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Theater in Burgau

31.10.2017

Wer ist der Hauptmann von Köpenick?

Nach der Aufführung trafen sich Schauspieler Olaf Ude, Regisseurin Vera Hupfauer und Autor Hans Münch auf der Bühne. Sie alle waren gleichermaßen bewegt von der Situation.
Bild: Gertrud Adlassnig

Die Figur des Schusters kennt fast jeder. Doch das Stück von Hans Münch gibt ihr mehr Persönlichkeit. Der Autor hat sich angesehen, was in Burgau daraus gemacht wird.

Es war ein großer Tag für ein kleines Theater. Zur Aufführung des Ein-Mann-Stücks „Das Schlitzohr von Köpenick“ war der Autor Hans Münch eigens aus Berlin angereist. Das sorgte bei Regisseurin Vera Hupfauer und Darsteller Olaf Udo für zusätzliche Aufregung neben dem theaterüblichen Lampenfieber. Doch auch der Autor war mehr als nur gespannt, was aus seinem Stück gemacht würde.

Hans Münch, ein in Wien geborener, lange Zeit in Ulm beheimateter Theatermann, Drehbuch- und Theaterautor, freute sich auf die Vorstellung des Stückes, das er zusammen mit seinem Kollegen Felix Huby vor zehn Jahren geschrieben hatte. Das Schicksal des vielfach verurteilten Schusters hatte lange Zeit niemanden ernsthaft interessiert. Es gab sie, die literarische Gestalt des Hauptmanns von Köpenick, bekannt gemacht durch Carl Zuckmayer, der den aufsehenerregenden Streich im Rathaus von Köpenick in einer Tragikomödie festgehalten hatte, die später unter anderem mit Heinz Rühmann verfilmt wurde. Doch der Autor habe die Person auf seine Tat reduziert, ihre Beweggründe hatte bis dato niemanden interessiert.

Das änderte sich, nachdem Hans Münch eine Wohnung gegenüber dem Köpenicker Rathaus bezogen und er so stets den Blick auf den Eingang vor Augen hatte, durch den schon der „Hauptmann“ gegangen war. Nun ließ ihn die Frage nicht mehr los, was diesen einfachen Mann dazu getrieben hatte, die preußische Militär- und Obrigkeitshörigkeit derart zu düpieren. Mit seinem schwäbischen Kollegen in Berlin, Felix Huby, war er sich einig, es sei es wert, sich näher mit der Person und dem Leben Voigts auseinanderzusetzen. Es brauchte lange und aufwendige Recherchen, erzählte Hans Münch, um die Spuren von Wilhelm Voigt ausfindig zu machen, seinen Weg zu verfolgen und zu verstehen, was den unfreiwillig zur geschichtlichen Person gewordenen Prototyp des kleinen Mannes angetrieben hat. Immerhin hat seine Rathausbesetzung letztlich Bewegung in den starren Staatsapparat gebracht und zumindest einige Willkürakte eingeschränkt.

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Die Aufführung ist eine enorme Herausforderung

Hans Münch und Huby, der Krimiautor und Erfinder der Tatortkommissare Max Palu und Bienzle, hatten einen ganz bestimmten Volksschauspieler vor Augen, mit dem sie das Leben des Schusters Voigt auf die Bühne bringen wollten. Es war ein Nachbar der Familie Münch, Jürgen Hilbrecht, dem das Ein-Personen-Stück auf den Leib geschrieben wurde.

In fließenden Szenen schlüpft der Schauspieler in die Figuren, die das Leben Voigts bestimmten, ihn prägten, demütigten, verjagten. So entsteht ein ganz neues, ein ergreifendes Bild dieses Mannes, der nie die Chance hatte, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, seine Fähigkeiten langfristig zu nutzen, sondern getrieben von der Willkür eines Obrigkeitsstaates in immer neue Gaunereien gedrängt wurde.

Die Aufführung dieses Schauspiels ist eine enorme Herausforderung. Doch die Protagonisten des Neuen Theaters Burgau, Regisseurin Eva Hupfauer und Schauspieler Olaf Ude, meisterten die Vorstellung im Beisein des Autors mit Bravour. Hans Münch war zutiefst bewegt von der Interpretation seines Stückes. Die Inszenierung habe ihm neue Tiefen gegeben, weitere Facetten hinzugefügt, gestand er. Das ist für den Autor wichtig und richtig. Denn jeder lese das Werk mit anderen Augen, setze neue Schwerpunkte und erkenne Dimensionen, die dem Schreiber so gar nicht bewusst waren. Interpretation und Darstellung des „Schlitzohrs von Köpenick“ fanden den uneingeschränkten Beifall des Autors.

Zu sehen ist das Stück wieder am 3., 10., 11. und 30. November sowie zum letzten Mal am 14. Dezember. Beginn ist immer um 20 Uhr. Mehr Informationen unter www.neues-theater-burgau.de

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