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Landkreis Günzburg

22.05.2019

Wie das Hochwasser den Landkreis Günzburg im Griff hielt

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9 Bilder
Viele Flächen wurden überschwemmt, wie hier in Ichenhausen.
Bild: Sandra Rotondo

Plus An der Günz waren die Überschwemmungen am massivsten. In Leipheim wurde das Wasserwerk abgestellt.

Seit Mittwochnachmittag scheint die Sonne wieder, als wäre nichts gewesen. Zuvor hatten die Regenfälle dafür gesorgt, dass sich die an der Günz und der Donau hat sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch verschärfte. Für Bubesheim musste eine Notwasserleitung aufgebaut werden, in Ichenhausen musste die Feuerwehr Gebäude mit Sandsäcken vor dem Wasser abschirmen. Trotzdem sagte Hubert Mahler vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth, dass der Landkreis „relativ gut davongekommen“ sei. „Ein Tag mehr Regen und alles hätte ganz anders ausgeschaut.“

Donau „Das ist jetzt der Notfall vom Notfall“, sagte Christian Eisele von den Stadtwerken Günzburg und meinte damit die am Mittwoch installierte, quasi zweite Trinkwasser-Notversorgung für Bubesheim. Denn derzeit bezieht die Gemeinde ihr Trinkwasser bereits über eine Notversorgung aus Leipheim, die über den dortigen Fliegerhorst läuft. Doch durch das Hochwasser war diese Versorgung in Gefahr. „Sollten die Flachbrunnen in Leipheim durch die Donau überflutet werden, wird die Verbindung zu uns abgeschaltet“, erklärte Bubesheims Dritter Bürgermeister Gerhard Sobczyk.

Schild Hochwasser in Günzburg. Starke Regenfälle bringen die Flüsse an den Rand ihrer Kapazität. Überflutungen sind die Folge. Auch die Günz nahe der Mündung in die Donau hat Hochwasser. Die Niederschläge sollen noch bis Mittwoch, 22. Mai 2019, anhalten. Symbolfoto Symbolbild Schild Bayern Region Wetter
Bild: Bernhard Weizenegger

Um zu vermeiden, dass die Gemeinde von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten wird, wurde am Dienstag beschlossen, eine weitere Notversorgung zu etablieren – vom Günzburger Stadtteil Wasserburg aus. Über eine Notleitung wird das Wasser von einem Hydranten im Bereich der Bürgermeister-Sommer-Straße überirdisch zum Sportplatz geleitet und dort ins Netz der Gemeinde eingespeist. Am Mittwochvormittag stand die Leitung innerhalb von zwei Stunden. Dabei geholfen haben Vertreter der Stadtwerke, Feuerwehrleute aus Bubesheim und Gemeinderäte.

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Notversorgung für Bubesheim: „Es kann zu Engpässen kommen.“

Bevor die Notversorgung ans Netz konnte, musste die Leitung jedoch durchgespült und desinfiziert werden. Gerhard Eisele und ein Kollege überprüften anschließend den ph-Wert, die Leitfähigkeit, den Sauerstoffgehalt und die Temperatur des Wassers. Sobczyk sah bei der Notversorgung vor allem zwei Probleme: „Die Leitung läuft überirdisch, könnte also beschädigt werden.“ Außerdem handle es sich nur um eine Notversorgung. Alle 460 Haushalte in Bubesheim könnten zwar mit Trinkwasser versorgt werden, aber: „Es kann zu Engpässen kommen.“ Und Spitzen könnten nicht abgedeckt werden. Sobczyk hoffte deshalb, dass die Bubesheimer nur das Notwendigste an Wasser verbrauchen.

Per Handzettel wurden die Bewohner bereits am Dienstag auf die Notversorgung aufmerksam gemacht. Das Wasser aus der Notleitung muss abgekocht werden. Sobczyk gibt die Hoffnung aber nicht auf: „Leipheim lässt uns so lange wie möglich am Netz. Das wird ganz knapp. Es könnte sein, dass wir gerade so durchkommen.“

Die Wasserwerker der Stadtwerke Günzburg haben eine Notwasserversorgung für Bubesheim aufgebaut. Vom nahegelegenen Stadtteil Wasserburg führt nun eine etwa 500 Meter lange Verbindungsleitung zum Bubesheimer Sportplatz. Dort wird Trinkwasser aus Günzburg ins Trinkwassernetz von Bubesheim eingeleitet. Die Notversorgung wurde aufgrund des Donau-Hochwassers nötig. Die Stadt Leipheim versorgt seit einiger Zeit die Gemeinde Bubesheim mit Trinkwasser. Wenn Leipheim jedoch aufgrund von Überflutung die Flachwasserbrunnnen abstellen muss, fällt auch die Bubesheimer Versorgung trocken.
Bild: Bernhard Weizenegger

In Leipheim musste am Mittwochnachmittag aufgrund der Hochwasser-Situation das Wasserwerk Donau abgeschaltet werden. Wie Sprecherin Nicole Schneider mitteilte, wurde der Notbetrieb über das Wasserwerk auf dem Areal Pro eingeleitet. Vorsorglich muss das Trinkwasser vorübergehend gechlort werden.

Überschwemmung Ichenhausen
Bild: Ralf Berchtold

Günz In Ichenhausen trat die Feuerwehr auch noch am Mittwoch den Wassermassen entgegen. Bis in die Abendstunden blieb die überschwemmte Günztalstraße gesperrt, Wälle aus Sandsäcken hielten das Wasser von Gebäuden fern. Wie der Kommandant der Ichenhauser Feuerwehr Ralf Berchtold sagte, stieg der Pegel im Tagesverlauf immer weiter an. Im Lauf des Nachmittags konnte allerdings ein Teil der Wassermassen über die Kanalisation abgeleitet werden.

Fluten bedrohen Höselhurst

Weiter südlich bei Wattenweiler musste die Feuerwehr die Fluten genau im Auge behalten: Sollte der Pegelstand dort weiter ansteigen, könnten die Wassermassen laut dem Kommandanten der Feuerwehr von Wattenweiler, Andreas Böller, über den Unterwiesenbacher Weg bei Höselhurst fließen. Daher bereitete sich die Feuerwehr darauf vor, an der Verbindungsstraße zwischen Höselhurst und dem Kraftwerk an der Günz einen Wall aus Sandsäcken aufzubauen, um das Wasser vom Ort fernzuhalten. Die Fluten würden dadurch in Richtung Norden weitergeleitet. „Dort sollte sich das Wasser gut auf den Flächen verlaufen und für Wattenweiler keine Gefahr darstellen“, sagt Kommandant Böller. Das Aufbauen des Walls könnte Böller zufolge im Lauf des späten Mittwochabends oder in der Nacht notwendig werden.

Die Günz verwandelte sich in einen reißenden Strom. Das Bild zeigt den Abschnitt bei Wattenweiler.
Bild: Sandra Rotondo

Aber nicht jedes Haus an der Günz wurde vom Wasser verschont: Wenn das Stichwort „Hochwasser“ fällt, da weiß Marianne Altstetter, was ihr „blüht“. Das Haus der Gesangslehrerin befindet sich nahe der Günz – auch diesmal war ihr Keller voll. „Fast 40 Zentimeter stand das Wasser hoch“, berichtete sie.

In Deisenhausen verursachten die Kanäle Probleme – sie waren dermaßen überfüllt, dass sich das Wasser zurückstaute und teilweise in Keller gedrückt wurde. Wie der Kommandant der Deisenhauer Feuerwehr, Christoph Scherer, sagte, waren mehrere Gebäude in der Günztalstraße betroffen: „In einigen Kellern bilden sich Rinnsale.“ Die Einsatzkräfte pumpten daher Wasser aus dem überfüllten Staukanal ab und leiteten es in die Günz. „Die Wassermenge, die wir in den Fluss leiten, ist im Verhältnis zum Wasser in der Günz sehr gering, dort ist die Veränderung durch das Zuleiten kaum spürbar“, sagte Scherer.

Situation an Mindel und Kammel weitgehend entspannt

Mindel Weniger problematisch war die Situation an der Mindel. Maximilian Hartmann, der beim Wasserwirtschaftsamt Donauwörth für das Hochwasserschutzprojekt im Mindeltal verantwortlich ist, betonte, dass der bestehende Hochwasserschutz durchaus Wirkung zeige, allerdings sagte er auch: „Es hätte nicht signifikant mehr Wasser sein dürfen, sonst wäre es kritisch geworden.“

Das Hochwasser der Mindel zwischen Balzhausen und Mindelzell.
Bild: Annika Schmid

Wie Thannhausens Feuerwehrkommandant Karl-Heinz Pfitzmayr sagte, habe es einige Ausuferungen im Bereich von Münsterhausen sowie zwischen Ursberg und Bayersried gegeben. Dabei seien aber ausschließlich landwirtschaftliche Flächen überschwemmt worden.

Ein mögliches Problem könnte sich allerdings durch den ansteigenden Grundwasserpegel ergeben. „Es dauert etwa zwei Tage, bis der Grundwasserpegel auf die Regenfälle und Fluten reagiert. Daher beobachten wir die Situation weiterhin genau“, sagte Pfitzmayr. Er geht allerdings davon aus, dass an der Mindel die größte Gefahr inzwischen gebannt ist.

Kammel- und Mindeltal Gute Nachrichten gab es am Mittwoch vom Bahnverkehr: Zwischen Dinkelscherben und Freihalden kam es zu keinen Beeinträchtigungen mehr. Seit Dienstag hatte es dort immer wieder Probleme gegeben, die Gleise standen unter Wasser, ein Erdrutsch drohte.

In Kammeltals Ortsteil Egenhofen stand die komplette Ortsstraße, die derzeit saniert wird, unter Wasser. Ein Durchkommen war kaum mehr möglich, ohne Gummistiefel ging nichts. Die betroffene Anwohnerin Sandra Rotondo nahm es mit Humor und bezeichnete Egenhofen als „Klein-Venedig“. „Die Gondeln sind schon bestellt.“

Kammel Relativ entspannt war die Lage an der Kammel. Zu einer Straßensperrung kam es am Dienstagabend an der Ortsverbindungsstraße zwischen Aletshausen und Waltenhausen, die Straße wurde überflutet.

Überschwemmung der Kammel bei Niederraunau
Bild: Ramona Stadler

Wie Aletshausens Bürgermeister Georg Duscher sagte, sei das bei einem mittelschweren Hochwasser an dieser Stelle normal. Laut seiner Aussage konnte die Sperre bereits am Mittwochvormittag um acht Uhr wieder aufgehoben werden.

Zusam Laut Kreisbrandrat Robert Spiller gab es an der Zusam keine größeren Überschwemmungen.

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