1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wie Valentin nach Krumbach kam

Namenstag

14.02.2014

Wie Valentin nach Krumbach kam

Copy%20of%20IMG_2013.tif
3 Bilder

Stadtpfarrkirche St. Michael besitzt mit dem römischen Katakombenheiligen einen besonderen Schatz. Über ihn liegt noch vieles im Dunkeln

Krumbach Glaubt man den Experten, so ist die Reliquie am linken Seitenaltar in der Pfarrkirche St. Michael in Krumbach nicht „der“ Valentin, dessen Gedenktag am heutigen 14. Februar gefeiert wird. Schon im Mittelalter gab es rund um diesen „Patron der Liebenden“ viele Bräuche, die sich inzwischen in aller Welt verbreitet haben. Immer ging es um Verliebte und Paare und wen wundert’s: Noch immer gilt dieser Tag als einer der umsatzstärksten bei Blumengeschäften, Parfümerien und im Süßwarenhandel.

Stolz dürfen die Krumbacher auf „ihren“ heiligen Valentin trotzdem sein. Die Historiker sprechen zwar lediglich von einem Katakombenheiligen aus Rom. Doch liegt über ihn noch vieles im Dunkeln und so gilt wohl auch in Zukunft der Schwabenspruch „Nix gwiß wois ma it!“ Jedoch gibt es einige schriftliche Dokumente, die beweisen, dass in Krumbach ein heiliger Valentin aus Rom liegt, der 1734 von einem venezianischen Adeligen den Christen des damaligen Marktfleckens geschenkt worden war. Das wiederum gibt ihnen das Recht, ihren Valentin auch künftig zu verehren und ihn um die Fürsprache für eine glückliche Zukunft für alle Liebes- und Ehepaare zu bitten.

Der Pfarrherr von St. Michael, Josef Baur, tut dies auf eine inzwischen bewährte Weise. Am morgigen Samstag, 18 Uhr, feiert er in der Pfarrkirche einen Festgottesdienst, der seinen Abschluss mit einem besonderen Segen für alle Paare findet, die er dazu pfarreiübergreifend einlädt. Verbunden ist die Möglichkeit zur Einzelsegnung, wobei es für ihn nebensächlich ist, ob es sich um Liebes- oder Ehepaare handelt. Die Devise des Stadtpfarrers: „Wir gehen mit unserem Valentin ehrfurchtsvoll um, denn er hat durch sein Leben und seinen Tod den Glauben bezeugt und ist damit auch heute noch ein Wegweiser zu Gott.“ Musikalisch gestaltet wird die Messfeier von Kirchenchor und Liederkranz mit Solisten und Orchester mit der „Missa in honorem Sancti Valentin“, die der Krumbacher Pädagoge Thomas Bäurle vor einigen Jahren komponiert hat.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Wie aber kommt St. Michael zu seinem Valentin? Fakt ist, dass es sich nachweislich um einen Bischof und Märtyrer handelt, dessen Leichnam aus den römischen Katakomben stammt. Bestätigt wird dies in mehreren Urkunden, die sich noch heute im Pfarrarchiv befinden. Das wertvollste Dokument stammt aus dem Jahre 1734. Aus ihm geht hervor, dass der venezianische Adelige Joannes Delfin die Gebeine des Heiligen und ein hölzernes Gefäß mit dem Blut des Märtyrers der Kirche in Krumbach schenkte.

Auch nach intensiven Forschungen mehrerer Historiker und der Krumbacherin Uschi Raab, die darüber ihre Facharbeit schrieb, bleibt unklar, warum der damals unscheinbare Markt zu diesem Besitz kam. Vermutet wird, dass die Fugger oder der geplante Kirchenneubau eine Rolle spielten. Sei’s drum. Nach Übersetzung der Urkunde sind Authentizität und Herkunft gesichert. „Bruder Thomas vom Berg Ilcino, ein Patrizier und Erzbischof durch die Gnade Gottes und des apostolischen Tempels“, beglaubigt darin „unzweifelhaft“, dass „wir den heiligen Körper zur größeren Ehre des allmächtigen Gottes und zur Verehrung ihrer Heiligen, auf Geheiß unseres heiligsten Herrn Papstes aus dem Friedhof von Calepodus herausgezogen (ausgegraben) und dem erlauchtesten und exzellentesten Herrn Joannes Delfin, einem adeligen Venezianer, zum Geschenk gemacht haben, zusammen mit einem Gefäß des Blutes des heiligen Märtyrers Valentin.“

Wie die großzügige Schenkung nach Krumbach kam, recherchierte Uschi Raab. Danach wurde zur Überführung vom damaligen Pfarrer Joseph Zell ein Joannes Glözel beauftragt, der in Rom mit den Valentins-Reliquien ein Begleitschreiben erhielt, das ihm die freie und ungehinderte Rückreise gewährleistete. Trotzdem kam es zu zeitlichen Verzögerungen, bis schließlich die Reliquie zehn Monate nach der Schenkung auf Umwegen über Augsburg und Weißenhorn vom neuen Pfarrer Joseph Günzer (Zell war 1737 gestorben) in Empfang genommen und im Triumphzug nach Krumbach gebracht werden konnte.

Obwohl die Pfarrei 1739 von der Diözese Augsburg den Auftrag erhielt, jeweils am 14. Februar „das Fest des Märtyrers mit einer gesungenen Messe feierlich zu begehen“, blieb es lange still um den Krumbacher Heiligen. Erst Stadtpfarrer Baur gab dem Valentinstag in Krumbach wieder mehr Bedeutung. Allerdings findet der Gottesdienst seit wenigen Jahren nicht unbedingt am 14. Februar statt, vielmehr am darauffolgenden Samstagabend.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren