1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wenn das Wohl des Kindes in Gefahr ist

Wenn das Wohl des Kindes in Gefahr ist

Till_Hofmann_BWZ7974.jpg
Kommentar Von Till Hofmann
01.06.2019

Im Landkreis Günzburg werden immer mehr Fälle von Kindeswohlgefährdungen gemeldet. Die Gründe sind vielfältig - aber auch die Möglichkeiten zur Hilfe.

Es ist ein alarmierende Entwicklung: Die Zahl der Kindeswohlgefährdungen nimmt im Landkreis Günzburg zu. 223 wurden dem Kreisjugendamt 2017 gemeldet. Ein Jahr später waren es 259. Wohlgemerkt: Das sind nur gemeldete Verdachtsfälle. Wie hoch die Dunkelziffer ist, weiß niemand.

Dass ein Kind in Gefahr ist, wenn es von Eltern regelmäßig geschlagen wird, liegt auf der Hand. Aber die Gefährdung beginnt früher und hat nicht zwingend etwas mit körperlicher Gewalt zu tun. Auch wenn ein Kleinkind emotional vernachlässigt wird, gefangen im Laufstall ist, nur bei der Nahrungsaufnahme und beim Wickeln körperliche Nähe spürt und Ansprache erfährt, schadet dies seiner Entwicklung. Das ist jedenfalls Stand der Wissenschaft. Was in den ersten Monaten versäumt wurde, kann später nur mit großer Mühe korrigiert werden – wenn überhaupt.

Gewalt und sexuellen Missbrauch gibt es auch im Landkreis Günzburg

Sexueller Missbrauch und Gewalterfahrungen von Kindern machen um den Landkreis Günzburg keinen Bogen. Dass ein Kind an die Wand geworfen wird oder an ihm brennende Zigaretten ausgedrückt werden, ist nicht der Einfall eines Drehbuchautors für einen schlechten Film. Mit diesen Realitäten beschäftigen sich die Mitarbeiter des Jugendamtes.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Gründe für eine solche Eskalation gibt es viele: Eltern, die mit der Erziehung in einer komplexen Welt überfordert sind; Eltern, die Schwierigkeiten haben, für sich selbst zu sorgen; Eltern, die als Kinder Opfer wurden und nun das weitergeben, was sie erlebt haben, weil sie es nicht anders kennen.

Eine gewaltfreie Erziehung ist gesetzlich festgeschrieben. Doch manche Eltern haben das nicht verinnerlicht und gehen mit dem Gewaltbegriff ziemlich großzügig um. Dass eine Backpfeife noch niemandem geschadet hat, stimmt nicht, sagt Jugendamtsleiterin Antonia Wieland. „Es hat mit der Erniedrigung des Kindes zu tun, geht mit Machtgefälle einher.“

Fehlentscheidung des Jugendamts kann katastrophale Folgen haben

Erst bei akuten Kindeswohlgefährdungen kann das Jugendamt mit der „ultima ratio“ reagieren, indem es das Kind aus der Familie holt. Das ist oft mit einer schwer zu treffenden Einschätzung verbunden. Eine Fehlentscheidung hat im Katastrophenfall tödliche Folgen. Gleichzeitig hat die Behörde den Auftrag, mit den Eltern zu arbeiten, um deren Erziehungskompetenz zu erhöhen. Das freilich kann nur gelingen, wenn Einsicht vorhanden ist und der feste und ehrliche Wille, die Situation zu ändern.

Im Landkreis gibt es ein ausdifferenziertes Hilfesystem. Eltern, die Probleme haben, sollten um ihres Kindes willen den Mut aufbringen, diese Chance zu ergreifen. Erste Ansprechpartner können die sechs Familienstützpunkte sein, die über das Kreisgebiet verteilt sind. Das sind niederschwellige Angebote ohne bürokratische Hürden. Es gilt außerdem, aufmerksam zu sein. Auch hier versucht das Jugendamt, Wissen zu vermitteln. So werden etwa auf Wunsch Belegschaften von Kita-Einrichtungen geschult, an welchen Kriterien mögliche Gefährdungen von Kindern abzulesen sind. Persönliche Beobachtungen sind so objektivierbarer. Fehleranfällig bleiben sie – und der Ruch des Denunziantentums ist in solchen Fällen nicht fern. Dennoch: Lieber zweimal zu viel hingeschaut als einmal zu wenig.

Lesen Sie dazu den Artikel: Wenn Kinder mit Gewalt in der Familie konfrontiert werden

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Sparkasse_GZ_17Jan19_43A.tif
Landkreis Günzburg

Kreissparkasse wartet auf BGH-Urteil zu Gebühren

ad__pluspaket@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live, aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Plus+ Paket ansehen