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Günzburg

22.12.2020

Wenn in Günzburg der schwedische Tomte an die Tür klopft

Eine ganze Tomten-Parade hat die Schwedin Caisa Börjesson bei sich zu Hause in Nornheim. Der Jul-Tomte bringt in Schweden die Geschenke.
Bild: Sandra Kraus

Plus Caisa Börjesson kam in Göteborg zur Welt. Welche Traditionen sie aus Schweden mit nach Nornheim gebracht hat.

Weihnachten wird fast überall auf der Welt gefeiert und doch jedes Mal anders. Wie begehen Menschen in anderen Ländern und auf anderen Kontinenten die Weihnachtszeit? Unsere Zeitung ist der Frage nachgegangen und lässt in einer kleinen Serie Menschen aus dem Landkreis zu Wort kommen, die über die Gepflogenheiten in ihrem Heimatland berichten.

Die schwedische Weihnacht holt Caisa Börjesson jedes Jahr wieder in ihr gemütliches Haus in Nornheim. In jedem Fenster leuchtet ein Schwedenleuchter mit seinen sieben Kerzen in verschiedenen Varianten. „Das Licht ist in Schweden in der Advents- und Weihnachtszeit sehr wichtig, Tageslicht gibt es nur wenige Stunden, da hilft man mit Kerzen nach“, erklärt Börjesson. Vielleicht hat es deshalb der Nikolaus nicht bis nach Schweden geschafft.

Statt Nikolaus wird am 13. Dezember die Lichterkönigin Lucia gefeiert. Jede Stadt hat ihre eigene Lichterkönigin – ähnlich dem Nürnberger Christkind –, die Altenheime und Schulen besucht. Lucia trägt ein weißes Gewand mit einem roten Band um die Taille und einen Kranz mit Kerzen auf dem Kopf, ihre Mägde haben ein weißes Band. Am Morgen des 13. Dezember bringen sie Kaffee und Lussekatter, Safran-Hefeteilchen, und singen Lucialieder. Die Buben begleiten die Prozession als Stjärngossar, Sternenknaben.

Schwedische Tradition: Jeder brüht Glühwein nach eigenem Rezept

Im Advent sind mit Freunden Glögg-Mingel, Glühweinpartys, beliebt, wobei jeder Gastgeber seinen Glühwein nach eigenem Rezept brüht, dazu gibt es feine Köstlichkeiten vom Buffet. Diese Tradition hat die südlich von Göteborg geborene Schwedin Caisa Börjesson gerne nach Nornheim mitgenommen. Die Dekoration im Haus ist klassisch in den Farben rot, weiß, grün und gold, es werden Zweige und Tannenzapfen aus der Natur bevorzugt und wenig Künstliches. Die vier Adventskerzen, rot oder weiß, werden nicht auf einem Kranz gestellt und rund angeordnet, sondern in einer Reihe. Der Christbaum kam von Deutschland nach Schweden.

An Heiligabend klopft der Tomte an die Tür, ein fröhlicher Weihnachtswichtel mit roter Zipfelmütze und langem weißen Bart. Früher war der schwedische Tomte ein Hauswichtel, der mit auf dem Bauernhof lebte und sich um Bewohner und Vieh kümmerte. Der heutige Jultomte, der Weihnachtswichtel, geht auf die schwedische Künstlerin Jenny Nyström (1854-1946) und ihre Illustrationen zurück. Bald zierte ihr Jultomte Ansichtskarten und Weihnachtszeitungen und verdrängte den Julbock (Weihnachtsbock), der bis dahin die Geschenke gebracht hatte. Als Dekofigur ist der Julbock, ein Ziegenbock, aber geblieben.

Schwein ist ein schwedisches Weihnachtssymbol

Ihm zur Seite steht nicht nur bei Börjesson ein Schwein, in Schweden ein klassisches Weihnachtssymbol, wurde doch immer im November ein Schwein geschlachtet für den Weihnachtsschinken und die Würste. „Ein großer Unterschied zu Deutschland besteht darin, dass man in ganz Schweden an den Feiertagen das gleiche isst. An Heiligabend wird ein Julbord, ein Weihnachtsbuffet, aufgebaut.“

Wichtige Bestandteile sind Fisch, allein schon bis zu acht Heringssorten, Lachs, die warmen Speisen mit dem zentralen Weihnachtsschinken, Köttbullar, je nach Region Grün-, Rot- oder Braunkohl, und die Nachspeisen wie süßer Reisbrei, Pudding und die Pepparkakor, die den deutschen Spekulatius Plätzchen ähneln.

Dem Jultomte wird Schale Reisbrei vor die Tür gestellt

Familien mit kleinen Kindern stellen für den Jultomte ein Schälchen Reisbrei vor die Haustür. Caisa Börjesson hat auch heuer wieder den Schinken für ihren Julskinka, den sie selbst zubereitet, beim Metzger bestellt. Typisch schwedische Lebensmittel werden online geordert. Während an Heiligabend die engere Familie zusammen feiert, trifft sich am ersten Weihnachtsfeiertag die Großfamilie zur Weihnachtsgans.

Nachdem das Menü eher strengen Regeln folgt, überbieten sich Fernsehsendungen, Zeitungen und Zeitschriften jedes Jahr mit neuen Tipps, wie man sein Zuhause dekoriert für das perfekte Julbord oder die beste Weihnachtsgans. „Es wird in Schweden auch ganz viel Wert darauf gelegt, in Weihnachtsstimmung zu kommen.

In Schweden fahren viele mit dem Schlitten zur Christmette

Ungefähr so, als ob Angela Merkel zeigen würde, wie sie ihr Haus schmückt oder das Julbord anrichtet.“ Auch heute noch besitzen viele Schweden ein Pferd, sodass man an Heiligabend an Mitternacht mit dem Pferdeschlitten zur Julottan, der Christmette fährt. Pandemiebedingt war Caisa Börjesson heuer nicht in Schweden. Weihnachten in Nornheim zu feiern stand schon sehr früh fest, während sich sonst Weihnachten in Deutschland und Schweden abwechseln.

Zu Gast ist heuer Börjessons Mutter. Sie filzt jedes Jahr einen Jultomte. Mittlerweile ist es eine ganze Tomten-Parade geworden, die in Nornheim schwedische Weihnachtsstimmung verbreitet und „God jul! Frohe Weihnachten!“ wünscht.

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