Newsticker
Kassenärzte erwarten Aufhebung der Impf-Priorisierungen im Mai
  1. Startseite
  2. Lokales (Günzburg)
  3. Wie aus einem alten Trafoturm die Villa Ampere wurde

Leipheim

28.10.2014

Wie aus einem alten Trafoturm die Villa Ampere wurde

Das Turmstüberl im ehemaligen Trafoturm an der Leipheimer Wissmannstraße ist zwar nur drei mal drei Meter groß, dafür aber sehr gemütlich. Anton Maier, Freund und Familienmitglied, war Bauleiter bei der Sanierung.
11 Bilder
Das Turmstüberl im ehemaligen Trafoturm an der Leipheimer Wissmannstraße ist zwar nur drei mal drei Meter groß, dafür aber sehr gemütlich. Anton Maier, Freund und Familienmitglied, war Bauleiter bei der Sanierung.
Foto: Bernhard Weizenegger

Hans Zachai hat sich zusammen mit vielen Helfern in Leipheim ein gemütliches Turmstüberl geschaffen. Viele Gegenstände erinnern noch an ursprüngliche Aufgaben des Gebäudes.

Vor kurzem durfte Hans Zachai den Turm neben seinem Garten noch gar nicht betreten – das wäre lebensgefährlich gewesen. Heute verbringt er viel Zeit darin, genießt die Ruhe und den Ausblick, macht ab und zu unterm Dach sein Mittagsschläfchen.

Der Turm war einmal ein Trafoturm der EnBW, gebaut 1954. Hochspannungsleitungen waren dort angeschlossen, gesichert durch eine schwere Stahltür. Der Putz war schon an vielen Stellen abgebröckelt, der Turm wenig ansehnlich. Hans Zachai hat er trotzdem schon immer fasziniert, seit er 2007 in die Leipheimer Wissmannstraße gezogen ist.

Dann kam seine Chance: Ende 2013 erfuhr Zachai, dass der Turm abgerissen werden soll. Der Leip-heimer war schneller: Er verhandelte mit dem Energiekonzern, kaufte den Turm und legte los. Die Formalia mit der Stadt und dem Unternehmen waren recht schnell erledigt. Die Leitungen verliefen da schon lange unter der Erde.

Zusammen mit vielen Helfern hat Hans Zachai dann diesen Sommer und Herbst viele Stunden und Tage lang den Turm saniert. Sie zogen Decken ein, verputzten und strichen ihn neu.

Ein halbes Jahr nach dem Kauf ist der Turm nun kaum mehr wieder zu erkennen. Und einen neuen Namen hat er auch: Villa Ampere, zu lesen auf einem hübschen Café-Schild, das Hans Zachai für acht Euro auf dem Flohmarkt gekauft und neu gestaltet hat. Überhaupt stecken ganz viele wiederverwendete Dinge und viele Stunden Eigenarbeit in dem Turm. Und etwa 5000 Euro.

Die Villa bekam auch neue Fenster und eine neue Tür. Hans Zachai hat sie von alten Gebäuden auf dem ehemaligen Fliegerhorst gerettet. Für jeweils zehn Euro hat er sie dem Zweckverband abgekauft. „Mir tut es im Herzen weh, welche tollen Gebäude da abgerissen werden“, sagt Zachai. Einige Teile leben nun in seinem Turm weiter. Auf die zweiflüglige olivgrüne Holztür ist er besonders stolz.

Wer durch sie hindurchgeht, der entdeckt noch vieles, was an die früheren Aufgaben des alten Trafoturms erinnert: Die dicken Hochspannungskabel sind freigelegt und bleiben als Stilleben hinter einer Glasscheibe. An den Wänden hängen alte Stromzähler, Volt- und Amperemeter. Aus alten Glas- und Keramik-Isolatoren haben die Helfer Lampen, Garderobenhaken und Blumenvasen gebaut.

Die alten Geräte und Isolatoren kommen zwar nicht alle aus dem Leipheimer Turm, aber sie waren alle mal im Einsatz. In der EnBW-Bezirksstelle in Langenau durfte Zachai in Containern nach alten Schätzen suchen, die Mitarbeiter haben ihm später immer wieder ausrangierten Teile zurückgelegt.

Wer die schmalen steilen Treppenstufen in den ersten Stock hinauf steigt, der kommt in das drei mal drei Meter große Turmzimmer, wo sich regelmäßig eine Schafkopfrunde trifft. Bis zu acht Leute haben an dem Holztisch Platz, Zachai kann sich dort auch kleine Konferenzen vorstellen. „Wer mal eine kreative Arbeitsumgebung braucht, der kann sich bei mir melden“, meint er großzügig. Nur verpflegen müssten sich die Gäste selbst.

Im zweiten Stock wird es dann noch gemütlicher: Dort steht eine Schlafcouch. Beide Räume sind durch farbige LEDs indirekt beleuchtet, ein Elektroofen macht warm. Nur eines gibt es hier nicht: Medien. Keinen Fernseher, kein Radio, kein Telefon. Die Villa Ampere soll ein Rückzugsort sein. Unter Strom stand sie schließlich lange genug.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren