Newsticker

Auswärtiges Amt warnt vor Reisen nach Madrid und ins Baskenland
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wer zahlt für Corona-Test? - Günzburgerin erlebt Telefon-Marathon

Günzburg

01.07.2020

Wer zahlt für Corona-Test? - Günzburgerin erlebt Telefon-Marathon

So sieht es aus, wenn ein Mitarbeiter in der Notaufnahme der Kreisklinik Günzburg einen Abstrich für einen Corona-Test nimmt. Eine Günzburgerin, die sich in Augsburg operieren lassen wollte, hatte wegen eines solchen Abstrichs nun einen Telefon-Marathon hinter sich.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbol)

Plus Eine Günzburgerin soll operiert werden und benötigt dafür einen Corona-Test – doch das ist nicht so leicht. Warum sich die Frau ärgert und was Mediziner sagen.

Wer in Bayern einen Corona-Test machen lassen möchte, kann das seit 1. Juli bei allen bayerischen Vertragsärzten tun. Der freiwillige Test für die Bewohner Bayerns ganz ohne Symptome ist Bestandteil des bayerischen Testkonzepts. Die Kosten trägt vollständig der Freistaat Bayern, ist auf der Internetseite des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren zu lesen. Die Kostenabrechnung übernimmt die Kassenärztliche Vereinigung. Anders verhält es sich mit dem Corona-Test vor einem Krankenhausaufenthalt – und sorgt mitunter für Probleme.

Günzburger Ärztin: Regelungen für Tests erst seit Kurzem eindeutig

Eine der Günzburger Zeitung namentlich bekannte Ärztin aus dem nördlichen Landkreis sagte: „Die Regelung für diesen Test ist erst kürzlich eindeutig von der Kassenärztlichen Vereinigung, aus gegebenem Anlass, den niedergelassenen Vertragsärzten gegenüber klar formuliert worden. Sie besagt, dass die Krankenhäuser einen Zuschlag von den Krankenkassen bekommen zur Fallpauschale, wodurch die Kosten für einen Corona-Test abgedeckt sind. Aus diesem Grund ist das Krankenhaus, welches die Behandlung durchführt, verpflichtet, den Corona-Test im Vorfeld einer Behandlung selbst im eigenen Haus durchzuführen. Es spielt dabei keine Rolle, an welchem Ort sich das Krankenhaus befindet. Die niedergelassenen Vertragsärzte dürfen den Test somit nicht auf Kosten der Krankenkassen durchführen.“ Was sich hier ganz einfach liest, wurde kürzlich für eine Günzburgerin zu einem wahren Telefon-Marathon.

Auch ihre geplante Operation durch einen Belegarzt in einem Augsburger Krankenhaus erforderte einen Vorab-Corona-Test. Maximal 72 Stunden vor der Operation sollte der Abstrich genommen werden. Die Günzburgerin wollte deshalb nicht extra nach Augsburg fahren. Ein Abstrich sollte doch auch in Günzburg möglich sein, so ihre Meinung. Als sie sich bei einigen Ärzten ergebnislos durchtelefoniert hatte – die meisten waren zu keinem Test bereit, einer nur gegen Selbstbezahlung – nahm sie letztlich doch die Fahrt nach Augsburg auf sich und ließ sich dort testen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Günzburgerin ärgert sich über fehlende Regeln

Freitags wurde der Abstrich genommen, fristgerecht zur Operation am Montag sollte das Ergebnis vorliegen. Besonders geärgert hatte sich die Günzburgerin, dass sie über eine Woche auf einen Rückruf der Kassenärztlichen Vereinigung gewartet hatte. Sie hätte sich klare Regeln gewünscht. Ein Wunsch, zu dem man Dr. Dr. Wolfgang Stolle am Telefon lächeln hört. Der Mediziner aus Kötz sagt: „Anordnungen ändern sich so schnell. Was heute Gültigkeit hat, kann morgen schon wieder ganz anders sein.“

Er schildert seine Erfahrungen mit Tests vor stationärem Aufenthalt. Einer seiner Patienten hatte ebenfalls an einem Montag einen geplanten OP-Termin. Er wurde von den Kreiskliniken Günzburg am Samstag zum Abstrich einbestellt, begab sich dann in häusliche Quarantäne und konnte am Montag nach einem negativen Testergebnis operiert werden. In den Kreiskliniken Günzburg und Krumbach sei das so gehandhabt worden.

Hausärzte können von Krankenhäusern und Reha-Kliniken für Corona-Tests beauftragt werden

Krankenhäuser oder Reha-Kliniken, die weiter weg sind, könnten für den Corona-Test den Hausarzt beauftragen. Bezahlen müsse den Test auch in diesem Fall die Klinik, die eine erhöhte Fallpauschale erhalte. Diese Regelungen seien aber noch recht neu, mussten erst gefunden und ausgehandelt werden. Brandneu ist nun ab 1. Juli das bayerische Testkonzept für Gesunde. Die Abrechnungsprogramme in den Arztpraxen müssen geändert werden, damit Abstrich und Laborrechnung am Ende auch wirklich aus dem Topf der bayerischen Regierung bezahlt werden. „Den Test für Infizierte oder Verdachtsfälle bezahlt weiterhin die Krankenkasse des Patienten. Hier gilt weiterhin, dass man nach dem Abstrich in häusliche Quarantäne geht und der Arzt den Fall an das Gesundheitsamt meldet“, sagt Stolle.

Die Quarantäne wird auch durch das Gesundheitsamt aufgehoben. Nicht mehr lange wird es dauern bis eine andere Gruppe von Corona-Tests nötig sein wird. Stolle erklärt in seiner Funktion als Betriebsarzt größerer Unternehmen: „Kehrt zum Beispiel ein Arbeitnehmer mit dem Flugzeug aus dem Türkei-Urlaub zurück, geht er durch den Zoll und fährt nach Hause. Jetzt muss er sich beim Gesundheitsamt melden und sich in häusliche Quarantäne begeben.

An seinen Arbeitsplatz darf er erst dann zurückkehren, wenn ein negativer Abstrich und der Befund einer körperlichen, ärztlichen Untersuchung beim Gesundheitsamt vorliegen. Auch hier hebt das Gesundheitsamt und nicht der Arzt die Quarantäne auf. Stolle beendet das Gespräch mit dem Hinweis, dass alles aktuell so gelte und vielleicht schon morgen wieder geändert werden könne.


Lesen Sie auch:

Immer mehr Arbeitslose im Landkreis Günzburg

Corona reißt Wirtschaft im Kreis Günzburg in den Keller

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren