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Landkreis Günzburg  

14.03.2018

Wie der Onlinehandel professionalisiert werden soll

Die Kunden entscheiden: Ein Geschäft zum Anfassen ist im digitalen Zeitalter nicht mehr nötig. Die Umsätze von Shops im Internet wachsen. Darauf wird nun unter anderem mit einem neuen Ausbildungsberuf für den Onlinehandel reagiert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Noch in diesem Jahr wird es einen neuen Ausbildungsberuf geben: Den Kaufmann und die Kauffrau im E-Commerce. Welche Erwartungen daran geknüpft werden.

Sebastian Maindok will mit seiner Firma Menatwork zu den Pionieren gehören. Seit über zehn Jahren sind er und weitere 16 Mitarbeiter in Burgau-Unterknörigen im Großhandel tätig. Verkauft wird über eine entsprechende Online-Plattform Zubehör für Smartphones, Tablets, überhaupt Artikel rund um das Mobile Computing und Autozubehör. Innerhalb dieser Zeitspanne habe es in seiner Branche große Veränderungen gegeben, sagt der Geschäftsführer. „Und die Verschiebungen sind noch nicht zu Ende.“ Damit meint Maindok die Bewegung weg vom stationären Handel hin zu Online-Portalen oder zu „Hybrid-Lösungen“, also einer Kombination aus Verkäufen im Netz und einem Laden oder mehreren Filialen vor Ort. Deshalb sucht der Betrieb für den September einen Auszubildenden, dessen Ausbildungsberuf es noch gar nicht gibt: Einen Kaufmann beziehungsweise eine Kauffrau im E-Commerce (elektronischer Handel).

Die duale Ausbildung wird in Betrieb und Berufsschule angeboten und startet zum 1. August 2018. Demnächst entscheidet das Kultusministerium, welche Berufsschulen im Freistaat theoretische Kenntnisse für diesen neuen Beruf vermitteln werden. Da jeweils einwöchige Blockbeschulungen vorgesehen sind, werden die Auszubildenden an den Schulen untergebracht sein. Dem Vernehmen nach soll eine Berufsschule in Schwaben für die komplette Region zum Zuge kommen. Auch die Staatliche Berufsschule in Lauingen (Kreis Dillingen) hat sich beworben, antwortet Studiendirektor Kersten Henne, der zur Schulleitung gehört, auf Nachfrage unserer Zeitung. „Die Firmen in der Region warten auf eine Entscheidung. Aber die liegt noch nicht vor“, sagt er. Das bestätigte Ludwig Unger, der Sprecher des Kultusministeriums, am Dienstagabend auf Anfrage. Das Ministerium werte ermittelte Daten aus. Eine Rolle für die Standortentscheidung dürfte dabei spielen, welche Resonanz von Firmen aus den Regionen vorliegt. Bis wann mit der Entscheidung des Kultusministers zu rechnen ist, vermochte Unger gestern nicht zu sagen.

Ein Bewerber wohnt über 100 Kilometer weit weg und will umziehen

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Das Burgauer Unternehmen sucht seit wenigen Wochen die Nachwuchskraft mithilfe der Stellenbörse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben. Die Agentur für Arbeit weiß von dem Gesuch ebenfalls Bescheid. Bisher seien fünf Bewerbungen eingegangen. Ein Kandidat wohnt mehr als 100 Kilometer vom Firmensitz in Unterknöringen entfernt. Er wäre bereit, wegen der Ausbildung umzuziehen und will dann bei Verwandten in Augsburg wohnen.

Heinz Müller, Ausbildungsberater bei der IHK Schwaben, erkennt bei den Firmen wachsendes Interesse an diesem neuen Ausbildungsberuf. „Rückfragen sind da“, sagt er aus eigenem Erleben. Weil es jetzt nicht einmal mehr ein halbes Jahr bis zum Ausbildungsstart ist, aber noch nicht alle Fragen geklärt sind, gebe es zum Teil jedoch noch „zögerliche Reaktionen“. Das werde sich bald legen, sagt Müller vorher. „Das Angebot des neuen Ausbildungsberufes wird im kommenden Jahr voll durchschlagen.“ Seine Überzeugung nimmt er aus dem bisherigen Wandel in der Handelswelt. Dort habe schon jetzt jedes mittelständische Unternehmen „den Onlinehandel als zweites Standbein“.

Der Geschäftsführer erwartet sich „neue Impulse“

Bis 2019 wird der Elektronik-Großhändler Menatwork nicht warten. Von dem entstehenden Ausbildungsberuf erwartet sich Geschäftsführer Maindok „neue Impulse“, die die klassische Ausbildung zum Großhandelskaufmann nicht bieten könne. Der kreative Umgang mit den Möglichkeiten sozialer Medien ist eine der Aufgaben, die auf eine Kauffrau oder einen Kaufmann im E-Commerce zukommen. Maindok selbst ist ausgebildeter Bankkaufmann. Der 42-Jährige hat sich die Erfahrung für seine Tätigkeit bei der Menatwork GmbH & Co. KG durch „learning by doing“ geholt, wie er sagt. Es sei an der Zeit, dass es in Deutschland eine professionelle und vergleichbare Ausbildung für den Onlinehandel gebe.

Die Nachfrage bei jungen Menschen, sich auf dieses Zukunftsterrain zu begeben, sei groß. Die erwünschten Qualifikationen auch. Die Burgauer Firma stellt sich eine Nachwuchskraft vor, die sicher mit Zahlen umgeht, Spaß an Analysen hat, ein Organisationstalent besitzt und für die Belastbarkeit, Teamfähigkeit und Leistungsbereitschaft keine Fremdwörter sind. Gute Englischkenntnisse, Mittlere Reife, Fachabitur oder Abitur stehen ebenfalls noch auf der Wunschliste des Unternehmens.

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