne Hilfsmittel nur krabbelnd fortbewegen. Der Vater ist inzwischen krankgeschrieben, damit er seine Frau und die Kinder versorgen kann.

Kartei der Not schießt Geld für Autoreparatur zu

Die finanzielle Situation ist sehr angespannt und es bleibt nach Abzug der monatlichen Fixkosten nur wenig Geld zum Leben. Nun muss das Auto der Familie, das sie dringend für Arzt- und Therapiefahrten für Mutter und Sohn benötigt, repariert und gewartet werden. Die Familie kann sich die Kosten jedoch nicht leisten. Die Kartei der Not hilft und unterstützt die Familie bei der Autoreparatur.

Diese konkreten Fälle spielen zwar nicht im Landkreis Günzburg, aber in der weiteren Umgebung. „Es gibt auch in unserer Region so viele Einzelschicksale und Unglücke, die bewegen und bei denen man einfach helfen muss. Wir freuen uns in der Kartei der Not deshalb sehr über jede Spende, weil unser Leserhilfswerk nur dank dieser Spenden wirklich die Not lindern kann“, sagt der Geschäftsführer des Leserhilfswerks, Arnd Hansen. Und er schließt mit einem „Dank an all unsere Leser für ihre großartige Unterstützung“. (zg)

Lesen Sie hier den Kommentar von Peter Bauer zu diesem Thema.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren