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Günzburg

26.03.2019

Wenn das Kind nicht mehr richtig atmet

Wie verhalten sich Eltern bei einem Kindernotfall richtig? Oft spielt die Sorge mit, etwas falsch zu machen. Die Kinderärztin Dr. Susanne Nusser und Kinderarzt Dr. Stephan Schwarz (links im Bild) wollen in ihrem Seminar Sicherheit geben und richtiges Handeln im Notfall vermitteln. Am Samstag wurde anhand einer Puppe auch das Reanimieren eines Kleinkindes in der Praxis demonstriert.
Bild: Peter Wieser

Ein Seminar klärt über richtiges Verhalten bei Kindernotfällen auf. Es soll aber auch Sicherheit vermitteln.

„Wir bekommen tagtäglich mit, warum Eltern in die Notaufnahme oder zum Kinderarzt kommen“, sagt Susanne Nusser. Oft seien es ganz banale Dinge. Manchmal seien es auch Notfallsituationen, bei denen sich die Frage stelle, warum nicht schon früher ein Arzt aufgesucht worden sei. „Wir wollen Sicherheit geben und das richtige Handeln im Notfall vermitteln“, sagt Stephan Schwarz. In der Regel machten die Eltern alles oder vieles richtig, aber sie hätten Angst, ob es auch tatsächlich richtig ist. Dr. Susanne Nusser stammt aus Denzingen, Dr. Stephan Schwarz ist in Edelstetten aufgewachsen. Beide sind Kinderärzte und haben ein Seminar konzipiert, in dem sie die Grundlagen der Sofortmaßnahmen bei Kindernotfällen nahebringen.

Regelmäßig seien sie auf Notfalltrainings angesprochen oder gefragt worden, was es denn für Kurse gebe, in denen man über das richtige Verhalten in den jeweiligen Situationen aufgeklärt wird. Warum hat das Kind Fieber, warum atmet es unregelmäßig?

Der Kurs richtet sich an werdende oder frischgebackene Eltern

Entstanden ist die Idee zu dem Projekt „Eskino“ – Elternseminar Kindernotfälle – im Sommer vergangenen Jahres. Der Kurs ist primär für werdende oder frischgebackene Eltern angelegt, aber auch für Personen und Familienangehörige, die Säuglinge oder Kleinkinder betreuen – auch für geschlossene Gruppen, wie beispielsweise in Kindergärten. Der erste fand im Februar statt. Die beiden weiteren Kurse Mitte April und Mitte Mai in Niederstotzingen und Günzburg sind bereits ausgebucht.

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Bei dem dreistündigen Seminar am vergangenen Samstagvormittag in Günzburg sind die 18 Teilnehmer fast ausschließlich (künftige) Eltern. Es sei wichtig zu wissen, was in einer Notfallsituation zu tun ist, sagt beispielsweise ein Paar aus Nersingen. Der Kurs sei bewusst etwas anders gestaltet als ähnliche Kindernotfallkurse und gehe vorrangig auf Probleme des Alltags ein.

Kindern niemals Aspirin zum Fiebersenken geben

Dinge, die für Eltern wesentlich seien, und mit denen man in der Notaufnahme oder in der Praxis regelmäßig konfrontiert sei, erklärt Susanne Nusser zu Beginn. Häufigster Grund, wenn eine solche aufgesucht werde, sei Fieber. Man müsse erkennen, wann Fieber harmlos sei oder wann, gerade bei Säuglingen, unverzüglich ein Arzt hinzugezogen werden müsse. Kindern dürfe niemals Aspirin zur Fiebersenkung gegeben werden. Häufige Notfälle seien Fieberkrämpfe, für die Eltern immer beängstigend und eine Stresssituation.

Beim ersten Fieberkrampf den Notarzt zu rufen, sei keine Schande. Das wichtigste sei, Ruhe zu bewahren und niemals das Kind zu schütteln. Susanne Nusser und Stephan Schwarz gehen weiter auf das richtige Handeln der Eltern bei Durchfall und Erbrechen, Pseudokrupp, Zahnunfällen bis hin zu der Wirkung von Adrenalin bei allergischen Reaktionen ein. Vieles wird in Bildern und Videos veranschaulicht.

Bei Verbrennungen nicht den ganzen Körper kühlen

Bei Verbrühungen oder Verbrennungen, die kleiner als zwei Handflächen sind, gilt: nur die betreffende Stelle mit handwarmem, fließendem Wasser kühlen und nicht den ganzen Körper. Susanne Nusser rät davon ab, angebliche Hausmittel wie Mehl, Salz, Honig oder Quark auf die Wunde zu geben. Bei Verbrennungen zweiten Grades mit Schmerzen, Blasen und nässender Haut muss der Kinderarzt oder eine Kinderklinik aufgesucht, bei großflächigen Verbrennungen der Notarzt gerufen werden.

Besonders wichtig sei die Prävention. „Keine Medikamente oder Reinigungsmittel herumstehen lassen“, betont Susanne Nusser. Gegessene Zigarettenstummel kämen häufiger vor als man denke und ganz besonders schwerwiegende Folgen könne ein Sturz vom Wickeltisch mit sich bringen.

Ruhe bewahren und überlegt handeln

Was tun, wenn ein Kleinkind etwas verschluckt hat? Stephan Schwarz erklärt, wie beim Steckenbleiben von Knopfbatterien in der Speiseröhre durch den Kontakt mit den Schleimhäuten ein Stromfluss entstehen kann und sich die Batterien entladen können. Dies könne zu schwerwiegenden Verätzungen führen. Dann, das gilt vor allem auch, wenn es sich um spitzige Gegenstände oder zwei oder mehrere Magnete handelt, müsse unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Hat das Kind einen Fremdkörper eingeatmet, gilt ebenfalls: Ruhe bewahren und überlegt handeln. Der Rettungsdienst ist auf solche Situationen vorbereitet und schneller vor Ort, als man mit dem eigenen Auto in der Notaufnahme wäre. Zeigt das Kind keine Reaktion mehr und ist keine normale Atmung mehr erkennbar, gilt: Beatmung und Beginn der Reanimation. Wie diese in der Praxis abläuft, wird anschließend an einer Puppe demonstriert.

Wann die nächsten Termine in Günzburg sind

Am Ende des Seminars gehen Susanne Nusser und Stephan Schwarz auch noch darauf ein, was sich in der Haus- oder in der Reiseapotheke befinden sollte und geben Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Reisen mit Kindern. Für manchen war an diesem Vormittag das eine oder andere Neuland, gleichzeitig aber auch eine Art Auffrischung eines bereits absolvierten Erste-Hilfe-Kurses, in diesem Fall eben speziell auf Säuglinge und Kleinkinder zugeschnitten. Alles Wichtige sei dabei angesprochen worden, man sei in vielem bestätigt und beruhigt worden, meinte beispielsweise ein Teilnehmerin aus Burgau und fügte hinzu: „Es wurden Berührungsängste genommen.“

Termine: Die nächsten Seminare in Günzburg, bei denen es noch freie Plätze gibt, finden am Freitag, 31. Mai, und am Samstag, 1. Juni, statt. Weitere Informationen zu dem Kurs gibt es im Internet unter www.eskino.info.

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