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Gundremmingen

27.07.2020

Wenn ein uralter Brunnen in Gundremmingen zum Leben erwacht

Pfarrer Richard Harlacher hat den Brunnen in Gundremmingen wieder zum Leben erweckt. Kürzlich wurde er gesegnet.

Plus Pfarrer Richard Harlacher beendet in Gundremmingen einen etwa 50 Jahre langen Dornröschenschlaf. Seinen Segen hat der Brunnen jetzt auch. Aber wie alt ist er überhaupt?

Gesegnet wurde ja schon vieles und wenn ein Brunnen den christlichen Segen erhält, dann ist das nicht unbedingt etwas Besonderes. Bei dem vor dem Gundremminger Pfarrhof schon. Dieser schlummerte die vergangenen 50 Jahre vor sich hin. Ohne Funktion, er war eben da. Gundremmingens Pfarrer in Ruhestand Richard Harlacher hat ihn jetzt wieder zum Leben erweckt – mit einer ganzen Reihe an freiwilligen Helfern.

Zwar nicht als Brunnenbauer, dafür aber als Baumeister hatte sich Harlacher vor langer Zeit einen Namen gemacht: In Schnuttenbach entstand die Kapelle, in Gundremmingen selbst wurde die Kirche St. Martin mehrmals innen und außen renoviert, zuvor waren das Jugendheim und der Pfarrhof neu gebaut worden. Das seien Pflichten gewesen, das mit dem Brunnen sei eben eine Kür, nachdem dieser ihm sozusagen 50 Jahre lang zu Füßen gelegen habe, sagt der Pfarrer. Nach dem Abbruch des alten und dem Bau des neuen Pfarrhofes im Jahr 1970 hatte sich bei Erdarbeiten hinter einer Planierraupe ein mit Brettern bedecktes Loch aufgetan – der besagte Brunnen, der anfangs notdürftig gesichert wurde und anschließend fast ein halbes Jahrhundert nur dastand.

Helfer steigen in den Gundremminger Brunnen hinab

„Isch jetzt da au no a Wasser drin?“ Vermutlich war es die Frage von Walter Storr, einem der späteren Helfer, gewesen, die im vergangenen Sommer den Anstoß zu der Gundremminger Brunnenaktion gegeben hatte. „Was ist jetzt da wirklich drin?“ Der Pfarrer wollte es wissen und schnell war klar: „Da muss man halt nachschauen.“ Also: die Abdeckung entfernen, zwei Leitern zusammenbinden und dann hinunter in den Brunnen.

Der Brunnen ist knapp zwölf Meter tief, bei etwa acht Metern hat sich das Wasser angesammelt. Zu sehen ist auch der Baumstamm mit dem Rohr, der bei den Arbeiten zutage kam.

Nicht der Pfarrer selbst, zehn, zwölf Helfer hatten sich inzwischen zusammengefunden. Ein nicht ganz ungefährliches Unterfangen sei das schon gewesen, möglicherweise hätte dort noch Munition vom Zweiten Weltkrieg liegen können oder irgendetwas, was die Leute damals sonst noch entsorgt hätten, erzählt Harlacher. Stattdessen sei man in siebeneinhalb Metern Tiefe auf Dreck, Steine, Schlamm und Äste gestoßen. Mit einer Schippe, einer Art Flaschenzug, zwei Bulldogs zum Absichern und einem weiteren zum Abtransport habe man dann kübelweise gut drei Kubikmeter aus dem Brunnen geholt. „Die Leute haben nur so geschaut, was wir da treiben“, sagen die Helfer.

Der Brunnen in Gundremmingen ist etwa 500 Jahre alt

Es kam noch besser: Die Brunnenbauer stießen auf ein mit Holzbalken ausgelegtes Quadrat sowie auf einen sechseinhalb Meter langen ausgehöhlten Baumstamm, der mit einem Rohr versehen war. Wohl war dieser Teil einer Technologie, um das Wasser nach oben zu befördern. Damit tauchte gleichzeitig die Frage nach dem Alter des Brunnens auf. Anhand eines der Balken hatte die Gemeinde Gundremmingen bei einem Institut in Hessen das Alter untersuchen lassen – ein Geschenk an den Pfarrer zu seinem 85. Geburtstag im Januar. Vor wenigen Wochen lag dann das Resultat vor. Mit Neugierde habe er darauf gewartet und es habe lange gedauert, verrät Pfarrer Harlacher. „Aber für das Institut hat es sicherlich Wichtigeres gegeben, als das Holz eines schwäbischen Pfarrers zu untersuchen“, fügt er schmunzelnd hinzu. Das Holz und damit auch der Brunnen stammen aus der Zeit zwischen 1480 und 1520.

Untersucht wurde auch der Stamm mit dem Rohr, der etwa 200 Jahre alt ist. Auch über die Qualität des Wassers, das sich in einer Tiefe von knapp zwölf Metern etwa viereinhalb Meter hoch angesammelt hat, gibt es ein Gutachten: ein gutes und gesundes Wasser mit niedrigem Nitratwert, aber relativ hohem Härtegrad. Inzwischen verfügt der Brunnen sogar über eine Innenbeleuchtung, die Ziegel wurden frisch verfugt, um ihn herum ist jetzt gepflastert und wer möchte, ist jederzeit willkommen, ihn zu besichtigen. Kürzlich hat Pfarrer Harlacher den Brunnen gesegnet, jedoch nicht mit Weihwasser. Die Qualität des Brunnenwassers sei mindestens genauso gut, hatte er zuvor bemerkt.

Mit dabei waren alle bei der Aktion beteiligten Helfer. Wasser sei ein lebenswichtiges Gut und man müsse großen Respekt vor denen haben, die den Brunnen vor 500 Jahren gebaut hätten – ohne Bulldogs und ohne Flaschenzug, so der Pfarrer.

Ein Denkmal in Gundremmingen für die nächsten Generationen

„Wir haben in der Gemeinde ein Bauwerk, das 500 Jahre alt ist und was auch belegt ist“, sagt Bürgermeister Tobias Bühler erfreut. Der Pfarrer habe die Initiative ergriffen. Und man habe jetzt einen Brunnen, den wahrlich nicht jeder habe. Ein Denkmal für die nächsten Generationen, nennt Altbürgermeister Wolfgang Mayer das Bauwerk. Man werde sich spätestens in 500 Jahren wieder hier treffen.

Was sagen die Helfer? „Es hat sich eine Gemeinschaft entwickelt. Wir waren eben ein Team“, findet Karl Schwarz und lächelt. Und Pfarrer Harlacher? Wenn der Wunsch da sei, mache er gerne eine Führung und erzähle noch einmal wie sich alles zugetragen habe – beispielsweise im Anschluss an den Gottesdienst, verspricht er.

Eines fügt er noch hinzu: „Einen Goldschatz haben wir nicht gefunden, dafür einen Revolver. Der aber hat sich als Spielzeugpistole entpuppt.“

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